Jahrzehntealte Fahrzeuge

Klassiker der Automobilgeschichte beim Auerbacher Oldtimer-Treffen

5.9.2021, 17:01 Uhr
Andreas Rupprecht sieht man mit seinem 50 Jahre alten Seat 600 öfter in der Fränkischen Schweiz.

Andreas Rupprecht sieht man mit seinem 50 Jahre alten Seat 600 öfter in der Fränkischen Schweiz.

Es gibt immer wieder Neues zu sehen auf dem Betriebsgelände des MSC-Vorsitzenden Dieter Wittmann – Fahrzeuge, die neugierig umringt werden, nicht nur von eingefleischten Oldtimerfans: das Seitenwagen-Renngespann von Michael Pabst aus Pegnitz zum Beispiel. Das auffällig orange und weiß lackierte Gefährt namens "König 700" von 1972 ist eine echte Rarität. Pabst hat es – zerlegt angeboten – in einer Motorradzeitung gefunden und dann rund 250 bis 300 Stunden in Restaurierung und Zusammenbau gesteckt.

Akribische Recherche war nötig, denn: "Dafür gibt es keine Bauanleitung", erklärt Pabst. Der Vorbesitzer des 120 PS-starken Sportmotorrads sei jedenfalls bis 1979 damit noch Rennen gefahren.

Hinter vielen Fahrzeugen, die von ihren Besitzern gehegt und gepflegt werden, steckt eine Geschichte. Dieter Wittmann hat die Corona-Zeit beispielsweise genutzt, um ein Motorrad zu restaurieren, das schon lange in seiner Halle gestanden hatte und aus der Auerbacher Familie Gößner, den früheren Betreibern des Sägewerks, stammt. Die Victoria namens "KR 10 N" sieht mit ihren nur 2,5 Pferdestärken und nur knapp 100 Kubikzentimeter Hubraum relativ unscheinbar aus, sie lässt aber einige Fragen offen. So ist laut Wittmann schon ihr Baujahr 1940 ungewöhnlich sei. In jener Zeit, in der die Zeichen auf Kriegsproduktion standen – habe man wohl nur durch Beziehungen oder Erfindungsreichtum ein Motorrad bekommen, vermutet er.

Michael Pabst aus Pegnitz erregte mit seinem Seitenwagen-Rennmotorrad aus dem Jahr 1972 Aufsehen beim Oldtimertreffen des Motorsportclubs Auerbach. Bis 1979 war damit der Vorbesitzer über bundesdeutsche Rennpisten gejagt.

Michael Pabst aus Pegnitz erregte mit seinem Seitenwagen-Rennmotorrad aus dem Jahr 1972 Aufsehen beim Oldtimertreffen des Motorsportclubs Auerbach. Bis 1979 war damit der Vorbesitzer über bundesdeutsche Rennpisten gejagt. © Foto: Klaus Trenz

War das Krad eingemauert?

Noch rätselhafter werde es, weil das Zweirad erst 1949 angemeldet worden ist. "Wo war es dann die ganze Zeit?", fragt sich Wittmann und hat da so eine Vermutung. Es sollen nicht wenige Motorräder damals sogar eingemauert worden sein, um sie vor einer Requirierung durch welches Militär auch immer in Sicherheit zu bringen.

Jedenfalls habe er über ein Jahr an dem zunächst komplett zerlegten Motorrad gearbeitet und etliche Teile an der Drehbank selbst nachgefertigt. Er ist sich sicher, dass er eine Rarität besitzt, weil auch im Internet nichts zu finden sei. Auch der Technische Überwachungsverein (Tüv) konnte kein Wertgutachten erstellen. Man habe dort nirgends ein Vergleichsfahrzeug gefunden, berichtet Pabst. Der Wert sei somit schwer zu schätzen.

Klassiker der Automobilgeschichte, Youngtimer und Oldtimer reihten sich im Industriegebiet Leonie aneinander.

Klassiker der Automobilgeschichte, Youngtimer und Oldtimer reihten sich im Industriegebiet Leonie aneinander.

Horst Kopp aus Pegnitz war wieder mit einem Militärfahrzeug dabei. Der Fan von Allradfahrzeugen hat einen "Pinzgauer" der Firma Steyr Puch mit Baujahr 1977 in Österreich aufgetrieben. Das österreichische Militär habe das Fahrzeug vor vier Jahren ausgemustert und versteigert; Kopp hat gleich zugeschlagen. "Der Pinzgauzer fährt problemlos", berichtet er, nur ein Lichtschalter habe erneuert werden müssen. Kopp freut sich schon darauf, mit dem Pinzgauer auf eines der großen Schweizer Militärfahrzeugtreffen zu gehen, auf denen bis zu 800 Fahrzeuge ausgestellt werden.

Andreas Rupprecht ist indes mit seinem Seat 600 aus dem Jahr 1971 von Obertrubach nach Auerbach gefahren und hat genossen, was er am liebsten mit diesem Auto macht: "Spazierfahrten quer durch die Fränkische Schweiz am Wochenende, dabei abschalten und in eine andere Welt eintauchen". Das mit einer Fiat-Lizenz gebaute, spanische nur 23 PS starke Auto hat er in einer Annonce Oldtimer-Zeitschrift gefunden. Das fertig restaurierte Auto hatte aber Probleme beim Fahren. Insgesamt achtmal habe er den kleinen Motor aus- und eingebaut, bis er darauf gekommen sei, dass die Kupplung nicht zum Modell passte. Der gelernte Schuster hat die Kupplung dann selber abgeschliffen und so das Problem behoben. Dann konnte es endlich losgehen. Oldtimerfans müssen eben nicht nur Geduld, sondern auch Einfallsreichtum haben.

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