Montag, 09.12.2019

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Ist Funino die Zukunft des Pegnitzer Jugendfußballs?

Der Pegnitzer Trainer Andy Kirchner hält die geplanten Regeländerungen für sinnvoll. Ein Trainingsbesuch. - 11.10.2019 12:55 Uhr

Flanke, Kopfball, Tor: Laut Andy Kirchner, Trainer bei der SG Pegnitz, gehört dieses Bild aus dem Training der F1-Jugend bald der Vergangenheit an. © Foto: Julian Seiferth


Andy Kirchner steht neben dem Trainingsplatz des ASV Pegnitz. Vor ihm jagen 14 seiner Schützlinge mehreren Bällen hinterher, die sie aus der Mitte eines Vierecks in die Ecken führen sollen. Es geht um Technik, Geschwindigkeit, Ausdauer – Grundtugenden des Fußballs, immer schon.

In der Deutschen liebster Sportart könnte sich demnächst einiges ändern: Die neuen Funino-Regeln werden bereits in zehn Landesverbänden angewandt, unter anderem in Baden-Württemberg. "In ein bis zwei Jahren", sagt Andy Kirchner, "wird das auch in Bayern zur Pflicht werden."

Kirchner ist Trainer der F1-Jugendmannschaft der SG Pegnitz. Funino-Regeln würden, sollten sie verpflichtend eingeführt werden, für die Mannschaften von der G- bis zur E-Jugend gelten – also für alle Spieler unter elf Jahren. Momentan bietet der Bayerische Fußballverband (BFV) Funino als Alternative zum regulären Spielbetrieb an.

Doch worum geht es bei Funino eigentlich? "Kleinere Spielfelder, kleinere Mannschaften, mehr Tore", fasst Kirchner den Grundgedanken zusammen. In der Theorie soll so jeder Spieler besser in das Spiel eingebunden werden.

Auf den kleineren Feldern sollen zwei Mannschaften von drei Spielern gegeneinander antreten. Geschossen wird auf vier Minitore. Die Beteiligung aller Spieler wird durch zwei Tricks erreicht: "Die Spieltage werden in Turnierform von mehreren Vereinen bestritten. Es können so viele Teams angemeldet werden, wie benötigt", sagt Andy Kirchner. Der zweite Kniff der Regelhüter: Nach jedem Tor wechselt jedes Team mindestens ein Mal aus. Kirchner ist von den Plänen angetan: "Ich habe hier 14 Spieler. Von denen kann ich am Spieltag höchstens zehn einsetzen." Im neuen Spielsystem könnten alle Spieler ähnlich lange Spielzeiten bekommen – ganz unabhängig von den Entscheidungen des Trainers.

Das Echo, gibt auch Kirchner als Befürworter der Neuerungen zu, ist gemischt. Einer, der nichts davon hält, ist Christian Vogel, der seinen Sohn Hannes zum Training begleitet hat. "Das kann man im Training machen. Im Spiel sollte man sich aber an die Regeln halten, die die Kinder bei den Profis sehen", sagt Vogel. Außerdem sei es doch die Sache des Trainers, seine Spieler fair einzusetzen. Und auch sein Sohn Hannes ist kein Freund von Funino: "Jetzt haben wir große Tore und können voll abziehen. Ich will nicht nur flach spielen."

"Ein typischer Fußballvater", sagt Andy Kirchner lachend und klopft Vogel auf die Schulter. Er kann die Argumente der Gegner nachvollziehen: "Viele machen sich auch Sorgen, dass es irgendwann an Torhütern mangelt." Zu diesem Zeitpunkt könne er das nicht entkräften – es fehlt an Beispielen, anhand derer die langfristige Wirkung untersucht werden kann. Allerdings hat Kirchner ein anderes Argument, das er den Skeptikern der Neuerungen entgegenhält: "Die Torhüter müssen im modernen Spiel sowieso mit dem Ball umgehen können. Spieler wie Manuel Neuer stehen ja teilweise an der Mittellinie."

Alle Spieler werden eingebunden

Bei Funino könne er die jungen Spieler technisch ganz anders schulen – und zwar alle: "Wenn nur drei Spieler einer Mannschaft auf dem Platz stehen, dann macht es Sinn, alle Spieler einzubinden. Wer einen schwachen Mitspieler aus dem Spiel nimmt, schadet sich selbst", erklärt Kichner.

Damit das Spiel auf die vier Minitore technisch bleibt und nicht in Distanzschüssen auf ein gerade unbewachtes Tor ausartet, haben sich die Regelhüter eine weitere Besonderheit ausgedacht: den Torschussraum. Wer einen gültigen Treffer erzielen will, darf nicht weiter als sechs Meter von dem Tor entfernt sein, auf das er schießt.

Kirchner sieht in den Regeländerungen einen wichtigen Schritt für den immer härter kämpfenden Jugendfußball: "Sie sehen ja, dass sich hier mehrere Mannschaften zusammengeschlossen haben, um den Spielbetrieb zu sichern. Es muss darum gehen, so viele Spieler wie möglich durch den Spaß am Spiel zu halten." Stichwort Spaß: Hinter Kirchner dreht gerade einer seiner Schützlinge jubelnd ab – ein Kopfballtor nach einer Ecke im Trainingsspiel. Das wird es bei Funino wohl nicht mehr geben – zumindest bis zur D-Jugend.

JULIAN SEIFERTH

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