Debatte um Wasserversorgung

Juragruppe ja, Juragruppe nein, Juragruppe ja . . .

29.7.2021, 18:35 Uhr
Symbolbild

Symbolbild © Foto: Colourbox/Erik Rosenlund

Die Ausgangslage I: Fast vier Stunden lang wurde um das Für und Wider in Sachen Anschluss an die Juragruppe diskutiert. Was am Ende dabei herauskommt, ist noch völlig offen. Der neue Verbandsvorsitzende Harald Stadter sprach von großen Fußstapfen, in die er trete – mit Blick auf Rudi Arnold, der den Zweckverband über viele Jahre hinweg geleitet hatte. Dessen Kenntnisse könne er nicht so ohne Weiteres übernehmen.

Die Vor- und Nachteile: Was nichts daran ändert, dass sich die Stechendorfer Gruppe neu aufstellen muss. Weil Fristen für Fördermittel auslaufen, weil Zeitdruck da ist, wie VG-Kämmerin Stephanie Müller auf Anfrage bestätigte mit Blick auf das, was sie schon in der Versammlung geäußert hatte. All das hat mit Zahlen zu tun. Müller stellte die infrage kommenden Varianten vor. Da wäre zum einen die weitere Selbstständigkeit, eventuell auch als Wassergast der Juragruppe. Und zum anderen der "echte" Anschluss an die Juragruppe – mit diversen Vorteilen: Versorgungssicherheit, finanzielle Stabilität, Sanierung des Wassernetzes über Fördermittel, ein 24-Stunden-Notdienst bei Leitungsproblemen.

Klar, da gebe es auch Nachteile: Mehr eigener Anteil an der Solidargemeinschaft der Juragruppe, Verlust der Eigenständigkeit, einmalige Herstellungsbeiträge – "dafür wird aber das Ortsnetz saniert". Was wohl knapp 3,8 Millionen kosten dürfte. Müller positionierte sich klar für diese Version, ohne den Verbleib in der Eigenständigkeit schlechtzureden. Aber: Da bleibe in der Rubrik "Vorteile" letztlich nur der Faktor "selbstständige Eigenkompetenz". Ansonsten eben nur Nachteile: Eventuell neues Schutzgebiet nach auslaufender Verlängerung für das Wasserrecht, zwei Drittel nicht saniertes Leitungsnetz, eine steigende Zahl von Wasserrohrbrüchen bei 320 Wasseranschlüssen insgesamt, keine personellen Kapazitäten mehr, wenn in fünf Jahren Wasserwart Edmund Herbig in den Ruhestand geht.

Investitionszahlen: Da wären zum einen rund vier Millionen Euro für die Sanierung des Leitungsnetzes, von dem laut Stadter und Müller rund ein Drittel bereits hergerichtet ist. Mit einer halben Million sind die Sanierung des Hochbehälters, des Brunnens, die Erneuerung des ausnahmsweise bis 2023 verlängerten Wasserrechts und eine mögliche Ausweitung des Schutzgebiets angesetzt. Komme die Juragruppe ins Spiel, übernehme diese die meisten Kosten – dafür müsste die Stechendorfer Gruppe gut eine Million Euro an Herstellungsbeiträgen leisten. Das sehe die Satzung der Juragruppe nun mal so vor. Unter dem Strich sehe sie eine Situation, von der alle Seiten profitieren, sagte Müller. Auch der Vorsitzende sowie seine Vorstandskollegen, die Bürgermeister Harald Wich und Hartmut Stern, bekundeten ihre Zustimmung. Zumal die Juragruppe als größere Einrichtung im Vergleich zur Stechendorfer Gruppe in Genuss von Zuschüssen komme – in einer Größenordnung bis zu 70 Prozent.

Die andere Sicht I: Nicht all das akzeptierten die Verbandsräte. "Wir sollten uns nicht von den Förderkulissen treiben lassen", meinte zum Beispiel Markus Seidler, WG-Land-Stadtrat aus Stechendorf. Betrachte man den Kanal in Hollfeld – das bereits zur Juragruppe gehört "und dort ist noch nichts saniert" –, kämen im Fall einer Sanierung dort über die erwähnte Solidargemeinschaft enorme Kosten auch auf die Stechendorfer und Plankenfelser zu. Dazu Hollfelds Bürgermeister Stern: "Wir werden nach dem Stand der Dinge entscheiden müssen". Dass eine Verbesserung der Lage in Hollfeld letztlich eine Verschlechterung für alle bedeute, "halte ich eher für unwahrscheinlich". Mit der Sanierung des Stechendorfer/ Plankenfelser Netzes könne man sich über Jahre hinweg Zeit lassen, meinte nicht nur Matthias Schatz.

Die andere Sicht II: Mehrfach angesprochen wurde die Forderung nach neuen Wasserbohrungen für die Stechendorfer Gruppe durch das Wasserwirtschaftsamt – auch mit Blick auf die wohl nötige Sanierung des aktuellen Brunnens. Laut Stadter und Müller müsse man wohl von 30 000 bis 40 000 Euro pro Bohrung inklusive aller Nebenkosten ausgehen. Müsse das wirklich sein, da doch der Brunnen nach letzter Begutachtung durchaus noch in Ordnung sei, wurde gefragt? Mittelfristig schon, antwortete Vorstandsmitglied Harald Wich, spätestens nach zwei, drei Jahren werde man wohl nicht drum herumkommen. Handle man jetzt, sei man für die nächsten 20 bis 30 Jahre auf der sicheren Seite.

Die andere Sicht III: Während Stephanie Müller ein "zeitnahes" Handeln empfahl, sah Verbandsrat Matthias Schatz keinen akuten Handlungsbedarf. Sie geht davon aus, dass eine Verlängerung des Wasserrechts wohl mit einer Erweiterung des Schutzgebiets verbunden sei, während Schatz auch eine Verkleinerung für möglich hält – mit Blick auf die sinkende Zahl der Nutzer.

Das Fazit und seine Folgen: Einig war man sich, dass ein Beschluss über einen Anschluss an die Juragruppe nur von den Wassernutzern kommen kann. Um diese mit fundierten Zahlen, Daten und Fakten zu versorgen, soll im Herbst eine Bürgerversammlung stattfinden. Diese soll nun ein Arbeitskreis vorbereiten. Ihm gehören an: Matthias Schatz, Markus Seidler, Horst Distler, Harald Stadter und Harald Wich.

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