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Kerwa-Schmankerl: Wie vor 50 Jahren in Leups gebraut wurde

NN blenden zurück auf einen Besuch in der alten Brauerei Gradl - Heute hilft der Computer - 30.08.2019 15:00 Uhr

Der Leupser Wirt und Brauer Vitus Wolfring, von allen nur "Veit" genannt, gilt bei seinen Gästen aus der gesamten Region noch heute als Legende der fränkischen Brautradition. © Georg Brendel


Georg Brendel, einer der ersten Mitarbeiter der NN, hat sich damals den Betrieb angesehen: „Die wohl kleinste und noch weitgehend von Hand betriebene Brauerei im weiten Umkreis findet man in der Ortschaft Leups. Die im Besitz der Familie Gradl-Wolfring befindliche Brauerei ist ein Familienbetrieb. Seit rund 300 Jahren wird hier das Bier immer noch nach den gleichen Methoden wie zu Urgroßvaters Zeiten gebraut.

Die ganze Familie war beim Bierbrauen gefordert. Unser Bild zeigt von links den Leupser Altwirt Johann Gradl, seinen Schwiegersohn Vitus Wolfring und dessen Ehefrau Rosa. © Georg Brendel


An der Arbeitsweise hat sich wenig geändert. Der eigene Wald liefert wie seit eh und je das benötigte Brennmaterial. Das zum Heizen des Braukessels erforderliche Holz wird in Klafterscheiten (Meterlängen) in großen Stapeln bereitgehalten und beim Brauen der große Kessel damit geheizt. 

Mit meterlangen Holzscheiten aus dem eigenen Wald befeuerte Vitus Wolfring den Kessel. © Georg Brendel


Auch die übrige Arbeitsweise gleicht der von früher: das gequetschte Malz wird im Maischbottich . mit der Hand angerührt, mit einer Handpumpe in den großen Kessel gepumpt, um dann später wieder abgelassen zu werden. Das Einbringen des Hopfens und das Abkochen des Sudes geschieht ebenfalls auf überlieferte Weise. Es erfordert viel Zeit und Ausdauer der Brauerfamilie. 

Ist der Süd schließlich abgekocht, wird er zum Kühlen abgelassen, um dann von dort mit der Butte in den Keller getragen zu werden. Dort erst wird der Süd durch Zusatz von Hefe zu Bier vergoren und kann schließlich in der eigenen Gastwirtschaft zum Ausschank kommen. 

Die ganze Nacht über musste Vitus Wolfring für die richtige Temperatur im Braukessel sorgen. © Georg Brendel


Wir haben uns einmal angesehen wie ein Brau-Vorgang in einer solch kleinen Brauerei abläuft. Am Vorabend wird der rund 20 Hektoliter fassende Braukessel angeheizt und es vergehen einige Stunden, bis er auf die erforderliche Temperatur gebracht ist. In der Zwischenzeit wird das Malz in den Maischbottich gegeben und angenebelt (angefeuchtet). Kurz vor Mitternacht ist dann die notwendige Temperatur erreicht. Das Malz wird angemaischt und in den großen Kessel gepumpt, später wiederholt sich dieser Vorgang. Dann ist es etwa um 4 Uhr morgens. 

Nach einer weiteren Stunde des Zuwartens bis die Maische durchgezogen ist, kommt der Sud wieder in den Kessel, Hopfen wird zugegeben. Nach sechs bis acht Stunden Kochzeit, je nach der erreichten Temperatur, ist das spätere Bier soweit, dass es ins Kühlschiff abgelassen werden kann. Dort verbleibt es bis zum nächsten Morgengrauen, um dann in den auf dem Lande vielleicht noch bekannten Butten abgetragen zu werden, und zwar in den Keller, wo es unter Zusatz von Hefe endgültig zu Bier vergoren wird. 

Vitus Wolfring und seine Frau Rosa bei der harten Arbeit am Braukessel. © Georg Brendel


Das so bereitete Bier kommt nur in der eigenen Gastwirtschaft zum Ausschank. Altwirt Johann Gradl und sein Schwiegersohn Vitus "Veit" Wolfring versicherten, dass sie ihr Bier, wie ihre Vorgänger in der Familie, weiterbrauen wollen, trotz eines harten Konkurrenzkampfes. Es ist geplant, die Brauerei den rationellen Erfordernissen der Zeit einmal anzupassen. Mit der Kellereinrichtung ist das bereits geschehen. Dort sind Kühlaggregate installiert worden, die einen gleichmäßigen Gärablauf gewährleisten.“

Nächste Generation bewahrt Tradition

Der heutige Seniorchef Hans Wolfring kann über die Arbeitsbedingungen vor 50 Jahren nur schmunzeln, hat er doch die Brauerei, die ihr Bier bis weit über die Grenzen der Ortschaft hinaus verkauft, vor geraumer Zeit schon mit hohem finanziellen Aufwand auf den neuesten Stand gebracht. Inzwischen sorgt die nächste Generation dafür, dass es mit der Leupser Brautradition weitergeht. 

GEORG BRENDEL/RICHARD REINL

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