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Hollfelder WG-Kandidat war schon mit 23 Jahren Chef

Thorsten Roß war junger Vorsitzender des FC Freienfels - Jetzt kandidiert er als Bürgermeister - 25.06.2019 15:01 Uhr

Thorsten Roß (links) und Markus Seidler bilden für die Wahlgemeinschaft Hollfelder Land eine Doppelspitze. Falls es für den Chefposten im Rathaus reicht, wird Roß Bürgermeister. © Foto: Matthias Görl


Da ist Selbstbewusstsein im Spiel: "Ich kann führen, kann organisieren und strukturieren", sagt Roß im Gespräch mit dieser Zeitung. Eigenschaften, die aus seiner Sicht zurzeit im lokalpolitischen Geschehen der Stadt ein Schattendasein führen. Was der Entwicklung der Kommune schade, es passiere ja kaum etwas. Und: "Es fehlt an einer Diskussionskultur, am Willen, die Bürger mitzunehmen, sie einzubinden", sagt der 39-Jährige.

Das will er ändern. Und baut damit auf Erfahrungswerte. Roß war zwölf Jahre lang Vorsitzender des FC Freienfels. Die Besonderheit: Er wurde mit 23 in dieses Amt gewählt. Weil kein anderer zur Verfügung stand, ja. Aber auch, weil ihn viele als einzige Alternative sahen. Von Anfang habe er klargemacht, "dass ich da keine Marionette der Altgedienten bin." Gemäß dem Motto: wenn schon, denn schon. Roß, der privat in einer Lebensgemeinschaft unterwegs ist, zieht eine durchaus positive Bilanz dieser Phase: "Da wurde die neue Arena gebaut, da wurde die Fusion mit dem SV Krögelstein gegen manche Widerstände über die Bühne gebracht." Auch die Gründung einer Jugendfördergemeinschaft (JFG) habe er federführend begleitet.

Neun Ehrenämter hatte Roß inne. Als er vor vier Jahren mit dem Bauen anfing, ließ sich das nicht mehr stemmen. Jetzt steht das Haus, jetzt kann er wieder durchstarten. Die Sache mit der Bewerbung um den Chefsessel im Rathaus hat er nicht gesucht. Nur mal am Stammtisch gesagt, dass es vielleicht anders laufen würde, wenn er das Sagen hätte. "Das war eher scherzhaft gemeint", sagt Roß, der beruflich als Industriemeister bei der Firma Wieland Electrics in Bamberg tätig ist.

Doch die Aussage sprach sich rum. Bis zu den WG-Verantwortlichen. Die nahmen Kontakt mit Roß auf, erste Gespräche folgten. "Man muss sich ja zunächst mal beschnuppern", sagt Markus Seidler. Der 34-Jährige ist seit Ende 2018 der Boss der Wahlgemeinschaft und inzwischen auch deren Fraktionssprecher im Stadtrat. Die WG müsse sich neu positionieren. Werden doch mit Zweitem Bürgermeister Christian Schramm, Rudi Arnold und Johann Handwerger drei altgediente Räte nicht mehr antreten. Doch der Erneuerungsprozess laufe schon. Die Kandidatenliste für den Stadtrat wachse, "wir sind da sehr zuversichtlich". Die offizielle Nominierung werde erst Ende November/Anfang Dezember stattfinden, sagt Seidler, der beim Unternehmen Kennametal als Teamkoordinator aktiv ist. Warum er nicht selbst Bürgermeister werden will? Ganz einfach: "Das würde im Falle der Wiederwahl bis zu 30 Jahre im Amt bedeuten, so eine lange Zeit halte ich für schädlich – für mich wie für die Stadt. Außerdem halte ich mich einfach noch für zu jung."

Wahlkampf als Doppelspitze

Seidler und Roß wollen als Doppelspitze in den Wahlkampf gehen. Das sei logisch, sagt Roß: "Ich kann nichts zu den Entscheidungen des Stadtrats in den vergangenen Jahren sagen, da war ich nicht dabei." Sehr wohl aber Seidler, der immerhin schon sechs Jahre im Gremium sitzt. Der sagt: "Wir ergänzen uns da." Er könne zum Beispiel im Gegensatz zu Roß besser erklären, warum die WG gegen die Errichtung der Windanlage bei Krögelstein gestimmt habe.

Welche Chancen rechnet sich die WG aus? Gute, so Seidler. Denn: "Immerhin vertreten wir seit unserer Gründung 1972 nach der Gebietsreform das gesamte Umland." Themen, die es zu beackern gilt, gebe es genug, sagt Thorsten Roß. Das habe sich bei mehreren Versammlungen der WG gezeigt. "Das war jeweils so eine Art Workshop, bei dem jeder seine wichtigsten Themen benennen konnte." Neu sei das für viele gewesen. Aber erfolgreich, "auch die Älteren waren da voller Elan dabei". So kamen rasch an die 30 Punkte zusammen, um die man sich kümmern sollte. Die wandern zum Teil auch ins Wahlprogramm, "da haben die Menschen vor Ort das Sagen, nicht wir allein", sagt Seidler. 

STEFAN BRAND

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