Internet-Blog beschreibt „Leupser way of chilling“

4.6.2016, 15:39 Uhr
Das Brauerei-Gasthaus Gradl in Leups.

Das Brauerei-Gasthaus Gradl in Leups. © nn

Craft Biere sind Sude mit eigenem Charakter, die sich von der Masse abheben, genauso wie die Brauereien. Auch sie brauchen ein Gesicht. Weil sie das haben, locken sie Ausflügler und Touristen in die Fränkische Schweiz. So kann man etwa beim „Hollerbusch“ in Oberailsfeld einen Hessen treffen, der sich zum Ziel gesetzt hat, alle 1350 Braustätten in Deutschland zu besuchen. Es gibt aber auch immer mehr Lobeshymnen, vor allem im Internet.

Eine Liebeserklärung hat jetzt der Blogger Robert Bock abgeliefert: „Nirgendwo werden so charaktervolle Biere gebraut und nirgendwo gibt es dazu eine so hinreißende wie schlichte Brotzeit. Ein Unikum unter diesen Dorfbrauereien und eines meiner Lieblingswirtshäuser ist der Brauerei-Gasthof Gradl in Leups.

Einladend sieht er nicht gerade aus, dieser Gasthof, aber wer seinen Wagen im Innenhof abstellt und es sich auf einer der orangutan-farbenen Biertischgarnituren bequem macht, wird einer jener tiefgreifenden Erfahrungen teilhaftig, derer das Leben nicht allzu viele bereit hält. Warten ist dem Novizen angesagt — warten auf einen Service, der nicht kommen wird, denn hier draußen ist Selbstbedienung. Intelligente Zeitgenossen erkennen das schnell am regen rein und raus ins Wirtshausinnere, weniger intelligente sitzen womöglich noch immer dort und entschleunigen.“

Der Ur-Enkel eines früheren Leupser Bürgermeisters weiter: „Bis letztes Jahr führten noch die Senioren das Wirtshaus. Der Wirt, ein vom Leben und harter Arbeit krummgebeugter Mann, zapfte, egal wie lang die Schlangen bis hinaus in den Hof auch waren, das unendlich süffige dunkle Bier in aller Seelenruhe. Seine Frau in der Küche war immer auf ein Schwätzchen aus, wenn man auf seine Brodwörscht mit Kraut, Zieberlaskäs oder den Presssack mit Musik wartete: Fremde Gesichter bei uns im Dorf? Na sowas?

Diesmal eine Überraschung: Junge Leute! Drei an der Zahl und kaum Mitte 20 führten das Regime. Und freundlich alle drei — sensationell. Warm der Empfang, kühl das dunkle Bier, das so herrlich nach Schwarzbrotrinde schmeckt und einen Trinkfluss generiert — Weltklasse! Zwei Euro das Bier, 3,60 Euro der Pressack. Da kehrt man gerne ein.“

Ungewöhnlich findet der Blogger nicht nur Bier und Presssack, sondern auch die Gäste: „Zwei Zecher sitzen vor ihrem Seidla. Der eine sieht aus, als schliefe er seit mindestens drei Wochen unter einer Brücke. Abgefuckte gelbe Crogg-Gummischlappen hat der geschätzte Frühsechziger an, trägt aber Goldkettchen und eine Pilotenbrille wie Tom Cruise einst in Top Gun. Ob der Typ noch lebt oder zählt er zum Inventar? Doch, da — er hat sich bewegt! Jetzt schlurft er in seinen Plastikgaloschen auf die parkenden Autos zu. Er wird doch nicht? Ja, mi leckst am Arsch! Er steigt tatsächlich in den betagten roten 911er ein und lässt demonstrativ den Motor gurgeln. Willkommen in Leups, sag ich zu Madame, das ist der ,leupser way of chilling`.“

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