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Freitag, 03.07.2020

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Keine Feier in der Innenstadt: Gebremste Freude bei den Abiturienten

In letzter Sekunde wurde die Abi-Feier in der Innenstadt vom Landratsamt unterbunden. - 26.06.2020 17:16 Uhr

Daumen hoch nach der Notenbekanntgabe: Tim Heidenau und Lea Hofmockel freuen sich über das bestandene Abitur. © Foto: Ralf Münch


Sie haben es geschafft: Die Abiturprüfungen sind erledigt, für die meisten liegt damit die Schulzeit hinter ihnen. Den klassischen Abitur-Feier-Marathon wird es in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise nicht geben. Auch eine Feier in der Innenstadt wurde in letzter Minute durch das Bayreuther Landratsamt unterbunden – zum Ärger der Abiturienten, der deutlich zu spüren war.

Schulleiterin Annett Becker wirkt entspannt, geradezu gelöst, als sie um kurz nach 11 Uhr den Gang in ihr Büro hinab läuft. "Gleich ist es soweit", sagt die Direktorin des Pegnitzer Gymnasiums, gerade so, als würde sie gleich ihre eigene Abitur-Note erfahren. Doch ganz so ist es nicht: In der nächsten knappen Stunde wird Becker den Schülern ihre Noten mitteilen. Für die meisten war es das dann mit der Schulzeit. Nur wer sich verbessern will – oder muss, im Falle des Nichtbestehens – wird noch zur mündlichen Nachprüfung antreten.

Traumnote 1,0: Nelli Androschuk (rechts) bekommt von Schulleiterin Annett Becker (links) ihr Notenblatt überreicht. ⋌ © Foto: Ralf Münch


Sicherheitsabstand

An diesem besonderen Freitag sind nur Schüler eingeladen, die die Abschlussprüfungen bestanden haben. Die restlichen – laut Becker wenigen – Schüler, die nicht bestanden hatten, wurden bereits telefonisch informiert und bereiten sich nun auf ihre Nachprüfungen vor. Während Becker in ihrem Büro der alphabetisch ersten Hälfte ihrer Abiturienten die Noten verkündet, sitzt zwei Gänge weiter ihr Stellvertreter Wolfgang Schreiber an der zweiten Hälfte der rund 80 Schüler. Nicht nur zwischen, sondern auch in den Räumen herrscht Sicherheitsabstand – Becker trägt Mundschutz, schüttelt keine Hände und achtet auf eine Tischlänge Abstand zwischen ihr und den Schülern.

An einen Scherz geglaubt

Eine der ersten ist Nelli Androschuk. Ihr Ergebnis: 1,0. Androschuk glaubt zunächst an einen Scherz, fragt zwei Mal, ob das Beckers Ernst sei und verlässt schließlich leicht zitternd mit dem Notenblatt in der Hand Beckers Büro. "Ich hatte mit irgendwas um die 1,5 gerechnet", sagt sie. "Aber nicht damit."

Gerade die 15 Punkte – Bestnote – in Mathematik seien eine Überraschung. Wohin es für Nelli Androschuk irgendwann gehen soll, ist noch offen, im Spätsommer geht es fürs Erste nach Chile ins Freiwillige Soziale Jahr. Bis dahin? "Ich werde den Sommer genießen und mit kleineren Gruppen feiern."

Das Thema Feier ist an diesem Freitag im Pegnitzer Gymnasium allerdings ein erstaunlich unbeliebtes. Eigentlich hatten die Abiturienten geplant, es ihren Vorgängern so weit wie möglich gleichzutun und in der Stadt zu feiern – ohne Sprung in den Brunnen, dafür mit Abständen, Masken und Hygienekonzept. Das Landratsamt sei informiert worden und hätte die Verantwortung dann an die Stadt weitergegeben, erzählen die beiden Abiturienten Lea Hofmockel und Tim Heidenau.

In letzter Minute

Nach dem grünen Licht aus dem Rathaus und von der Schulleitung hätten sich alle schon auf eine abgeschwächte Abifeier in der Pegnitzer Innenstadt eingestellt – bis am Freitagmorgen die Nachricht aus dem Landratsamt kam: Keine Feier vor dem Pegnitzer Rathaus. "Das macht uns wütend", sagt Lea Hofmockel. "Vor allem, weil das Signal ja eigentlich war, dass die Feier genehmigt wird."

"Wir hatten ja nicht vor, eine heftige Party zu veranstalten", sagt Tim Heidenau. "Auch wir wollen ja nicht, dass es zu einer zweiten Welle kommt." Die Abiturienten trafen sich schließlich auf einem Parkplatz oberhalb der Schule, wo sie sich in Kleingruppen aufteilten und loszogen.

Herbert Retzer, der Pressesprecher des Landratsamts, bestätigte auf Anfrage die Absage der Feier: "Nach Paragraf 2 der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sind Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen untersagt." Das Landratsamt hielt bei den von den Abiturienten angekündigten Gruppen von je zehn Schülern das Einhalten der Abstandsregeln für nicht garantiert.

Retzer kann den Unmut der Schüler nachvollziehen: "Da werden ein einmaliges Erlebnis und ein neuer Lebensabschnitt durch neue Regeln und Verordnungen so massiv beeinflusst und gestört. Aber wir müssen uns daran halten." Warum das Landratsamt seine Meinung so kurzfristig änderte, sagte er nicht.

Während der neue Lebensabschnitt für andere erst im Herbst oder nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr beginnt, geht es bei Tim Heidenau bereits in diesem Sommer an der Musical-Schule in Hamburg weiter. Heidenau hatte in Nürnberg an einer Aufnahmeprüfung erfolgreich teilgenommen. Seit elf Jahren spielt er Theater, seit einigen Jahren singt er. In Hamburg will er sich schauspielerisch, musikalisch, aber auch als Tänzer weiterentwickeln.

JULIAN SEIFERTH

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