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Justizakademie plagt Raumnot

Es fehlen Zimmer. Sogar die Putzkammern wurden schon umgewandelt. Die Zahl der Anwärter steigt indes stark. - 13.07.2020 14:55 Uhr

Gudrun Scharr, die Leiterin der Justizakademie Pegnitz, erklärt: „Wir haben keine Räumlichkeiten mehr, die ungenutzt sind.“ So fungierten das Lager als Trainingsraum, Nischen als Besprechungsräume und ehemalige Putzkammern als Teeküchen.

© Foto: Hans-Jochen Schauer


Die Rechtspflegeoberrätin und ihr Team haben nach Lösungen gesucht, die auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheinen: Der Trainingsraum für die angehenden Justizwachtmeister wird zum Unterrichtsraum umfunktioniert; das Lager wird in einen Trainingsraum verwandelt. Nischen im Hauptgebäude sind zugemacht und zu Besprechungsräumen gemacht worden.

Räume in Hotelfachschule angemietet

Selbst die Putzkammern kamen nicht ungeschoren davon: "Sie werden zu Teeküchen umgebaut, mit Mikrowellen und Kühlschränken", so Scharr. Und wo kommen die Reinigungsgeräte und -utensilien hin? "In Extraräume, dafür haben wir das Souterrain entrümpelt."

Für den Unterricht der 60 Gerichtsvollzieher mussten zwei große Räume in der Hotelfachschule angemietet werden. "Wir wollten dies nicht aus Pegnitz weggeben", sagt Scharr. Grundsätzlich sei es ihr wichtig, die Ausbildung weiter in Pegnitz zu konzentrieren – auch wenn die Anwärterzahlen ständig steigen. Ausgebildet werden an der Bayerischen Justizakademie Gerichtsvollzieher, Justizwachtmeister und Justizfachwirte, die alle die Beamtenlaufbahn einschlagen und deshalb nicht älter als 45 Jahre sein dürfen.

In diesem September beginnen 250 Justizfachwirte ihre Ausbildung. Scharr spricht vom "Projekt 250". Erst sei es fraglich gewesen, wo man die Leute unterbringen sollte. Denn normalerweise liegt die Zahl der Justizfachwirte bei 150. "Wir haben dann gesagt, an uns soll es nicht scheitern."

Nicht nur intern mussten deshalb Vorkehrungen getroffen werden, die Leute unterzubringen; es mussten auch Wohnraum auf dem freien Markt aufgetrieben werden, denn die 179 Zimmer mit 229 Betten auf dem Gelände der Justizakademie reichen nicht aus. 120 Ferienwohnungsplätze mussten organisiert werden, darunter sind auch 3-Zimmer-Wohnungen, in denen WGs gebildet werden. "Da kommt ein sechsstelliger Betrag für die Anmietung zusammen", sagt Gudrun Scharr.

Gerichtsvollzieher werden im September 30 bis 50 erwartet; zuletzt haben 59 ihre Prüfung gemacht. Ihre Ausbildung dauert 18 Monate. Da mit Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ein Ausbildungsverbund besteht, kommen auch Anwärter aus diesen Bundesländern nach Pegnitz.

Bei den Wachtmeistern werden pro Jahr zwei Lehrgänge mit jeweils 30 bis 36 Teilnehmern aus Bayern und Sachsen abgehalten. "Wir sind stolz darauf, dass andere Bundesländer mit uns kooperieren", betont Scharr. Hinzu kommen noch Seiteneinsteiger – häufig Angestellte aus der Justiz oder Rechtsanwaltskanzleien –, die ebenfalls in Pegnitz eine sechsmonatige Vorausbildung durchlaufen.

"Warten auf die Entscheidung"

Aufgrund der beengten Räumlichkeiten hofft die Chefin der Justizakademie, dass der Umzug des Fachbereichs Rechtspflege der Hochschule für den öffentlichen Dienst von Starnberg nach Pegnitz bald verwirklicht wird. Denn dafür wird ein Gebäude benötigt; in dem könnten auch Räume für die Justizakademie geschaffen werden. "Wir haben verschiedene Raumprogramme aufgestellt", sagt Scharr.

Die Immobilien Freistaat Bayern, die für die Verwaltung der landeseigenen Immobilien zuständig ist, prüft derzeit das Raumprogramm und wird entscheiden, was am wirtschaftlichsten ist. "Wir warten darauf, dass es jetzt entschieden wird. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", betont Scharr.

Vier Lehrsäle werden gebraucht

Auf einer Wiese wäre Platz für ein neues Gebäude an der Justizakademie hinter dem Haus des Hausmeisters. Dort liegt etwas versteckt eine an einer Seite von Büschen und Bäumen begrenzte Wiese. Auch ein Anbau an eines der bestehenden Gebäude ist denkbar.

Die Justizakademie Pegnitz bräuchte weitere 111 Zimmer plus vier barrierefreie Räume; außerdem vier Lehrsäle mit jeweils 140 Quadratmetern, die sich mittels Trennwänden in acht kleine Räume aufteilen lassen. Ein besonderer Stellenwert kommt der Justizakademie zu, weil sie ein Fortbildungszentrum der Justiz für ganz Bayern ist. So werden zum Beispiel IT-Kurse und Schlüsselkompetenzschulungen für Justizwachtmeister angeboten.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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