Jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte: Sonderausstellung im Fränkische-Schweiz-Museum

16.5.2021, 19:21 Uhr
Ein Bild vom Bild: Die Ausstellung „50 Schätze“ im Fränkische-Schweiz-Museum-Tüchersfeld ist dieses Mal nur online eröffnet worden. Man müsse in Corona-Zeiten mehrere Pläne und Alternativen schmieden, so Museumsleiter Jens Kraus.

Ein Bild vom Bild: Die Ausstellung „50 Schätze“ im Fränkische-Schweiz-Museum-Tüchersfeld ist dieses Mal nur online eröffnet worden. Man müsse in Corona-Zeiten mehrere Pläne und Alternativen schmieden, so Museumsleiter Jens Kraus. © Foto: Klaus Trenz

Publikum war angesichts der Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie keines da, aber schon nach kurzer Zeit gab es über 120 Aufrufe im Internet – wesentlich mehr Zuschauer also, als in dem kleinen Ausstellungsraum überhaupt Platz gehabt hätten.

Schätze hat das Fränkische-Schweiz-Museum in seinen Archiven jede Menge. Die aktuelle Ausstellung rückt 50 Einzelobjekte aus der Region in den Vordergrund, vorwiegend aus dem eigenen Fundus des Museums und einige Leihgaben. Es sei eine Herausforderung gewesen, so Kraus, eine Auswahl zu treffen.


Das Fränkische-Schweiz-Museum im Corona-Lockdown: "Die Arbeit geht nie aus"


Da ist zum Beispiel ein einfacher, selbstgemachter Quirl aus einer Fichtenspitze, der aus dem Frühjahr 1945 stammt. Er entstand, während eine Frau mit ihrem kleinen Jungen vor der Roten Armee in die Fränkische Schweiz floh, wo sie ihren Ehemann vermutete und eine Flucht ins Ungewisse unternahm. Über das Objekt habe es auf sozialen Netzwerken gleich Reaktionen gegeben, berichtet Kraus. Womit sich eben zeige, dass Gegenstände, die offensichtlich keinen Wert hätten, unterschiedliche Erinnerungen auslösen können.

Und fast nur darum geht es bei der Ausstellung. Nämlich um Erinnerung und Assoziation und vielleicht Reflexion. "Die Objekttexte sind diesmal sehr erzählerisch aufgebaut und enthalten viel Spielraum, die Geschichten weiterzudenken und mit den eigenen persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen", betont Kraus.

Plan B, C und D mitgedacht

Die Vorbereitung der Schau sei anspruchsvoll gewesen für das kleine Museumsteam um Kraus, mit Museumspädagogen Fabian Wittenborn, Restauratorin Kerstin Wittenburg und Büromanagerin Barbara Bauer. Schließlich mussten sie – corona-bedingt – immer neben dem "Plan A" auch einen Plan B, C und sogar D parat haben. Dies sei projekt-orientiertes Arbeiten mit anspruchsvollen Prozessen gewesen, resümiert Wiedemann. Aber auch "Gelassenheit" wurde an den Tag gelegt, als ein "wichtiger Teil des Wegs".

Dieser Quirl ist im Frühjahr 1945 entstanden, als eine Frau mit ihrem Kind in die Fränkische Schweiz floh, wo sie ihren Ehemann vermutete.

Dieser Quirl ist im Frühjahr 1945 entstanden, als eine Frau mit ihrem Kind in die Fränkische Schweiz floh, wo sie ihren Ehemann vermutete. © Foto: Fränkische-Schweiz-Museum

„Die Vorzeichen für diese Ausstellung sind sonderbar“, so Kraus. Weil sie bis zum heutigen Montag noch keiner besuchen konnte. Das soll sich nun ändern: Da die Inzidenzwerte im Landkreis Bayreuth unter 100 liegen, dürfen die Museen wieder öffnen. Das ausgetüftelte Hygienekonzept des Museums für die Besucher steht schon länger. Mittels einer „Besucherlenkung“ werden Menschengruppen „entzerrt“. So können beispielsweise immer nur fünf Personen die Sonderausstellung besuchen. Im ganzen Museum können natürlich mehr Besucher unterwegs sein. Außerdem ist die Ausstellung bis zum 3. Oktober geöffnet.

Die Ausstellungseröffnung ist unter dem Link www.youtube.com/watch?v=4Xx1KOxx8Iw zu sehen. Es lohnt sich aber auch auf der Seite des Fränkische-Schweiz-Museums noch weitere kleine Filme anzusehen. Auch Kinder finden dort museumspädagogische Filme, die mit kleinen Figuren – unter anderem auch eines weltweit bekannten Herstellers – im Stop-and-Motion-Verfahren entstanden sind.

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