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In Auerbach wird niemand abgewiesen

"Bis oben hin voll": So handhaben die örtlichen Hausärzte Grippewelle und Zuzug der Neubürger - 05.03.2018 16:58 Uhr

Die Wartezimmer der drei Auerbacher Arztpraxen sind aktuell voll. Wer neu in die Stadt zieht, wird dennoch nicht abgewiesen und findet einen neuen Hausarzt am Wohnort.

05.03.2018 © Brigitte Grüner


"Momentan scheint es so, dass die Kapazitätsgrenzen der Auerbacher Hausärzte erreicht werden", meint Dr. Ulrich Jung auf Nachfrage. Er schränkt seine Antwort aber gleich ein wenig ein. "Dies mag auch an der momentanen Grippewelle liegen, deren Höhepunkt wohl erreicht worden ist." Drei Praxen mit Allgemeinmedizinern gibt es in Auerbach. Zwei davon – Dr. Jung und Volker Kießling – betreiben jeweils eine eigene Praxis. Im Hausarztzentrum am Grünhof sind vier Mediziner tätig: Roland Hofmann, Dr. Anja Lindel, Dr. Peter Schindler und Roswitha Schindler.

Bis zum vergangenen Sommer gab es im Ortsteil Michelfeld noch die Praxis von Dr. Werner Fuchs, der allerdings Anfang September überraschend verstorben ist. Seine Patienten mussten sich daher einen neuen Hausarzt suchen. Die Verteilung der Patienten der ehemaligen Michelfelder Arztpraxis sei nicht geregelt worden, erklärt Volker Kießling. Jeder Betroffene habe sich selbst eine ärztliche Versorgungsmöglichkeit gesucht. Eine diesbezügliche Einflussnahme durch die Kassenärztliche Vereinigung habe nicht stattgefunden. "Die Menschen sind und bleiben frei in der Arztwahl", betont Dr. Ulrich Jung.

Die Patientenzahlen der einzelnen Praxen erhöhen sich auch durch Zuzüge. Viele Familien ziehen wegen ihrer Arbeitsstelle nach Auerbach. Die meist schnell belegten Baugebiete sind ein deutliches Zeichen dafür. Auch diese Menschen entscheiden sich in der Regel für einen Hausarzt am Ort – unabhängig von Grippewelle und aktuell voll besetzten Wartezimmern.

Bisher sei es immer ermöglicht worden, dass neue Familien einen Hausarzt oder eine Hausärztin ihres Vertrauens letztendlich finden konnten, macht Dr. Jung deutlich. "Ich bin der Auffassung, dass Auerbacher, wenn sie es denn wünschen, auch eine ärztliche Versorgung in Auerbach erhalten müssen." Kießling fügt hinzu, dass auch immer wieder Kapazitäten frei werden.

Eines müsse trotzdem noch bedacht werden: Auch die wertvolle Zeit der medizinischen Fachangestellten sei ein begrenztes Gut, betont Jung. In schwierigen Zeiten, wie bei einer Grippewelle, haben nicht nur die Allgemeinmediziner, sondern auch die Mitarbeiterinnen alle Hände voll zu tun. Dass die Ärzte aktuell an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen sind, hängt auch mit den Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung wie Zeitprofilen und Budgetierung zusammen.

Von "aktuell viel Arbeit" spricht auch Roland Hofmann, einer der vier Ärzte in der Hausarztpraxis am Grünhof. Es werde zwar niemand abgewiesen, ein Hausarztwechsel sei momentan allerdings auch nicht möglich. Menschen, die erst nach Auerbach gezogen sind, werden natürlich in einer der Praxen aufgenommen und versorgt. Ein Großteil der Patienten sei aktuell tatsächlich grippekrank, bestätigt auch Hofmann.

Schwierige Nachfolgersuche

Bis vor wenigen Jahren gab es in Auerbach noch sieben Kassenarztsitze. Dies waren die Allgemeinmediziner Fuchs, Jung, Lindel, Schnabl, Trenka und das Ehepaar Schindler. Aktuell hat die Kassenärztliche Vereinigung nur noch fünf Sitze für Auerbach zugelassen. Dies sind Roland Hofmann, Ulrich Jung, Volker Kießling und Anja Lindel. Die fünfte Stelle teilen sich Roswitha und Peter Schindler. Auf dem Land – und dazu zählt im Bereich der KVB auch Auerbach – ist es allgemein schwierig, Nachfolger für eine Arztpraxis zu finden.

"Von alleine geht gar nichts, man muss sich schon selbst darum kümmern", bestätigt Volker Kießling. Er ist ein Beispiel, dass dieses Vorhaben zumindest nicht unmöglich ist. Der frühere Assistenzarzt an der St.-Johannes-Klinik hat Anfang 2016 die Hausarztpraxis von Dr. Günther Schnabl übernommen.

Trotz voller Wartezimmer sind die örtlichen Mediziner zuversichtlich. Ulrich Jung drückt es so aus: "Wir Ärztinnen und Ärzte in Auerbach werden im Gespräch bleiben, um aufkommende Probleme zu lösen".

BRIGITTE GRÜNER

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