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Montag, 01.06.2020

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In Höfener Gaststätte wird der Zapfhahn stillgelegt

Gasthaus "Zur Schmiede" in Höfen schließt Ende April wegen Nachwuchsmangels seine Pforten. - 16.04.2020 16:30 Uhr

Die Familie Pickelmann – „Chefin“ Hannelore, die Töchter Carmen und Evi sowie Ehemann Klaus (v.l.) – schließt ihr Gasthaus „Zur Schmiede“ in Höfen Ende April. © Foto: Klaus Möller


Der Corona-Krise hat mit dem schon seit längerem feststehenden Beschluss der Wirtsfamilie Pickelmann nichts zu tun. Die Schließung der "Schmiede" hat eher mit einem anderen Problem zu tun, das seit einigen Jahren vor allem die Gaststätten auf dem Land betrifft: dem Wirtshaussterben.

Und eine der häufigsten Ursachen für dieses Phänomen – der Nachwuchsmangel – hat nach reiflichen Überlegungen mit zur Schließung geführt. Seit 67 Jahren gibt es die "Schmiede". 1953 machte der Großvater von "Chefin" Hannelore Pickelmann aus einer Flaschenbierhandlung aus der Schmiede ein Wirtshaus. In dieses Wirtshaus, das 1997 großzügig umgebaut wurde, wurde Hannelore Pickelmann hineingeboren. Und seit ihrer Kindheit war sie über 60 Jahre lang im Familienbetrieb immer für die Gäste da.

Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich habe es gern gemacht; aber jetzt im Alter geht es einfach nicht mehr", sagt die Wirtin mit Bedauern. Dazu sei auch Ehemann Klaus gesundheitlich angeschlagen.

Bei ihrem alltäglichen Hin und Her zwischen Küche, Zapfhahn und der Bedienung der Gäste hätten ihre beiden Töchter Carmen und Evi seit Jahren fleißig geholfen, den Familienbetrieb aufrechtzuerhalten.

Doch beide gehen ihrem Beruf nach und haben auch nicht unbedingt das große Interesse, den Betrieb zu übernehmen. "Und von der Wirtschaft alleine könne man nicht leben, dazu sei die "Schmiede" zu klein. Wenn man alles professioneller betreiben will, dann braucht man Angestellte", ergänzt die Chefin. Ihr hätte es Spaß gemacht, auch weiterhin in der elterlichen Gastronomie zu helfen, äußert sich Tochter Carmen zur Lokalschließung.

Der Zeitpunkt für eine Schließung des Gasthauses sei jetzt gekommen, sagt die Wirtin mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Jetzt wollen sie und ihr Mann einmal so richtig fünf gerade sein lassen. Dazu gab es während ihrer Ehe, kürzlich feierten sie goldene Hochzeit, kaum eine Gelegenheit.

Vor allem um ihre treuen Stammgäste tut es den Wirtsleuten leid. Die kamen aus der näheren und weiteren Umgebung von Höfen, sogar aus Nürnberg. Auch die Höfener Vereine wie die Feuerwehr, die Kirwaleut oder den Kapellenverein, die ihre Versammlungen und Veranstaltungen in der "Schmiede" abhielten, werden sie vermissen.

Ebenso die vielen schönen Stunden mit netten Gästen. Und mit Blick auf die endgültige Schließung ihres Lokals möchten sie alle Gäste, die noch einen Gutschein haben, daran erinnern, dass dieser nur bis zum 30. April eingelöst werden kann. Sie hoffen, die Sache mit den Gutscheinen trotz aller Einschränkungen durch die Corona-Krise noch zur Zufriedenheit aller erledigen zu können.

Die Gasträume wollen die Pickelmanns erhalten – so wie sie sind. Sie denken dabei an die Feuerwehr oder die anderen Ortsvereine in Höfen, die diese bei Bedarf anmieten können. An eine Wiedereröffnung ihres Wirtshauses denken sie nicht. Aber auf Nachfragen meinen sie – völlig ausschließen wollten sie das nicht.

KLAUS MÖLLER

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