-1°

Sonntag, 17.01.2021

|

"Ich bin sehr froh, dass es diese Aktion gibt"

Begegnungen bei der NN-Spendenaktion "Schmücken & Helfen" sind in diesem Jahr nicht ganz einfach. - 09.12.2020 20:31 Uhr

Mit der Benefizaktion „Schmücken und Helfen“ der NN wird bereits seit Jahren vielen notleidenden und benachteiligten Menschen in der Region geholfen.

09.12.2020 © Foto: Kerstin Goetzke


Sich gegen diese Stimmen durchzusetzen, sagt der Mann, sei schwer. Und es wird immer schlimmer. "Ich allein gegen Tausend Stimmen . . . das ist so laut in meinem Kopf. Ich hab schon keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Ein paar Muskeln setzen aus." Er hat sich analysiert. Es begann in der Kindheit, mit einem Spiel: "Wenn ich etwas Spezielles mache, etwas Anstrengendes, dann muss Gott doch ein Einsehen haben und etwas für mich machen, mir einen Wunsch erfüllen." Dieses Schema "hat sich verselbstständigt".

Einsam ohne Stammtisch

Die Spenden unserer Leser erreichen auch einen Rentner, der sich im Augenblick, wegen Corona "sehr, sehr einsam" fühlt. Denn er hatte immer einen Stammtisch von Senioren, wo man sich austauschte und gute Tipps zu Krankheiten bekam.

Mit dem Virus löste sich das auf. Ihm blieb noch eine alte Dame, die ihn bat, doch privat weiterzumachen. So traf er sich mit ihr. Aber Corona wurde immer gefährlicher. Auch dieses Treffen ist seit letzter Woche dahin. "Alle Aufgaben brechen weg", sagt er. "Wenn Sie mich fragen, wie es mir geht: Beschissen ist geprahlt."

Knauber tröstet ihn: Da gibt es viel schwerere Schicksale, wo zum Beispiel die Gesundheit nicht mehr mitmacht. So sprach er mit einem Rentner, der früher zwei Firmen aufgebaut hatte und leitete, 16 Stunden am Tag schuftete, ein großes Haus besaß. "Ein Auto und alles".

Aber dann kam der Filmriss. Ein kleiner Defekt im Gehirn. "Wenn Sie aus dem Koma aufwachen, da geben Sie sich mit dem Kleinen zufrieden. Da müssen Sie mit den Folgen leben. Das lernen Sie." Weiter: "Es kommt alles anders, als man denkt. Was hab ich früher viel gearbeitet, reinbezahlt wie noch was — und jetzt krieg ich nichts. ,Rente!‘ Ich dachte, das wird wirklich schön. Und jetzt hab ich mein Malheur."

Er lebt in einer Ein-Zimmer-Wohnung, irgendwo am Stadtrand. Er blickt zurück: "Ich wollte mein Geld immer selbst verdienen. Ich hab‘ früher nie vom Amt gelebt. Ich war immer so selbstständig. Und jetzt das Gegenteil. Da passiert sowas. Das Leben ändert sich total." Aber man muss damit zurechtkommen, wiederholt er. "Seitdem schau ich mir viele Kirchen an. Früher nie."

Corona zwingt ihn an Tisch und Bett. Keine Menschen mehr um sich. Dazu eine schwache Atmung. Er hat deshalb immer ein Spray dabei. Aber der chemische Inhalt greift seine Zähne an. Sie müssten gemacht werden. Keiner bezahlt es.

Ähnlich geht es einer Rentnerin auf dem Land mit der Gesundheit. "Eins jagt das andere", sagt sie, "die Augen-Operation; meine Nieren sind kaputt, das Rheuma ist so schlimm geworden. Die Handgelenke, die Finger. Ich kann nichts mehr halten." Das Putzen in der kleinen Wohnung fällt also flach. "Man wird schon nicht im Dreck ersticken."

Ihre Wirbelsäule ist versteift, das Steißbein auch betroffen — wegen eines schweren Unfalls. "Aber man muss es nehmen, wie es kommt."

Sie zog eine ganze Schar von Kindern groß, die sich aber alle verstreuten und abwandten. Hatte sie damals Stress, ging sie in den Wald. Ein, zwei Stunden. Die Natur hatte sie wieder ins Gleichgewicht gebracht. Aber das geht nicht mehr. "Ich bin froh, wenn ich bis zum Auto komm‘." Es ist 17 Jahre alt. Sie klammert sich daran, weil es keinen Bus gibt und kein Taxi. "Ohne Auto geht überhaupt nichts mehr."

Trotz allem sagt sie: "Ich bin zufrieden. Nur die Schmerzen sollten weniger sein. Aber es gibt Schlimmeres im Leben. Ich geb‘ schon nicht auf. Ich lass‘ Depressionen nicht an mich ran." Auch wenn sie ihre geliebten Kreuzworträtsel nicht mehr lösen kann, weil die Augen so schlecht geworden sind, und auch wenn sie sich keine Zeitung mehr leisten kann und sie vom Nachbarn leihen muss – sie bleibt stark: "Da muss man durch."

INFO: Wer für "Schmücken und Helfen" spenden will, kann es direkt bei Schreibwaren-Löhr in der Hauptstraße 59 tun. Jeder, der mehr als 2,50 Euro gibt, kann eine von ihm signierte Kugel am NN-Christbaum aufhängen. Oder überweist an "Freude für Alle", Konto DE 62 7735 0110 0038 0645 72 bei der Sparkasse Bayreuth. Jeder Cent hilft.

nn

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz