Fahrrad-Bus

Innovation soll den Tourismus in der Region weiter voranbringen

27.6.2021, 19:53 Uhr
Rührten die Werbetrommel für den neuen Fahrrad-Bus: Die Landräte Klaus Peter Söllner (von links), Hermann Ulm und Florian Wiedemann beim Aufladen ihrer Räder auf den Anhänger.

© Foto: Thomas Weichert Rührten die Werbetrommel für den neuen Fahrrad-Bus: Die Landräte Klaus Peter Söllner (von links), Hermann Ulm und Florian Wiedemann beim Aufladen ihrer Räder auf den Anhänger.

Krug begrüßt seine Ehrengäste höchstpersönlich. "Heute haben wir hohen Besuch hier und da darf nicht schiefgehen", weist er derweil eine seiner Bedienungen an. Der Bayreuther Landrat Florian Wiedemann (FW) ist der Gastgeber dieses außergewöhnlichen Treffens. Pünktlich um 10.30 Uhr kommt dann auch der Bus. Und er hält direkt vor Connys Biergarten, obwohl die offizielle Haltestelle für den Linienbus etwas weiter unten ist.

"Bier- und Burgenlinie"

Am Bus hängt ein großer Anhänger auf dem Metallgestelle montiert sind und die Landräte schnappen sich ihre Fahrräder und laden sie auf. Es handelt sich um eine Werbeaktion für den neuen Fahrradbus der Fränkischen Schweiz, der seit Mai an Wochenenden und Feiertagen zweimal täglich auf den Freizeitlinien "Bier- und Burgenlinie" und "Schlösserlinie" des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) verkehrt.

"Es ist etwas, was bislang im touristischen Angebot in der Fränkischen Schweiz gefehlt hat", resümierte Wiedemann. "Das ist einfach großartig – ein Traum und eine massive attraktive Qualitätssteigerung der Tourismusregion Fränkische Schweiz."

Wenn Corona überhaupt etwas Positives bewirkt hat, dann ist das die Renaissance des regionalen Tourismuses. "Die Menschen besinnen sich auf das, was man daheim hat", sagte der Landrat und stellte heraus, dass die Fahrradwege in der Region hervorragend frequentiert seien. Speziell bei der Fahrradnutzung habe sich ein Boom eingestellt, der auf Dauer angelegt sei. Gezielte Angebotsverbesserungen, wie Lückenschlüsse, Vernetzungen und der weitere Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur, hätten den Komfort in Sachen Radtourismus gesteigert.

Kooperatives Miteinander

Ein wesentliches "Puzzleteil" habe bislang aber noch gefehlt – ein Fahrradbus, der die wichtigsten touristischen Ziele in der Fränkischen Schweiz miteinander verknüpft – integral mit Schiene und Bus und im kooperativen Miteinander der Landkreise Kulmbach, Forchheim und Bayreuth.

Das sehr erfolgreiche Radbus-System im Frankenwald, das 2001 an den Start ging und das es auch im Fichtelgebirge schon seit 2012 gibt, bildete dabei die "Blaupause" für die Radbus-Konzeption in der Fränkischen Schweiz. Auf dieser Grundlage hat das Projektteam um Volker Griesbach vom Landratsamt Kulmbach einen attraktiven Fahrplan mit zwei Radbus-Linien auf der bislang nahverkehrlich wenig erschlossenen Nord-Süd-Achse entwickelt und seit Ende Mai auf den Markt gebracht.

Ausgehend von der Systemschnittstelle Kulmbach, an der sich die drei Radbus-Systeme Frankenwald, Fichtelgebirge und Fränkische Schweiz (deshalb auch 3F-mobil) vereinigen, ziehen diese Fahrradbus-Linien südwärts in das Gebiet der Fränkischen Schweiz. Die beiden Linienverläufe integrieren eine Vielzahl von "touristischen Highlights", wie Schloss Thurnau, Sanspareil mit seinem Felsengarten, Hollfeld, die Aufseßer Bierregion, Waischenfeld, Burg Rabeneck, Breitenlesau, Streitberg, Ebermannstadt, Behringersmühle, Gößweinstein, die Pottensteiner "Erlebnismeile" und Pegnitz.

Anteilig der Kilometer

Der Landkreis Bayreuth lässt sich das neue touristische Angebot, das nicht nur für Radfahrer, sondern auch für Wanderer gilt, 38 000 Euro pro Jahr kosten. Der Landkreis Kulmbach beteiligt sich mit 30 000 und der Landkreis Forchheim mit 11 000 Euro. Errechnet wurden diese Zuschüsse anteilig der Linien-Kilometer.

Ein Tagesticket kostet den Fahrgast acht Euro, mit dem er rein theoretisch 550 Kilometer mit dem Bus hin- und zurüc fahren kann. Sogar bis nach Thüringen hinein, wie Koordinator Volker Griesbach erklärt. Mit dem VGN hat er eine gegenseitige Anerkennung der Tageskarten vereinbart. Der Fahrradbus kann also sowohl mit dem VGN-Ticket, als auch mit dem 3F-mobil-Ticket benutzt werden. "Wenn es um den Tourismus geht, sind wir immer alle mit im Boot", erklärte Forchheims Landart Hermann Ulm (CSU) und betonte, dass es schön sei, hier zu leben – sowohl für Gäste, als auch für die Einheimischen.

Kulmbachs Landrat Klaus Peter Söllner (FW) sprach von einer außergewöhnlichen Geschichte und von einem Alleinstellungsmerkmal in Bayern: "Wir profitieren enorm von der Zusammenarbeit in den letzten Wochen. Die Fränkische Schweiz ist für uns alle ein touristisches Highlight und ganz besonders wegen der Nähe zum Ballungsraum Nürnberg sehr attraktiv."

Kulmbach sei nun mit den zwei neuen Linien in der Fränkischen Schweiz zum wichtigen Knoten von "3F-mobil" und zum zentralen Drehkreuz von Frankenwald, Fichtelgebirge und Fränkischer Schweiz geworden, freute sich Söllner. Auch Ina Ott und Florian Hofer von der Omnibusverkehr Franken GmbH (OVF) haben maßgeblich an dem Konzept mitgearbeitet und sind begeistert. Denn rechtlich wird der Fahrradbus Fränkische Schweiz in der Konzession des OVF dargestellt, mit dem die Zusammenarbeit bestens laufe.

Wichtig für Bayreuther "Radfreaks": Der Vorlauf der "Schlösserlinie" beginnt in Bayreuth und schafft damit erstmals ein durchgängiges Angebot, über Creußen und Pegnitz in das Herz der Fränkischen Schweiz. Angefahren werden die beiden Linien jeweils zweimal an Wochenenden und Feiertagen, immer hin und zurück. Mit dem VGN wurde eine gegenseitige Anerkennung der Tageskarten vereinbart: Der Fahrradbus kann also sowohl mit dem VGN-, als auch dem 3F-mobil-Ticket benutzt werden.

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