Boxen

Juniorenboxerin bereitet sich in der Region auf WM-Titelkampf vor

19.6.2021, 08:55 Uhr
Fai Phannarai tritt am Samstag in Hamburg bei der Junioren-Box-Weltmeisterschaft an. Jiri Resl trainiert sie.

Fai Phannarai tritt am Samstag in Hamburg bei der Junioren-Box-Weltmeisterschaft an. Jiri Resl trainiert sie.

Fai Phannarai hat ihren Trainer genau im Blick, zielt erst auf die Schaumstoffrolle, die er ihr entgegenhält, dann auf die Pratzen, die Jiri Resl sich an die Hände geschnallt hat. Die Schläge der gebürtigen Thailänderin kommen schnell und zielgenau, rhythmisch stößt sie dabei den Atem aus.

Als die Trainingseinheit vorbei ist, steigt sie lässig aus dem Ring, geht ins Freie und schiebt sich völlig gelassen die Sonnenbrille in die Stirn. Von der körperlichen Anstrengung kurz zuvor ist ihr kaum etwas anzumerken, sie wischt sich nur ein bisschen Schweiß von der Stirn. Eigentlich hat sie Hunger, aber für den Wettkampf heute darf sie nur 55 Kilogramm wiegen. Da muss sie genau auf ihre Ernährung achten, erklärt sie.

"Schön ruhig"

"Wir haben uns für eine Woche in Pottenstein auf einem Bauernhof eingemietet", erzählt die 20-Jährige. Eigentlich lebt sie in Nürnberg. "Aber in der Fränkischen Schweiz ist es so schön ruhig", ergänzt sie.

Ideale Rahmenbedingungen für das Abschlusstraining zu ihrem bislang wichtigsten Wettkampf. Das Angebot in der Pegnitzer Kampfsportschule zu trainieren sei von Thomas Kipfer gekommen, der die Einrichtung demnächst eröffnen wird, sagt Resl.

Mit dem Kampfsport angefangen hat Fai Phannarai mit 13 Jahren, Profi ist sie seit zwei Jahren. "Mein Stiefvater hat mich damals ermuntert, das mal auszuprobieren", erzählt sie. Schon als sie noch in Thailand lebte, habe ihr Opa sie immer mit zum Thaiboxen genommen. 2012 kam die 20-Jährige nach Deutschland, die Mutter hatte einen Deutschen als Lebenspartner und einen Massagesalon eröffnet. Fai Phannarai selber ist Personalfitnesstrainerin von Beruf. Den Kampfsport sieht sie auch als gute Möglichkeit, in der Selbstverteidigung fit zu werden – gerade für Frauen.

Der Sport erfordere viel Disziplin, sagt Fai Phannarai. "Ich achte ganz genau auf mein Gewicht", sagt sie, "pass genau auf, was ich esse." Das ist viel Fisch, Eiweiß und Salate – und immer nur bestimmte Mengen. "Und abends keine Kohlehydrate mehr", betont sie.

Um eventuellen Heißhungerattacken vorzubeugen, ist der Samstag normalerweise ihr "Shitday" – außer heute natürlich. "Da esse ich dann allles, wonach mir ist", sagt sie, "dann halte ich es die anderen Tage der Woche besser aus."

Die Teilnahme heute an der Weltmeisterschaft sieht sie als die größte Chance in ihrem Leben bisher, auf die sie hingearbeitet hat. So ist sie im vergangenen Jahr internationale Deutsche Meisterin geworden.

Hat sie Angst vor Verletzungen? "Nein", sagt sie rigoros, "ich habe nur Angst vor dem Versagen." Das wäre schlimm für sie. Insoweit ist so ein Wettkampf jedes Mal auch eine große Kopfsache.

Ihr Trainer Jiri Resl ist eigentlich sehr zuversichtlich, dass sie das heute schaffen wird. "Sie hat zwar eine starke Gegnerin", sagt der 42-Jährige, aber Fai sei einfach sehr schnell. Seit fünf Jahren trainiert er die junge Frau. Resl, der im wirklichen Leben Facilitymanager ist, hat früher selber mal geboxt.

Weltranglistenplatz 43

Fai Phannarai ist momentan die Nummer 43 auf der Weltrangliste. Wichtig sei, dass sie sich heute im Kampf nicht nach hinten drücken lasse, sondern offensiv kämpfe. "Es muss im Kopf stimmen und Fai darf nur auf ihre Gegnerin schauen, muss alles andere ausblenden", sagt Resl. Um da top vorbereitet zu sein, habe die 20-Jährige in den vergangenen Wochen auch immer wieder mentales Training gehabt. "Ich habe ein gutes Gefühl für den Wettkampf", so der Trainer.

Und was sagt ihre Mutter dazu, dass sie diese Sportart betreibt? Fai Phannarai lacht: "Erst war sie nicht so begeistert davon, aber jetzt sieht sie, dass ich glücklich bin."

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