Sonntag, 05.04.2020

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Kirche im Krisenmodus: Gemeinden basteln an Lösungen

Täglich läuten wegen Corona um 19 Uhr die Glocken. Gebete bei Kerzenschein. Tafel und Tagespflege machen dicht. - 19.03.2020 08:55 Uhr

Der katholische Diakon Patrick Martin in der auch am Sonntag leeren Pegnitzer Marienkirche. Im katholischen „Gotteslob“ und dem evangelischen Gesangbuch gibt es Anregungen für Hausgebete. © Foto: Frank Heidler


Eine echte ökumenische Aktion startet in evangelisch-lutherischer und römisch-katholischer Pfarrgemeinde ab sofort: "Wir entzünden jeden Abend in der Bartholomäuskirche um 19 Uhr die Osterkerze, am Sonntag um 10 Uhr", erklärt Dekan Gerhard Schoenauer. Gleichzeitig läuten die Kirchenglocken und in der Kirche wird das Vaterunser gebetet.

Das gilt sowohl für Pegnitz, als auch für Plech. Der dortige Ortspfarrer Christoph Weißmann hat in einer kurzfristigen Nachtaktion 40 Plakate in seiner Gemeinde geklebt, um auf die Gemeinschaftsaktion aufmerksam zu machen.

Die Pfarrer werben dafür, dass Gläubige zuhause eine brennende Kerze ins Fenster stellen und beim Läuten der Glocken für sich und doch gemeinsam mit vielen anderen das Vaterunser beten.

Auch der katholische Diakon Patrick Martin kennt diese Aktion und empfiehlt diese Christen jeder Couleur als passende Mitwirkungsmöglichkeit. Der medienerfahrene, freiberufliche Bauchredner ist überzeugt: "Das ist die große Stunde der sozialen Medien." Augenblicke später ergänzt er: "Wir haben als Gläubige ein Netzwerk mit Gott und untereinander." Beim Beten könne man ihm nahe sein.

In diesen aktuellen Corona-Zeiten redete auch der evangelisch-methodistische Pastor Stefan Schörk der "digitalen Kirche" das Wort. Seine Gemeinde hatte schon vor Monaten begonnen, komplette Predigten mit Musikbegleitung über Youtube ins Netz zu stellen.

+++Keine Gottesdienste in der Karwoche und an den Osterfeiertagen+++

Eine ähnliche Möglichkeit prüft Pfarrer Weißmann, nachdem ihm das von einem seiner Gemeindeschäfchen angeboten worden war. Für Dekan Schoenauer ist ebenfalls klar, dass nicht nur seine Gemeindeglieder, sondern jedermann ab dem nächsten Sonntag die aktuelle Predigt auf der Homepage der Gemeinde nachlesen kann.

Nicht allzu große Chancen sieht Seelsorger Weißmann dafür, dass trotz Corona Gottesdienste unter freiem Himmel in der Weidenkirche gehalten werden können. "Das wäre eh erst ab Mai der Fall gewesen." Wegen des wechselhaften Frühjahrswetters hätte es auch keinen Sinn gemacht, ausnahmsweise diese Gottesdienste Wochen früher starten zu lassen.

Mit einem Einkaufsservice sollen Risikopatienten und ältere Menschen bei ihren täglichen Besorgungen unterstützt werden. "Für die Bewohner des Brigittenheimes machen wir das schon", sagte Dr. Schoenauer. Auf die Initiative der methodistischen Gemeinde gab es bisher kaum Rückmeldungen. Jetzt können sich Betroffene unter den Telefonnummern der Pfarrämter in Pegnitz und Plech sowie bei den Methodisten dafür melden.

Die kirchlichen Gemeinden haben kaum Probleme, die für das Angebot nötigen freiwilligen Helfer zu finden.

An anderer Stelle sorgt der Mangel an gesunden, jüngeren Helfern ohne gesundheitlichem Risikopotenzial für eine Schließung. So wird die Pegnitzer Tafel ab diesem Freitag, 20. März, geschlossen haben. Auch die Tagespflege der evangelischen Diakonie in Pegnitz und Creußen konnte wegen des hohen Ansteckungsrisikos nicht mehr länger geöffnet haben, bedauerte Dekan Schoenauer.

Aus Sorge um die 142 Bewohner des Brigittenheimes wurde auch das Brigittenheim dicht gemacht. Der von Pflegedienstleiterin Roswitha Schecklmann entwickelte Notfallplan sei inzwischen auch von mehreren anderen Seniorenheimen nachgefragt worden.

In Vorbereitung ist ein Raum im Brigittenheim, wo Angehörige mit Heimbewohnern durch eine durchsichtige Plastikwand sprechen können, ohne diese einem Ansteckungsrisiko auszusetzen. Noch ist es aber nicht soweit.

Beobachtet wurden aber auch schon Familien, die mit dem Auto vors Brigittenheim gefahren sind, und der Omi am Heimfenster im Obergeschoss freundlich zugewunken haben.

Gegen drohende Vereinsamung wegen Corona planen die Methodisten Telefonketten, in anderen Gemeinden betreiben die Pfarrer Seelsorge und Geburtstagsbesuche per Telefon. "Wir arbeiten an kreativen Lösungen", heißt es beinahe unisono. Manche Menschen haben auch Angst um ihren Job, wissen die Pfarrer. Die Kirchengebäude sollen praktisch immer offen sein. In der Bartholomäuskirche gibt es dazu auf Wunsch Musik im Meditationseck, in der Marienkirche Weihwasser zum Mitnehmen.

InfoMehr: emk-pegnitz.de, Einkaufsservice: Telefon 80374; pegnitz-evangelisch.de, Einkaufsservice Telefon 6086; Plecher (Einkaufs-)Kontakt (0 92 44) 9163 und herzjesu-pegnitz.de sowie bei Diakon Patrick Martin auf Facebook.

FRANK HEIDLER

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