Fachmann für Holzbau

"Höhenangst darf man bei uns nicht haben"

14.8.2021, 19:40 Uhr
Je höher, desto schöner, sagen die Mitarbeiter von Zimmerer Anton Hengel, der hier an einem Dachfirst arbeitet.

Je höher, desto schöner, sagen die Mitarbeiter von Zimmerer Anton Hengel, der hier an einem Dachfirst arbeitet. © Foto: Rosi Thiem

Aber nicht nur neue Dachstühle, auch Sanierungen, Restaurationen, Dachdämmungen, Dacheindeckungen, Carports, formschöne Balkone und Verkleidungen gehören zu den Aufgaben des Zimmerermeisters aus Regenthal. "Wir machen alles, was mit Holz zu tun hat", sagt der Fachmann für individuelle Holzbaulösungen. Auf der derzeitigen Baustelle in Weidensees arbeitet er gerade mit Trapezblech. Hier wird eine alte Scheune neu verkleidet und das betagte Bauwerk erhält eine wetterfeste Außenhülle. Vorher wurde die marode Dacheindeckung entfernt.

Das schwere Material kommt mit dem eigenen Kran nach oben. Höhenangst? "Nein, die darf man bei uns nicht haben. Meine Mitarbeiter sagen mir, je höher, desto schöner. Dann sieht man mehr. Wer sich nicht nach oben traut, der kann bei uns leider nicht arbeiten", macht der 47-Jährige deutlich. "In unserem Beruf muss man absolut schwindelfrei sein."

Die Sicherheit seiner derzeit drei Mitarbeiter ist ihm äußerst wichtig. "Hier kann ich nur immer wieder anhalten und auf Gefahren hinweisen. Meine Mitarbeiter sind zuverlässig", lobt Hengel. Ab zwei Metern Höhe wird auch ein Gerüst aufgestellt, das ist Vorschrift. "Die blauen Fangnetze", zeigt er nach oben, "dienen der Absturzsicherung. Wir haben ein eigenes Gerüst. Das macht uns flexibler und unabhängiger und wir müssen nicht warten, bis endlich ein Gerüst steht." Die Zimmerei Hengel ist, wie jede andere auch, absolut witterungsabhängig. "Wenn es regnet, ist alles rutschig." Da ist dann auch mal ein Stopp drin, denn die Sicherheit geht vor. "Aber auch sonst muss man auf jeden Schritt aufpassen, den man tut. Der Kopf ist immer dabei", verweist Anton Hengel. "Es ist Gott sei Dank noch nichts schlimmeres passiert", ist er froh.

Dann sind neben dem Regen noch die UV-Strahlen, vor dem sich die Mitarbeiter in luftiger Höhe schützen müssen. "Hier sind besonders ein Käppi und eincremen wichtig. Die Sonne darf man nicht unterschätzen."

Seit 2000 selbstständig

Der Zimmerermeister, der 1998 im Nebengewerbe angefangen hatte, machte sich im März 2000 komplett selbständig. Und er setzt auf gute Arbeitskollegen. "Ohne meine Leute geht nichts. Die Firma ist nur so gut, wie unsere Mitarbeiter sind", schlussfolgert der Chef. "Doch ich kann mich nicht beschweren", ist er erleichtert. Seine Mitarbeiter Stefan Weißmann sind 17 Jahre, Julian Walz, der bei ihm gelernt hat, elf Jahre und der Allrounder Wolfi Hofmann seit zwei Jahren dabei. Der Handwerksberuf ist durchaus attraktiv. "Die Bezahlung wird auch immer besser", so Hengel. "Die Nachfrage regelt den Preis. Leider wird dies oft nicht gesehen", bedauert Hengel. "Ich hätte gerne noch mehr Mitarbeiter, um flexibler zu sein, doch du bekommst keine", bedauert er den derzeitigen Arbeitsmarkt.

Derzeit sind in ganz Oberfranken 311 Zimmereien und 159 Dachdecker in der Handwerksrolle Stand 30. Dezember 2020 eingetragen. Davon entfallen auf die Stadt Bayreuth sechs Zimmereien und neun Dachdeckerbetriebe und auf den Landkreis Bayreuth 53 Zimmereien und acht Dachdecker. Beachtlich ist, dass es für das große Oberfranken nur 91 Lehrlinge in der Zimmerei und 43 Auszubildende in der Dachdeckerei gibt.

Lieber in die Industrie

"Lehrlinge ist ein schweres Los, alle wollen in die Industrie", bedauert er. Wo sollen die Fachleute der Zukunft herkommen? "Das wird schwierig. Entweder gibt es zukünftig nur noch kaputte Dächer, oder es geschieht ein Umdenken in der Gesellschaft in Deutschland und das Handwerk bekommt allgemein wieder mehr Beachtung bei der Berufswahl. Dieses Umdenken muss aber schon bei den Eltern anfangen", fordert der Zimmerermeister, der seinen Beruf liebt. Arbeit ist genug da. "Es ist noch nicht mal allzu lange her, da hat es geheißen: Wenn du da nicht anfängst, macht es ein anderer. – Heute heißt es: Hast du nächstes Jahr Zeit, dies zu machen?", zeigt er den Wandel im Handwerk auf.

Ein Thema ist die Materialknappheit am Bau. "Die Holzpreise gehen in die Höhe. Seit heuer haben sich die Preise verdoppelt, ja teilweise auch verdreifacht", stellt Anton Hengel heraus. "Festpreisangebote sind nicht möglich. Das haben wir aber nicht nur beim Holz, sondern auch beim Blech", beklagt er. "Ich arbeite vor und habe Materialien schon im Hof, die ich in den nächsten Monaten verarbeiten werde." Nur seine vorzeitigen und umsichtigen Bestellungen und seine Lagermöglichkeiten ließen ihn diese markanten Engpässe bisher ausgleichen.

"Das Bauen für junge Leute wird immer schwieriger", befürchtet er, wenn er an die explodierenden Preise denkt. Die Auftragsbücher sind bei ihm voll. Einen positiven Schub gibt dem 47-jährigen Zimmerermeister die Kundenzufriedenheit. "Wir versuchen nach bestem Wissen und Gewissen so zu arbeiten, dass es passt. Wenn der Bauherr zufrieden ist, sind wir es auch", lacht er und legt seinen Hammer in den Koffer. Die Baustelle in Weidensees ist beendet. Jedoch, stopp, noch nicht ganz: Jetzt wartet das Nachbargrundstück auf das Hengel-Team und das Gerüst zieht eine Hausnummer weiter. Hier werden zusätzlich noch Dachfenster ausgetauscht. "Kein Thema, das machen wir", legen die vier Fachleute einstimmig und hochmotiviert fest.

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