Pflege in Corona-Zeiten

Impfpflicht für Pflegepersonal: "Wir werden im Stich gelassen"

13.1.2022, 16:33 Uhr
Wie ein Damoklesschwert hängt die bundesweite Impfpflicht für Beschäftigte ab 15. März über dem Brigittenheim. Von 135 Beschäftigten sind aktuell 18 ungeimpft.

Wie ein Damoklesschwert hängt die bundesweite Impfpflicht für Beschäftigte ab 15. März über dem Brigittenheim. Von 135 Beschäftigten sind aktuell 18 ungeimpft.

Die Ausgangslage ist angespannt. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Die bereits gebeutelten Pflegekräfte werden weiter bestraft, ist sich Roswitha Schecklmann, Leiterin des Brigittenheims sicher. Die Nerven liegen blank. Recht emotional berichtet die Leiterin über die von der Regierung herbeigeführte neue Situation.

"Es wurden Gespräche geführt, aber für den kommenden 15. März gibt es keinen Plan B." Denn von den 135 Angestellten sind 18 nicht geimpft, und jeder dieser Mitarbeiter werde gebraucht. Innerhalb der nächsten zwei Monate muss Schecklmann dem Landratsamt melden, wer nicht geimpft ist. Diese Mitarbeiter werden angeschrieben und aufgefordert, sich impfen zu lassen. Falls das nicht machen, gebe es ein Betretungsverbot für das Heim. "Wir können diesen Ausfall gar nicht ausgleichen. Wenn das eintritt, dann wäre das verheerend für unsere Stationen."

Pflege "abgestraft"

Nicht erst seit Corona sei man am Limit. Es gebe so oder so schon wenig Personal. Zusätzlich zur Not der Einrichtungen sei diese Aufforderung nun das Schlimmste, das der Regierung habe einfallen können, meint sie energisch. "Die Pflege nach dieser langen Zeit abermals abzustrafen, das ist ein Unding. Ich bin generell für die Impfung, aber man sollte die Meinung der Leute auch akzeptieren. Es hat jetzt fast zwei Jahre wunderbar mit dem täglichen Testen geklappt." Sie fügt hinzu, dass auch Geimpfte die Bewohner oder andere Mitarbeiter mit Corona anstecken könnten.

Es sei fahrlässig, zu denken, dass die einzelnen Häuser und Kliniken dies irgendwie abfangen könnten. So müsse das übrigbleibende Personal noch mehr leisten oder die Arbeit heruntergefahren werden. Im schlimmsten Fall breche Corona, Brechdurchfall oder das Norovirus im Heim aus. Oder es gebe anderweitige Ausfälle – dann müsse sie den Katastrophenschutz oder die Bundeswehr zu Hilfe rufen. Es gebe schon lange keinen normalen Dienstplan mehr.

Die Reserven aller Beteiligten seien erschöpft. "Es gibt Mitarbeiter, die steigen aus der Pflege aus. Die wollen keine acht Stunden am Stück mehr mit Masken arbeiten und keine Wertschätzung dafür erhalten. Ich kann das verstehen." Selbst auf den Bonus, den die einzelnen Bereiche erhalten haben, lege man nun keinen Wert mehr. Es fehle am Respekt und es gebe keinen Betrag, der diese Aufopferung wiedergutmachen könnte.

Obendrein käme noch die Auflage, dass eine Fachkraftquote eingehalten werden müsse. Doch wie solle das möglich sein? Im Umkehrschluss dürften keine Bewohner mehr aufgenommen werden. Obwohl diese Situation nicht neu für die Brigittenheim-Leitung wäre. "Es stehen täglich Menschen vor der Tür, die wirklich Hilfe benötigen und die in großer Not sind. Ich muss diese Leute wegschicken", sagt Schecklmann verärgert. "Dabei sind wir doch eine kirchliche Einrichtung. Das ist doch unser Auftrag, solchen Menschen zu helfen. Das ist mehr als traurig."

Von Seiten der Regierung gebe es keine weitere Hilfe oder Tipps, wie man das Schreckensszenario abwenden könne. Schecklmann meldete bereits ihre Bedenken dem Landratsamt und fragte nach, welche Maßnahmen sie noch ergreifen soll. Doch darauf hatte das Amt keine Antwort.

Bis 15. März werde das Personal weiterarbeiten und sein Bestes geben, damit der Versorgungsauftrag für Heimbewohner erfüllt werde. Trotzdem wünscht sich die Leiterin, dass Politiker in die Kommunikation gehen oder noch besser, vor Ort dem Brigittenheim einen Besuch abstatten. "Da meldet sich aber kein Mensch und fragt mal, wie ist die Lage bei euch. Wir werden alleine und im Stich gelassen."

Auch an der Sana Klinik Pegnitz bereitet man sich auf die kommende Impfpflicht des Personals vor. Dabei versichert Andreas Böhmer, Klinik-Sprecher, dass die Mitarbeiter sich ihrer gemeinsamen Verantwortung gegenüber Patienten, eigenen Angehörigen und Familien sowie den Kolleginnen und Kollegen zur Bekämpfung der Pandemie bewusst seien. Deshalb gebe es wohl auch eine bereits seit langem überdurchschnittlich hohe Anzahl von geimpften Angestellten. Bereits seit über einem Jahr würde die Verwaltung intensiv über das Impfen aufklären, Fragen beantworten und auch regelmäßig Impfangebote schaffen.

Gerade laufe eine erneute Impf- und Aufklärungskampagne, die zur (Booster-)Impfung aufrufe. "Dieses Angebot wird weiterhin erfreulicherweise gut angenommen. Unser Impf-Team stand dazu auch am Wochenende für unsere Mitarbeitenden zur Verfügung", teilt Böhmer mit.

Die ab Mitte März vorgesehene "einrichtungsbezogene Impfpflicht" gegen Covid-19 werde umgesetzt. "Es ist aber klar, dass diese eingeschränkte Impfpflicht alleine nicht ausreichen wird. Der Weg aus der Pandemie muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden." Aber weiterhin würden "unzählige Ungeimpfte in die Krankenhäuser eingeliefert".

Landkreis-Sprecherin Karen Görner-Gütling teilte auf Anfrage mit, dass keine Ungeimpften mehr beschäftigt werden sollen.

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