Dienstag, 19.01.2021

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Impfpflicht für Pflegekräfte? Das sagen Heimleiter in der Region

Die von Markus Söder angeregte Impfpflicht für Pflegekräfte stößt auf geteiltes Echo - 13.01.2021 12:55 Uhr

65 Personen wurden im Pegnitzer Brigittenheim bereits geimpft. 

01.12.2013 © Lenk/Archiv


"Dienstlich wäre das schwer umsetzbar", glaubt zum Beispiel Roswitha Schecklmann, die Leiterin des Brigittenheims in Pegnitz und fragt: "Was mache ich mit Mitarbeitern, die Nein sagen? Dürfen die dann nicht mehr arbeiten? Personalausfälle sind bei uns momentan nicht vertretbar. Viele wissen gar nicht, was in Einrichtungen der Altenpflege gerade für ein Aufwand betrieben wird, um das Coronavirus draußen zu halten."

Aufklärung täte Not

Verpflichtende Corona-Tests für jeden Besucher sowie zweimal wöchentlich für alle Beschäftigten seien da nur die Spitze des Eisbergs. "Wir sind in dieser Hinsicht schon fast ein Hochsicherheitstrakt", resümiert Schecklmann. Für viel wichtiger als eine Debatte um eine Impfpflicht für bestimmte Personengruppen hält sie es deshalb, mehr über die Impfung, ihre Verträglichkeit und mögliche Nebenwirkungen zu informieren.

Von den zuletzt im Brigittenheim geimpften 65 Bewohnern habe beispielsweise kein einziger eine Impfreaktion gezeigt. Das sei natürlich nicht repräsentativ, habe aber weitere Bewohner wie Pfleger überzeugt, sich ebenfalls das Vakzin spritzen zu lassen, berichtet Schecklmann. Überhaupt spielten die Dauer der Pandemie und die Lieferengpässe beim Impfstoff der Immunisierung in die Hände: "Die Zeit hat für die Impfbereitschaft gearbeitet – sowohl bei den Bewohnern als auch beim Personal. Es werden immer mehr."


Kommentar: Impfpflicht für Pflegekräfte ist denkbar


So seien von den 140 Bewohnern inzwischen 120, und damit zirka 86 Prozent, geimpft. Mit dem Personal soll es heute losgehen, berichtet die Heimleiterin, die froh ist, dass nun doch direkt in der Einrichtung das Vakzin verabreicht werden kann und die Mitarbeiter nicht in die Impfzentren müssen, wie es zwischenzeitlich vom Landratsamt geheißen hatte.

Bei den Beschäftigten sei die Impfbereitschaft jedoch in der Tat geringer: Von den 150 Mitarbeitern hätten sich bislang nur knapp zwei Drittel freiwillig gemeldet. Schecklmann vermisst mehr seriöse Aufklärung über die Pandemie und Impfungen; die erhältlichen Informationen empfindet sie teilweise als zu einseitig und zu sehr von Sieben-Tage-Inzidenzen, Fall- und Todeszahlen geprägt. Querdenker und andere Kritiker säten derweil absichtlich Misstrauen. "Als Erstes müsste wieder mehr Vertrauen in die Regierung geschaffen werden", spielt Schecklmann den Ball an die Politik zurück.

Leitend bei der Frage, ob man sich selbst impfen lässt, sollte die Frage sein: "Will ich wieder mehr Menschlichkeit, mehr Lachen, mehr Miteinander erleben? Will ich irgendwann alle Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen, wie Nasen-Mund-Schutz, sein lassen können?", erklärt Schecklmann, die sich aus diesem Aspekt eine allgemeine Impfpflicht – ähnlich wie bei Masern – vorstellen kann. Auch wenn die Heimleiterin das Selbstbestimmungsrecht für ein sehr hohes Gut hält und für die Abwägung von Nutzen wie Risiken plädiert.

Wunsch nach mehr Druck

Siegfried Kühn, der den Jakobushof mit 50 Plätzen in Auerbach leitet, ist dagegen in Sachen Corona-Impfpflicht für Pflegepersonal ganz bei Markus Söder: "Ich verstehe ihn, wenn er sagt: Da muss mehr Druck aufgebaut werden."

Von Kühns Mitarbeitern ist nach dessen Aussage bislang nur die Hälfte geimpft – ein Unding, wie er findet. Jüngere Mitarbeiterinnen sorgten sich etwa wegen der Familienplanung, andere wegen der Langzeitfolgen oder schlicht der Nadel, berichtet der Pflegeheimleiter von verbreiteten Bedenken. Er habe sich Mühe gegeben, diese zu entkräften, sei mit gutem Beispiel vorangegangen und habe sich selbst schon Ende vergangenen Dezember impfen lassen, schildert Kühn. 

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Darüber hinaus habe er auf die Impfpflicht bei so manchen Auslandsreisen verwiesen, die oft kommentarlos hingenommen werde, auf viele tapfere 90- und 100-Jährige, die sich ohne Klagen das Vakzin geben ließen, und die Spritzen beim Zahnarzt, die die meisten Menschen doch auch, und oft sogar dankbar, in Kauf nähmen.

Denn Kühn ist überzeugt: "Das ist derzeit unsere einzige Chance, selbst nicht angesteckt zu werden und auch niemanden anzustecken. Jeder will doch in die Normalität zurück. Wir brauchen eine hohe Impfquote." Bei den 150 Bewohnern in den beiden von ihm geleiteten Einrichtungen in Auerbach und Amberg läge diese bei um die 90 Prozent.

Weiteren Auftrieb werden der Impfbereitschaft aus Kühns Sicht künftig jene Länder geben, die Touristen sowie eigene Bürger nur noch bei nachgewiesener Corona-Impfung einreisen ließen. Polen habe bereits entsprechende Vorkehrungen getroffen, berichtet Kühn und ergänzt: "Manche Mitarbeiter haben mir schon gesagt, dass sie jetzt ungeimpft nicht mehr über die Grenze dürfen."

Grünes Licht für Besuche

Auch dank der nun erfolgten Impfungen hofft der Heimleiter die Corona-Lage im Jakobushof bald wieder vollends Griff zu haben. Derzeit kehrten dorthin nach und nach die Pflegekräfte aus Quarantäne zurück; bei den jüngsten Corona-Tests in dem Haus habe es keinen einzigen positiven Fall mehr gegeben.

"Wenn die Lage so bleibt, wollen wir ab Ende dieses Monats wieder Besuche ermöglichen", skizziert Kühn.

ASTRID LÖFFLER

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