Dienstag, 29.09.2020

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Kampf gegen die Hitze

Arbeiter am Bau bekommen Kältewesten. Im Stall stehen Ventilatoren. Schlange vor dem Cabriosol. - 11.08.2020 07:55 Uhr

Die Bauarbeiter der Firma Rädlinger kommen gut mit der Hitze zurecht. Zwischen Pegnitz und Neudorf sanieren sie zurzeit die Fahrbahn. Die Männer müssen viel trinken. Aus einem 60 Kubikmeter fassenden Fass wird Wasser über den Asphalt verteilt, um den Bauarbeitern Abkühlung zu verschaffen.

© Foto: Klaus Trenz


Die Hitzewelle hat Deutschland im Griff. Auch in der Region liegen die Temperaturen seit Tagen deutlich über 30 Grad. Wer kann, sucht sich ein schattiges Plätzchen oder verkriecht sich in der Wohnung, sofern diese sich noch nicht aufgeheizt hat. Am Sonntag lag die Höchsttemperatur in Pegnitz bei 33,2 Grad. Der heißeste Tag des Jahres war der 1. August mit 34,4 Grad. Ganz so heiß wie in Trier, wo am Samstag 38,2 Grad gemessen wurden, ist es bei uns nicht. Dennoch leiden viele Menschen unter der "Saunaluft", weil es schwüler geworden ist.

Vor allem ältere und gesundheitlich angeschlagene Menschen kommen schwer mit den Bedingungen zurecht. Ärzte raten grundsätzlich von Anstrengungen im Freien tagsüber ab. Bauarbeiter müssen jeden Tag hart arbeiten. Auch die Männer der Firma Rädlinger, die derzeit die Bundesstraße von Pegnitz nach Buchau saniert. "Wir achten darauf, dass jeder viel trinkt", sagt Bauleiter Michael Eckert. So gut vier Liter täglich sollten es schon sein. Gegen die UV-Strahlung schützen sich seine Leute mit Sonnenschutz; außerdem gibt es gegen die extreme Hitze Kältewesten. Laut Eckert wird aus einem 60 Kubikmeter fassenden Fass Wasser über den Asphalt verteilt, um den Bauarbeitern Abkühlung zu verschaffen. "Die Männer kommen gut zurecht, sie konnten sich an die hohen Temperaturen in den vergangenen Wochen gewöhnen", sagt Eckert. Richtig heiß wird es beim Asphaltieren: Das Mischgut hat unten eine Temperatur von 180 Grad, an der Oberfläche sind es immerhin noch um die 40 Grad.

Sonnenschutz von der Stadt

Beim Bauhof der Stadt wird in zwei Schichten gearbeitet. Die erste geht von 5 bis 12.20 Uhr, die zweite von 13 bis 20.30 Uhr. Die Stadt stellt Sonnenschutz zur Verfügung. "Die Mitarbeiter sollen wenn möglich im Schatten arbeiten", sagt der stellvertretende Bauhofleiter Harald Büttner. Die Hitze sei noch nicht so schlimm, so Büttner. Er verweist darauf, dass ab Mitte der Woche die Temperaturen unter 30 Grad zurückgehen sollen.

Ein Profiteur des Sommerwetters ist das Ganzjahresbad Cabriosol. "Wir sind ständig ausgebucht", sagt Betriebsleiterin Jeanette Bayerlein. Am Sonntag stauten sich vor dem Eingang die Gäste, weil aufgrund der Hygieneregelungen wegen der Corona-Pandemie nur eine begrenzte Besucherzahl ins Bad darf. Aktuell sind es 675. Die Schlange vor dem Eingang sei am Sonntag rund 25 Meter lang gewesen, so Bayerlein. "Die Leute haben gehofft, dass sie reinkommen, wenn Gäste gehen. Aber sie sind nicht sofort alle gegangen." Am Wochenende besuchten viele Familien das Bad; diese seien schon am Vormittag gekommen und erst gegen Abend gegangen. Also war Warten angesagt. Im Bad selbst hätten sich die meisten Besucher an die Hygieneregeln gehalten. "Sie werden akzeptiert." Nur ab und zu müsse die Aufsicht einschreiten. Keine Probleme von Badegästen seien, so Bayerlein, infolge der Hitze bekannt.

Ebenfalls keine Zahlen hat die Integrierte Rettungsleitstelle Bayreuth/Kulmbach parat. "Weil wir nicht wissen, ob jemand, der einen Kollaps erlitten hat, ihn wegen der Hitze bekommen hat", sagt ILS-Leiter Andreas Lammert. Roland Löb, Vorsitzender des ASB-Regionalverbandes Jura, hat am vergangenen Wochenende keine vermehrten Einsätze wegen Hitzeopfern festgestellt. Hingegen sei der ASB am Wochenende zuvor zu überdurchschnittlich vielen Freizeitunfällen gerufen worden. Im Klinikum Bayreuth gab es laut Ulrich Jörs von der Pressestelle ein "normales Wochenende, nichts Auffälliges". Er führt dies darauf zurück, dass die Menschen aus der letzten Hitzewelle gelernt hätten und "viel trinken, die Sonne meiden, den Schatten suchen und Dinge gleich am Morgen erledigen, wo es noch kühler ist".

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt Harald Köppel, Leiter der BBV-Geschäftsstelle Bayreuth-Kronach-Kulmach, auf das derzeitige Wetter. Einerseits sei es für die Ernte gut, "wenn es warm und trocken ist", andererseits würden Grüngut und Wald unter der Trockenheit leiden. "Das Gras verbrennt und die Blätter werden braun."

Für den Wald schaue es derzeitig nicht gut aus, weil das Wasser nicht in die unteren Bodenschichten reingegangen sei. Köppel wünscht sich nach der Erntezeit ein paar Tage leichten Landregen. "Der ist dringend nötig."

Und wie kommen die Tiere in den Ställen mit der Hitze zurecht? "Sie leiden ähnlich wie der Mensch", sagt Köppel. Landwirte würden Wasser aus Düsen versprühen, Ventilatoren aufstellen oder Seitenwände öffnen, um für einen Luftzug zu sorgen. In manchen Schweineställen gebe es auch Klimaanlagen. Kühe würden aufgrund der hohen Temperaturen weniger Milch liefern. "Das sind ganz normale Schwankungen, die zum Jahresablauf dazu gehören", so Köppel.

Reichlich gießen und düngen

Floristikmeister Willy Vizethum von Blumen Hoffmann in Pegnitz rät Gartenbesitzern dazu, Pflanzen frühmorgens reichlich zu wässern. Und auch das Düngen sollte nicht vergessen werden. Denn die hohen Temperaturen würden das Wachstum anregen; deshalb benötigen Pflanzen Nährstoffe. "Das ist ganz wichtig."

Auch Bäume könne man gießen, vor allem, wenn es Flachwurzler sind, die nur wenig Feuchtigkeit aus dem Erdreich aufnehmen könnten.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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