12°

Freitag, 18.10.2019

|

Kein Winterschlaf im Fränkische Schweiz-Museum

Verantwortliche bereiten die neue Saison vor - - 12.03.2019 15:14 Uhr

Jens Kraus leitet das Fränkische-Schweiz-Museums in Tüchersfeld. Er hat auch im Winter, wenn für Besucher geschlossen ist, genug zu tun. © Foto: Klaus Trenz


Vor allem der Museumsleiter, die Restauratorin, der Museumspädagoge und Stellvertreter des Leiters, die Registrarin sowie die Hausmeister haben auch im Winter genug zu tun. Schließlich ist ein Museum nicht nur da, um einem Publikum Exponate zu zeigen, sondern auch, um wissenschaftliche Arbeit zu leisten, zu sammeln und zu bewahren. Letztendlich hat man auch einen Bildungsauftrag.

Restauratorin Kerstin Wittenburg reinigt alte Tracht von Mottengespinsten.


"Meine Aufgaben sind im Winter die gleichen wie im Sommer", sagt Museumsleiter Jens Kraus, "da ändert sich eigentlich nicht viel." Schon jetzt ist Kraus dabei, die Sonderausstellung für 2020 zu konzipieren und zu organisieren. Es wird um das Thema Auswanderung gehen. Alleine für die Sonderausstellung zum 30-jährigen Krieg im vergangenen Jahr hätte es vier Jahre Vorlauf gegeben. An aufwendiger Recherche und an das Sammeln der Exponate. Immerhin seien Leihgaben nicht von heute auf morgen zu bekommen und sie sollten im Idealfall regionalen Bezug haben. Das bedürfe einer rechtzeitigen Planung.

Die Ausstellungen müssen angesichts des beschränkten Platzangebots stets kompakt gehalten werden. Das ändere aber nichts daran, dass die Menge der Aufarbeitung und Information groß sei. "Wir spielen auf einem sehr hohen Niveau", sagt Kraus. Ein Museum lebt nicht von heute auf morgen. Hinter der Strategieplanung von Kraus stehe die Frage: "Wo geht es hin?" Die großen Themen seien bereits bis zum Jahr 2026 gesetzt. Alle zwei Jahre wird es eine Sonderausstellung geben, darunter die Themen "Jüdisches Leben" und Mediengeschichte. Dazu kommen Planungen für kleinere Ausstellungen, zum Beispiel mit einem Künstler. "Wir haben im Winter eigentlich sehr viel zu tun."

Wobei er Verwaltungsarbeiten und Mitarbeiterorganisation fast hinten anstellt. "Es gibt viel Arbeit, die der Besucher gar nicht sieht." Ein Museum braucht viel Organisation. Auch für kulturelle Veranstaltungen im Museum.

Um die Dauerausstellungen muss sich ständig gekümmert werden. Vor allem auf die Arbeit von Restauratorin Kerstin Wittenburg hat die Jahreszeit kaum einen Einfluss. In der alten Tüchersfelder Schule, wo sich die Werkstatt des Museums befindet, widmet sie sich das ganze Jahr über Exponaten, die restauriert werden müssen.

Wenn das Publikum im Winter ausbleibt, nutzt sie die Zeit und den Platz, um an großen Objekten zu arbeiten, die nicht einfach abgebaut und in das Schulhaus transportiert werden können. Zurzeit ist sie dabei, aus den fränkischen Trachten die Motteneier herauszubekommen. Die Trachtenausstellung soll noch im ersten Halbjahr des Jahres neu gestaltet werden.

Ihre Aufgabe ist es zudem, das Raumklima im Museum zu überwachen. Und das macht im Winter keine Pause. Luftfeuchtigkeit und Temperatur in den Ausstellungsräumen muss stimmen, damit die Exponate nicht Schaden nehmen. "Das einzige, was im Winter nicht so möglich ist, ist die Schädlingsüberwachung", sagt Wittenburg. Siebenschläfer, Mäuse oder Marder fühlen sich in alten Gemäuern wohl, vor allem, wenn sie menschenleer sind. Holzschädlinge seien sowieso immer am Werk. "Vor allem der Siebenschläfer ist in Tüchersfeld ein Problem."

Schallwellen gegen Schädling

Da man auf die chemische Keule im Museum strikt verzichtet, muss Wittenburg erfinderisch sein: Mit einer Intervallbeschallung und lauter Musik wird dem Siebenschläfer das Leben schwer gemacht.

Sammeln gehört zu einer der wichtigsten Aufgaben eines Museums. Und das beschränkt sich nicht auf Jahreszeiten. "Wenn ein Objekt zu uns kommt, dann stellen wird das ja nicht in den Schrank", sagt Kraus. Es wird untersucht und registriert.

Aber dabei bleibt es nicht. Erst wenn die Suche nach Literatur dazu und weiteren Infos abgeschlossen ist, kommt es in das Depot. Zusammen mit Wittenburg ist Registrarin Regina Urban dafür verantwortlich. Die Leiterin des Wallfahrtsmuseums in Gößweinstein, die für zwölf Wochenstunden im Fränkische-Schweiz-Museum arbeitet, achtet darauf, dass die Museumsobjekte sachgemäß aufbewahrt werden und auf die Dokumentation. Das Fränkische-Schweiz-Museum öffnet im April wieder seine Pforten und hat dann wieder von Dienstag bis Sonntag (Montag Ruhetag) von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Erstmals organisiert die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld am Dienstag, 2. April, von 13 bis 19 Uhr eine regionale Tourismusmesse.

Das Motto dieser für die Region bisher einzigartigen Leistungsschau im Fränkische-Schweiz-Museum lautet: "Gemeinsam sind wir stark!". Da präsentieren sich touristische Anbieter aus den Bereichen Klettern, Reiten, Tierparks, Burgen, Museen, Thermen- und Bäderwelt, Flugsport, Kanu, Brauerei- und Brennereiwesen. Bislang haben sich knapp 30 Akteure angemeldet. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Für Kraus ist eine derartige Veranstaltung, die jetzt nicht unbedingt zu den Kernaufgaben eines Museums gehört, Teil seiner Zielsetzung: "Wir schaffen Identität und sind das Gesicht der Region und wir schaffen Zusammengehörigkeit".

Zwischen 15 000 und 20 000 Besucher hat das Fränkische-Schweiz- Museum jährlich, so Museumsleiter Jens Kraus. Für ein Museum dieser Größenordnung sei das eine große Zahl. "Damit gehören wird zur deutschen Spitzengruppe und zu den am stärksten besuchten Museen in Deutschland, die in der zweiten Liga spielen." Vergleichen könne man das Fränkische-Schweiz-Museum natürlich nicht mit den großen Museen. Immerhin stehe man in Oberfranken ganz weit oben, was die Besucherzahlen angeht. "Wir schaffen es, die Leute hierherzubringen", sagt Kraus.

Das sei "enorm in der deutschen Museumslandschaft", vor dem Hintergrund seiner Lage in einem Dorf mit nur rund 220 Einwohnern, das vom öffentlichen Nahverkehr nicht gerade begünstigt sei.

KLAUS TRENZ

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Tüchersfeld