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Montag, 16.09.2019

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Hüterin der Tiere hat noch viel vor

66-jährige Monika Pracht will Tieren am Gnadenhof in Stein ein besseres restliches Leben bieten - 08.09.2019 09:00 Uhr

Die fast 1000 Tiere am Gnadenhof im Pegnitzer Ortsteil Stein sind der 66-jährigen Monika Pracht allesamt persönlich ans Herz gewachsen. © Foto: Nele Schramm


Die enorme Liebe zu Tieren begann bei Monika Pracht schon im Alter von zwei Jahren, als sie zwei Dackel bekam. Durch ihre Haustiere in der Kindheit wurde ihr schon eine gewisse Verantwortung beigebracht, indem sie ihre Hunde füttern und mit ihnen Gassi gehen sollte. "Ich habe damals schon die gleiche Zuneigung zu Tieren gespürt wie zu anderen Kindern in meinem Alter. Für mich sind sie nach wie vor sowohl Freunde als auch Tröster", erklärt Pracht.

Pracht hatte nach dem Gymnasium den Wunsch ins Ausland zu gehen, da sie einige Sprachen gelernt hatte. Diesen Plan schlug sie sich aus dem Kopf, weil ihr Vater erkrankte und sie als Unterstützung für ihre Mutter daheim blieb. Übergangsweise arbeitete sie als Bankkauffrau.

Sie lernte ihren zukünftigen Mann kennen, heiratete im Alter von 24 Jahren und bekam eine Tochter. Da sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr berufstätig war, nahm eine Freundin sie zu einem Abend beim Verein "Bürger gegen Tierversuche" in Nürnberg mit. "Dort hat sich mein ganzes Weltbild geändert, es war wie ein Wendepunkt. Von da an wusste ich, ich will mich voll und ganz für den Tierschutz einsetzen", sagt Pracht.

Sie selbst beschreibt die Phase danach als die schlimmste in ihrem Leben, da sie lang brauchte, um das, was sie gesehen hat, zu verarbeiten. Den einzigen Ausweg, den sie sah, damit es ihr wieder besser gehen würde, war es Tieren zu helfen. Die Politik im Bereich Tierschutz enttäuscht Pracht sehr, sie sieht seit vielen Jahren keine Verbesserung.

Dabei wäre es für sie umso wichtiger, dass sich etwas ändert. "Es ist eine Aufgabe, mit der man nie fertig wird und es ist ein permanenter Kampf gegen die Tierversuchsforschung, sozusagen eine never-ending-story."

Nach ihrem Aufstieg zur Vorsitzenden des Vereins gründete sie 1990 ihren Gnadenhof, auf dem sie alten, kranken und verwahrlosten Tieren ein letztes schönes Zuhause bietet.

Zusammen mit ihrem Mann, der 2005 verstarb, finanzierte sie den Hof 15 Jahre lang privat, danach wurde der Förderverein gegründet. "Wir haben alles was möglich war da hineingesteckt." Trotz der vielen Spenden, für die sie sehr dankbar ist, ist es durch die hohen Tierarztkosten oft ein Kampf, dass der Hof finanziell über die Runden kommt.

Da der Hof ihr Lebenswerk und somit für sie ein 24-Stunden-Job ist, bleibt wenig Zeit für Freizeit und Familie. Pracht hat einige Mitarbeiter, die sich zum Teil ehrenamtlich engagieren. Ab dem Abend aber ist sie meistens die Einzige vor Ort und hat damit keinen echten Feierabend. Auch mit Urlaub sieht es eher schwierig aus.

Zwar hätte sie genug Helfer, die ihr mal einen Kurztrip ermöglichen könnten, nur fällt es der Besitzerin des Gnadenhofs schwer, loszulassen und abzuschalten. Sie würde sich nur Vorwürfe machen, sollte einem ihrer Schützlinge während ihrer Abwesenheit etwas passieren.

Denn auf ihrem Hof kommt es nicht selten vor, dass ein Tier stirbt. Pracht ist die Einzige am Hof, die entscheiden muss, wann ein Tier eingeschläfert wird. "Es ist immer wieder eine Qual diese Entscheidung zu treffen, denn man nimmt einem Lebewesen gewissermaßen das Leben."

Bei allen der fast 1000 Tiere, die sie selbst in den Tod begleitet hat, macht sie sich Gedanken oder sogar den Vorwurf, es wäre zu früh gewesen. "Viele denken man gewöhnt sich an das Sterben, aber das ist nicht so, im Alter wird es sogar schlimmer. Jedes Tier, vom größten Pferd bis zum kleinsten Hamster, liegt mir am Herzen."

Ihr Herzenswunsch: Sie hätte gerne ein größeres Grundstück, auf dem ihr Gnadenhof und zwei weitere Projekte – ein Altersheim für Kühe und die Katzenseniorenresidenz – genug Platz hätten. Ganz zufrieden ist sie nie. Pracht hofft, dass ihre beiden Enkelkinder einmal sagen können: "Unsere Oma, die hat ganz vielen Tieren geholfen." 

NELE SCHRAMM

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