Montag, 09.12.2019

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Jugend hat keine Lust auf Wandern

Das Wandern liegt im Trend, die Touristen in der Fränkischen Schweiz belegen es. Doch die Vereine haben wenig Zulauf. - 11.11.2019 19:11 Uhr

Des Wandern ist beliebt — egal ob als Familienausflug oder alleine auf Waldtour. Doch den Wandervereinen geht es so wie vielen anderen Vereinen: Die Jugend fehlt. © Foto: Ralf Münch


Genauso wie die Jüngste im Verein, 14 Jahre alt, die nur deshalb Mitglied ist, weil sie von den Eltern angemeldet wurde. Tatsächlich seien an den Wandertagen durchschnittlich gerade mal 14 Frauen und Männer am Start. Allerdings habe man heuer wieder einige Zugänge. "Aber um die zu bekommen, müssen wir kräftig die Werbetrommel rühren." Man müsse sich schon sehr bemühen. "Die Lust am Wandern ist weiß Gott kein Selbstläufer."

Der Altersdurchschnitt der Aktiven liege zwischen 65 und 70 Jahren. "Das sind Leute, die schon immer gerne gewandert sind und es eben heutzutage auch noch tun. Wir haben auch Wanderer mit über 80 Jahren." Einige wenige seien zwischen 40 und 50 Jahren alt, aber das sei die Ausnahme. "Jüngere gibt es nicht bei uns", sagt die Vorsitzende.

Woran liegt diese Unlust junger Menschen? Bullinger erklärt es sich so: "Wenn Familien wandern, sind für die Kinder die durchschnittlich zehn bis 14 Kilometer einfach zu weit. Das sind die Strecken, die im Verein gewandert werden." Könnte man für Familien nicht einfach kürzere Strecken anbieten? "Mein Vorgänger hat das schon einmal versucht. Das stieß allerdings auf wenig Interesse. Der Zuspruch war nicht besonders groß und deshalb wurde das auch wieder verworfen. Aber vielleicht könnten wir das tatsächlich mal wieder probieren. Ich werde das noch einmal vorbringen."

Bullingers Aussagen decken sich mit denen der Wanderwartin des Wandervereins Creußen, Annelore Jacobs. Dort hat man um die 100 Mitglieder. "Wandervereinen geht es wie anderen Vereinen auch. Es geht abwärts, weil die Jüngeren lieber ihr eigenes Ding machen wollen. Bei uns sind nur Wanderer ab dem Rentenalter aktiv." Und das, obwohl man in Creußen auch Wanderstrecken schon mit fünf Kilometern anbietet. Eine Strecke, die für Familien mit Kindern locker zu schaffen ist. "Man muss da zwischen dem Wandern im Verein und dem freien Wandern unterscheiden. Im Verein zahlt man natürlich seinen Mitgliedsbeitrag und die Startgebühr. Damit ist man ja dann auch versichert. Wenn man frei wandert, hat man eine Karte und läuft einfach los, wie man will. Ich kann mir schon vorstellen, dass das immer mehr selber für sich machen wollen", sagt Jacobs.

Genau so sieht es auch Anja Heisinger, die Vorsitzende des Heimatvereins Plech, wo Wandern eine der wichtigsten Säulen des Vereins ist. Bei Wanderungen im Verein stehe das gemeinsame Erlebnis, die gute Ausarbeitung und Vorbereitung sowie Informationen über Natur und die Region im Vordergrund. Wenn es keine Familienwanderungen sind, liege das Alter der Teilnehmer zwischen 40 und 65 Jahren. Bei nicht organisierten Wanderungen sehe man sehr oft Familien, die mit ihren Kindern unterwegs sind – etwa auf dem Höhenweg. "Und die werden immer mehr", weiß Heisinger.

80 Prozent hier, um zu wandern

Fakten und Zahlen können von einem der beliebtesten Urlaubsorte der Fränkischen Schweiz genannt werden – aus Pottenstein. Dort hatte man im vergangenen Jahr fast 254 000 Übernachtungsgäste, die man auch befragte. 2018 wurden zirka 250 auswertbare Gästefragebögen im Tourismusbüro abgegeben. Die Fragebögen wurden ausschließlich an Übernachtungsgäste und an Besucher des Tourismusbüros verteilt.

Steffi Ribold vom Tourismusbüro erklärt: "80 Prozent gaben an, dass sie zum Wandern hier sind." Ribold unternimmt Wanderungen sowohl mit Touristen als auch mit Tagesgästen aus dem Umland. Beispielsweise acht Kilometer durch das Klumpertal. "Die meisten Wanderer sind mit dem Partner oder der Familie unterwegs. Da sind neben den Eltern und Großeltern auch Kinder ab sechs Jahren dabei. Ich stelle schon fest, dass die Wanderlust ungebrochen ist. Sowohl bei den Tagesgästen als auch bei den Urlaubern, die explizit nur wegen der Natur und dem Wandern hier sind. Und zwar mit Tendenz nach oben."

RALF MÜNCH

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