Hollfeld: Wie das Kintopp die Corona-Untiefen überwinden will

24.1.2021, 11:55 Uhr
Auch das stimmt Winfried Hartl optimistisch: Immer wieder gehen Spenden ein. Irgendwann werde der Lockdown ja mal beendet und damit ein Neustart für das Kintopp Hollfeld machbar sein.

Auch das stimmt Winfried Hartl optimistisch: Immer wieder gehen Spenden ein. Irgendwann werde der Lockdown ja mal beendet und damit ein Neustart für das Kintopp Hollfeld machbar sein. © Foto: Stefan Brand

"Das habe ich so richtig auch erst im Lauf des vergangenen Jahres kapiert", konstatiert der 73-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Und fragt sich, wie die Cineplex-Betreiber völlig besucherfrei über die Runden kommen wollen. Jene also, "für die sich das wirtschaftlich rechnen muss, ich habe die Angst, dass da eine ganze Branche den Bach runtergeht". Für das Kintopp hegt er diese Befürchtung nicht. Zumindest im Moment noch nicht.

Popcorn und Kürbisglühwein

Zwar trauert Hartl den Monaten nach, in denen wenigstens ein eingeschränkter Betrieb mit reduzierter Gästezahl und jeder Menge Abstand möglich war. Doch irgendwann werde der Lockdown ja mal beendet und damit ein Neustart machbar sein. Auch jetzt ist das Kintopp nicht völlig leblos: freitags und samstags kann man sich hier von 17 bis 19 Uhr kulinarische Genüsse abholen und mit nach Hause nehmen.

Da wären zum einen "unsere berühmten Baguettes", zum anderen Popcorn, selbst gemachter Kürbisglühwein und drei Sorten Bier vom Fass aus Brauereien der Region. Dieses Angebot ist natürlich "offiziell abgesegnet, auch Bier dürfen wir wieder verkaufen".

Apropos Fass. Ein kleiner Filmtempel wie das Kintopp sei grundsätzlich "ein Fass mit Loch". Das können natürlich auch die Erlöse aus vier Stunden "Leckeres to go" nicht stopfen. Zumal die Resonanz bei Weitem nicht das Niveau der Sommermonate erreicht. Aber immerhin: "So ist überhaupt was zu tun, so sieht man sich auch mal." Doch ohne die Kintopp-Freunde und das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder wäre das Fass bereits leer. Weil dieser Einsatz grundsätzlich nichts kostet.

Beschäftigte in Kurzarbeit

Anders die Situation natürlich für die beiden festangestellten Kräfte, für Geschäftsführerin Ruth Dormann und Wolfgang Kupfer, Filmvorführer und zuständig für die technische Ausrüstung des Kinos. "Sie sind in Kurzarbeit, wie schon nach dem ersten Lockdown."

Stichwort Kurzarbeit: Aus Hartls Sicht ist sie "ein Segen für alle Arbeitnehmer, in anderen Ländern, die dieses Instrument nicht haben, dürfte hohe Arbeitslosigkeit die Folge sein".

Die Perspektiven? Winfried Hartl, lange Jahre als Physiker bei Siemens in Erlangen tätig, ehe es ihn vor genau zehn Jahren aufgrund verwandtschaftlicher Verknüpfungen mit seiner Frau nach Hollfeld zog, zuckt mit den Schultern: "Kein Mensch weiß im Moment, wie es weitergeht, ob bis zur Jahresmitte die Lockerungen kommen."

Er glaubt jedenfalls noch nicht an Veranstaltungen mit üppigen Besucherzahlen. Daher sieht der gebürtige Esslinger, der auch bei den Schützen im Vorstand tätig ist, schon jetzt schwarz für das renommierte Schützenfest im Juli. "Ich kann mir das nicht vorstellen".

Auch sonst Tristesse. Es fehlt die Übung, "wenn ich mal wieder ein Gewehr in der Hand halte, treffe ich wahrscheinlich gar nichts". Es fehlen die Wettkämpfe, es fehlen die sozialen Kontakte. "Die Geselligkeit ist wichtig, das schläft alles ein." Aber auch da gilt das Prinzip Hoffnung aus seiner Sicht. Wie für das Kintopp: "Ich hoffe einfach, dass die Faszination für den Kinofilm immer noch da ist, wenn es wieder losgeht."

Zu kurze Vorlaufzeit?

Wenig hilfreich seien da Tendenzen der Filmgesellschaft und der Filmverleiher, die Vorlaufzeit für neue Streifen zugunsten der Kinos auf zwei Wochen oder gar zwei Tage herunterzuschrauben.

Der Zeitraum also, in dem sie nur im Kino und noch nicht in einem Streaming-Dienst im Internet zu sehen sind. "Das wäre wirklich fatal", sagt Winfried Hartl.

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