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Informationsdefizit über Seilbahnneubau am Ochsenkopf

Im Kreistag werden Zweifel an dem 26-Millionen-Vorhaben laut - Vom Leuchtturm- zum Laternenprojekt? - 13.07.2020 15:07 Uhr

Ein Millionenprojekt war die Modernisierung der Seilschwebebahnen von Warmensteinach und Bischofsgrün hinauf auf den Ochsenkopf vor einem Vierteljahrhundert. Auch eine Beschneiungsanlage setzte Dr. Dietel als Landrat durch. Trotzdem blieb der Tourismus defizitär.

© rr


Nicht absehbar war, wie sich die Diskussion über das Projekt Ochsenkopf-Seilbahnen entwickelt. Die Tagesordnung der Kreistagssitzung sah dazu einen Sachstandsbericht vor, doch der war ziemlich kurz und brachte wenig Neues.

Edwin Rieß, der zuständige Mann beim Seilbahn-Zweckverband, ließ während seines Berichts die Bemerkung fallen, Zehner-Kabinen – wie sie geplant sind – seien heute der Standard für Seilbahnen. Das wollte die CSU-Kreisrätin Gudrun Brendel-Fischer so nicht stehen lassen. Bereits im Winter hatte sie geäußert, sie halte das beschlossene Seilbahnprojekt für überdimensioniert. Brendel-Fischer hielt nun Rieß entgegen, auch mit Sechser-Gondeln lasse sich ein Rollstuhl auf den Gipfel transportieren.

Projekt nicht zerreden

Der SPD-Fraktionssprecher Stephan Unglaub, früherer Bürgermeister von Bischofsgrün, warnte: "Wir müssen versuchen, eine gemeinsame Linie zu finden." Das geplante Leuchtturmprojekt dürfe nicht als Laternenprojekt enden. Großes Problem sei der Informationsfluss, so Unglaub. Er sehe die Gefahr, dass das Projekt zerredet werde. "Wir müssen sehen, wie wir das Seilbahnprojekt in einer vernünftigen, zukunftsträchtigen Spur halten können", sagte Unglaub. Er forderte eine nichtöffentliche Sondersitzung, in der die Teilnehmer über Zahlen informiert werden.

Mit dem Ende der Skisaison an der Nordabfahrt sollten die Bauarbeiten für die neue Seilbahn beginnen. Den Beschluss hatte der Zweckverband im Sommer des 2019 gefasst. Dafür sind bislang 16 Millionen Euro vorgesehen. Bis zum Beginn der Skisaison im Winter sollte alles fertig sein. Die Coronapandemie hat im März jedoch alle Pläne durchkreuzt.

In den vergangenen Wochen war zudem aufgefallen, dass noch ein Gutachten zum Grundwasser fehlt. An der Nordseite des Ochsenkopfes gibt es Wasserschutzgebiete – wenn auch in geringerem Maße als an der Südseite. Die Seilbahn dort soll nach der Nordseilbahn erneuert werden, so der Beschluss des Zweckverbands.

Für beide Seilbahnen zusammen sieht der Beschluss geschätzte Ausgaben von 26 Millionen Euro vor. Die neue Seilbahn soll mit ihren Zehner-Kabinen pro Stunde bis zu 2000 Menschen auf den Gipfel transportieren können. Landrat Florian Wiedemann, FWG, steht zum Seilbahnbau, will aber die Kosten für den Landkreis im Griff behalten.

Vor höheren Ausgaben für den Kreis warnte dagegen erneut FWG-Fraktionssprecher Hans Hümmer. Er verwies auf die fehlenden Einnahmen bei der Therme Obernsees und den Ochsenkopf-Seilbahnen durch den mauen Winter und Corona. Dafür werde der Landkreis in den jeweiligen Zweckverbänden mehr zahlen müssen.

Hümmer sprach auch über das Defizit beim Klinikum Bayreuth, das sich auf über neun Millionen Euro belaufe. Auch dort ist der Landkreis beteiligt.

ub

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