"Hospizarbeit macht gelassener": Pegnitzerin begleitet ehrenamtlich Sterbende

31.3.2021, 07:55 Uhr
Ein Stückchen Normalität geben und da sein: Die Kinderhospizbegleiterin Monika Müller nimmt sich oft den Geschwistern sterbender Kinder an und geht mit ihnen beispielsweise auf den Spielplatz.

Ein Stückchen Normalität geben und da sein: Die Kinderhospizbegleiterin Monika Müller nimmt sich oft den Geschwistern sterbender Kinder an und geht mit ihnen beispielsweise auf den Spielplatz. © Foto: Rosi Thiem

"Es muss noch andere Wege geben, sterbende Menschen in dieser außergewöhnlichen Situation zu begleiten", habe sie damals gedacht. Was soll ich sagen? Wie gehe ich mit Angehörigen um? Diese Fragen quälten sie im Berufsalltag. Dort hatte sie mit Totgeburten und Sterbefällen jeden Alters zu tun. Die Fragen blieben. Ausschlaggebend sei zudem der Tod des eigenen Vaters gewesen.

Monika Müller machte sich auf den Weg. 2014 begann sie, die Hospizbegleiter-Kurse des Hospizvereins Bayreuth zu belegen. In verschiedenen Modulen und Wochenendseminaren absolvierte sie den anspruchsvollen Grund- und Aufbaukurs in Bayreuth. 2016 bildete sie sich in der Kinderhospizbegleitung weiter. Die Familie stehe hinter ihr.

Seit dieser Zeit arbeitet sie für den Hospizverein Bayreuth ehrenamtlich im Gebiet um Pegnitz und Plech. "Jede Begleitung ist anders. Manchmal bin ich nur für die Sterbenden da, oft aber auch für die Angehörigen. Ich komme in die Familien und wir besprechen gemeinsam, wie ich mich einbringen kann. Wenn ein Kind stirbt, ist die Situation noch mal eine andere. Oft sind Geschwisterkinder da, mit denen ich mich beschäftige. Sie kommen häufig in dieser Ausnahmesituation zu kurz."

Oft wird Müller dabei mit Fragen konfrontiert: Warum darf das Kind nicht älter werden? Warum haben wir ein krankes Kind? "Auf diese Fragen gibt es keine Standardantworten. Es gibt keine Antwort auf das Warum. Das versuche ich auch den Eltern zu vermitteln. Es ist einfach nur wichtig, dass ich da bin und unterstütze", erklärt sie ihren Hospizalltag.

"Wichtig ist, dass man die Geschwister entsprechend ihres Alters einbindet, sie gegebenenfalls etwas machen lässt und mit in das Abschiednehmen einbezieht", berichtet die feinfühlige Frau. "So können sie zum Beispiel für das todkranke Geschwisterkind etwas gestalten oder eine Kiste mit Erinnerungsstücken packen. Manchmal ist es aber auch nur ein Besuch auf dem Spielplatz, der den Geschwisterkindern einen Moment der Normalität ermöglicht."

Dann kommt mitunter Lucie ins Spiel – eine Handpuppe, die Schwellenangst nehmen kann. "Sie kann lachen, traurig sein, Nase bohren und noch viel mehr", zählt Müller auf. Oft bekomme die Hospizbegleiterin so einen Zugang zu den Kindern. Neben den Kindern begleitet Müller auch Menschen in der Palliativstation, in Seniorenheimen oder Zuhause in der letzten Lebensphase. Das bringe ihr auch persönlich viel: "Für mich ist der Tod nicht etwas, das man totschweigen muss. Auch das Sterben des eigenen Vaters konnte ich so besser verarbeiten."

Berührende Gespräche

"Heute weiß ich, dass man sich Hilfe holen kann, um einen sterbenden Menschen zu begleiten. Auf die Möglichkeit einer Hospizbegleitung weise ich deshalb auch manchmal die Angehörigen im Krankenhaus hin", berichtet die Ehrenamtliche. Eine Reihe guter und berührender Gespräche mit Sterbenden und deren Angehörigen seien bei den Begleitungen entstanden. "Für viele war es eine beruhigende Situation, wenn ich mich zu ihnen ans Bett setzen konnte und einfach nur da war", erzählt sie. "Die Sterbenden merken, wenn jemand für sie da ist. Durch meine Anwesenheit hatte ich immer das Gefühl, auch den Angehörigen etwas Gutes zu tun", sagt die engagierte Kinderkrankenschwester. "Ich begleite die Mitmenschen in einem gewissen Zeitraum, so lange sie es brauchen."

Mit dem Tod endet die Hospizbegleitung. Wenn Müller merkt, dass noch weitere Hilfe nötig ist, verweist sie die Hinterbliebenen auf die Kontakte zu professionellen Trauerbegleitern, die es auch beim Hospizverein Bayreuth gibt. "Ich arbeite in einem helfenden Beruf und wollte die Hospizarbeit machen", resümiert sie.

Was für sie selbstverständlich ist, ist für manche Menschen undenkbar. So hört Müller ab und zu: "Dass du das machen kannst. Das könnte ich nicht." Der Tod wird oft verdrängt. "Der Tod ist schon etwas näher gerückt in unserem Alter. Die eigenen Eltern sterben. Das macht vielen Menschen Angst und sie verdrängen es", weiß die Pegnitzerin.

Im Hospizverein Bayreuth sind derzeit rund 75 ehrenamtliche Hospizbegleiter tätig. Ohne dieses Ehrenamt gäbe es keine Hospizarbeit. Die Hospizbegleiter kommen aus unterschiedlichsten Berufsbereichen und Altersgruppen. Jährlich werden neue Hospizbegleiter qualifiziert. Seminare, Vorträge, Weiterbildungen und Supervisionen unterstützen und bereichern die verantwortungsvolle Arbeit. "Für mich war es die richtige Entscheidung. Eigene Probleme sehe ich nun aus einem anderen Blickwinkel. Die Hospizarbeit hat mich im Alltag gelassener gemacht", konstatiert die 59-Jährige.

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