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Montag, 20.01.2020

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Ist das friedliche Dorfleben in Gefahr?

Bronner Bäckerin sieht in der seit Jahresanfang geltenden Bon-Pflicht eine Bedrohung für die ländliche Idylle. - 10.01.2020 18:48 Uhr

Paula Weih in ihrer Bäckerei in Bronn. Die erfahrene Bäckerin sorgt sich um den Fortbestand ihres Geschäftes – und des Dorflebens mit ihm. © Foto: Ralf Münch


Seit über 80 Jahren ist die Familie Weih in Bronn mit ihrem Laden vertreten. "Früher hatte jeder Ort sein eigenes kleines Geschäft", sagt Paula Weih von der Bäckerei Sperber.

Ein – vielerorts letztes – Stück ländlicher Idylle seien diese kleinen Geschäfte. Durch die Bon-Pflicht sei dieses "Kleinod", wie Weih die Institution Dorfbäckerei nennt, allerdings nun in Gefahr.

Heute haben längst nicht alle Gemeinden ihren Dorfladen. Viele Bäckereien seien deshalb gerade auf dem Land abhängig von den Verkaufsautos, mit denen auch Kunden in Ortschaften ohne eigenen Laden beliefert werden können. Aufgrund der Bon-Pflicht müsse sie nun eine moderne Kasse mit Drucker in ihr Fahrzeug einbauen lassen — eine technische wie finanzielle Herausforderung, so Weih.

Allerdings hat sie kaum eine Wahl: Ohne die Einnahmen aus dem mobilen Verkauf habe die Bäckerei keine Zukunft.

"Es ärgert uns richtig", sagt Weih. Der Verkauf im Laden und aus dem Fahrzeug hat für sie vor allem eine soziale Funktion: "Die Leute freuen sich, dass man für sie da ist, gerade die Älteren, die nicht mehr alleine ins Geschäft kommen. Es ist ein sehr schönes Verkaufen." In Bronn stünde sie damit allein da: "Wir sind die letzte Instanz, der letzte Treffpunkt. Das macht das Dorfleben aus."

Weih ärgert sich auch über das Misstrauen gegenüber kleinen Geschäften wie ihrer Bäckerei: "Was haben wir für ein Interesse daran, Beträge zu verheimlichen? Ich bin jeden Abend stolz, dass ich eine gute Kasse habe. Wir alle machen das mit Liebe und Freude." Auf diesem Wege ginge das Vertrauen in die Politik verloren. "Leider wählen einige dann radikale Parteien", sagt Weih.

Ein ganz anderes Problem sieht Andrea Führlbeck. "Wir haben in zwei Tagen 110 Meter an Thermopapier verbraucht", sagt die Inhaberin der Bäckerei Führlbeck in Neuhaus an der Pegnitz. "Es ist ein Blödsinn."

Sie bemühe sich um Nachhaltigkeit, habe daher auch die Plastik- durch Papiertüten ersetzt. "Jetzt drucken wir Unmengen an Papier aus und werfen das weg", ärgert sich Führlbeck.

Dagegen gibt sich Anette Grill von der Buchauer Holzofenbäckerei in Lehm gelassen: Sie hat sich durch das Finanzamt Bayreuth von der Bon-Pflicht in ihren Verkaufsautos befreien lassen. Diese Ausnahmeregelungen scheinen unter den Bäckern allerdings ungeklärt.

Paula Weih beispielsweise erfuhr nach eigenen Angaben erst durch die Anfrage dieser Zeitung von der Befreiungsmöglichkeit. Sie möchte sich nun auch informieren, ob ihr Geschäft für eine Ausnahmeregelung in Frage kommt.

JULIAN SEIFERTH

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