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Klaus Bauer: "Ich bin nicht nur Parteipolitiker"

Der CSU-Landratskandidat spielt Horn und setzt auf sachorientierte Kommunalpolitik. - 09.02.2020 00:19 Uhr

Der Blick über Weidenberg: Klaus Bauer hat zum Interview sein Tenorhorn mitgebracht. „Musik ist mein Ventil“, sagt der Landratskandidat der CSU. © Foto: Andreas Harbach


Doch heute ist Klaus Bauer nicht hier, um über seine aktuelle Arbeitsstelle zu sprechen, sondern über die, die da vielleicht bald auf ihn zukommen könnte. Bauer will Landrat des Landkreises Bayreuth werden. Er tritt an für die CSU, aber das ist nur eine Randnotiz: "Ich setze auf sachorientierte Kommunalpolitik", sagt Bauer, während er in seinem Büro Stühle zurechtrückt, sein Jackett über die Stuhllehne wirft und konzentriert seine bisher noch kurze politische Karriere zusammenfasst.

Dass er erst am Tag seiner Nominierung im September vergangenen Jahres in die CSU eingetreten ist, sieht er als Vorteil: "Ich will nicht in irgendeiner politischen Ecke stehen und Menschen ausschließen, nur weil ich in einer Partei bin", sagt er.

Der Wind wehe in der Politik immer rauer – und sollte Bauer zum Landrat gewählt werden, so ist für ihn heute schon klar: "Das wird eine richtige Herausforderung – ohne einen Ausgleich geht es nicht."

Dieser Ausgleich ist für den 49-Jährigen die Musik: Seit 1985 ist er Mitglied des Posaunenchores in Kirchenlamitz und tritt ein Jahr später der örtlichen Blaskapelle bei. 1997 gründet er die "Krebsbacker Blasmusik", eine Blaskapelle, die ihren ungewöhnlichen Namen einer noch ungewöhnlicheren Geschichte zu verdanken hat, die eng mit dem Ort Kirchenlamitz verbunden ist. Dort soll ein Bäcker einst kleine Krebse versehentlich mit Teig überzogen haben – seitdem haben die Kirchenlamitzer ihren Namen "Krebsbacker" weg.

Bis nach New York schaffte es Klaus Bauer schon mit der Kapelle: Bereits zwei Jahre nach der Gründung spielte er mit seinem Ensemble ein Standkonzert vor dem Uno-Gebäude, sogar bei Paraden trat er mit Tenorhorn und Posaune auf: "Das war beeindruckend."

Klaus Bauer prahlt nicht gern. Dass ihn weitere musikalische Reisen in die USA führten, zum Beispiel auf ein Oktoberfest nach Texas, erwähnt er nur beiläufig in einem Nebensatz.

Wichtig ist Klaus Bauer nicht, was er mit der Musik macht, sondern viel mehr, was die Musik mit ihm macht: "Musik ist mein Ventil. Sie macht einen Heidenspaß – aber auch, ihr nur zu lauschen, befreit mich innerlich."

Seiner musikalischen Leidenschaft folgt Bauer seit elf Jahren auch durchgängig bei den Bayreuther Festspielen: "Da habe ich allein sechs Jahre lang in Hans Neuenfels‘ Lohengrin-Inszenierung als Ratte in der Statisterie mitgespielt", sagt er und lacht. Egal ob Opern von Richard Wagner, Traditionelles, Evergreens oder großer Big-Band-Sound: Musikalisch hält es Bauer wie in der Politik. Grundsätzlich nichts ausschließen, sondern erst mal anhören, wie es klingt.

Politische Parteiprogramme interessieren ihn deshalb erst an zweiter Stelle: "Zuerst schaue ich den Menschen an", sagt er. Und schaut man zurück? Was sieht man, wenn man den Menschen Klaus Bauer betrachtet? Vor dem Musiker Klaus Bauer erscheint zunächst einmal Klaus Bauer, der geradlinige Verwaltungsleiter.

Ein verbindlicher Typ im Jackett, der auf so ziemlich jede kommunalpolitische Fragestellung mit Fachwissen antworten kann, Ordnung und Geradlinigkeit schätzt, und in dessen stringenten beruflichen Werdegang kein Blatt Papier mehr passt. 1989 beendete er seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Kirchenlamitz im Landkreis Wunsiedel. Es folgten 30 Jahre im Dienst der Kommunalverwaltung. Nachdem Bauer seinen Militärdienst beim Musikzug des Panzergrenadierbataillons 102 in Bayreuth absolviert hatte, war er Verwaltungsfachwirt – noch in Kirchenlamitz. Bald darauf durfte er als Standesbeamter Ehen schließen. Nebenbei machte er in einem dreijährigen Abendstudium seinen Betriebswirt, doch ein Absprung in die freie Wirtschaft kam für ihn nicht in Frage: "Das Abendstudium half mir, weitere Aufgaben und Herausforderungen im Bereich der Kommunalverwaltung anzupacken", resümiert er.

Von 2006 bis 2011 war er Verwaltungsleiter bei der Gemeinde Speichersdorf, dann wechselte er in den Chefsessel der Geschäftsstelle der Verwaltungsgemeinschaft Weidenberg, seiner heutigen Dienststelle.

Klaus Bauer ist einer, der sich hochgearbeitet hat. Stetig und mit viel Ehrgeiz aber mit noch mehr Beharrlichkeit. Einer, der weiß, wie es in Kommunen abläuft und eine Lanze bricht für die, die sich dort engagieren: "Die ehrenamtlichen Bürgermeister der bis 2000 Leute starken Gemeinden, das ist nicht mehr zeitgemäß", findet er. Als kleine Gemeinde habe man die gleichen Aufgaben wie die Großen: Abwasser, Friedhof, Wasser, Kindergärten.

"Alles ist da." Bei der vielen Arbeit sollte es nach Bauers Auffassung nur hauptamtliche Bürgermeister geben: "Das Konzept ‚wir machen nebenbei ein bisschen Bürgermeister‘ funktioniert heute nicht mehr", sagt er und denkt direkt volkswirtschaftlich, wenn er sagt: "Unser Land würde stillstehen, wenn alle Ehrenamtler einen Tag lang nichts machen würden." Bevor er spricht, wählt Klaus Bauer seine Worte mit Bedacht, antwortet nie hastig auf eine Frage, sondern lässt seinen Blick meist zunächst nachdenklich ruhen.

Hat er aber einmal eine Haltung zu einem Thema, wird er deutlich: Wie mit Kommunalpolitikern zuweilen umgegangen wird, macht ihn wütend. Hier ist seiner Meinung nach die "große Politik" gefordert: "Kommunalpolitiker werden angefeindet, geben zum Teil ihre Jobs aus Angst vor Gewalt auf. Hier muss Politik sanktionieren", sagt er energisch.

"Unzufriedenheit wird größer"

Obwohl es unserem Land gut gehe, Wohlstand und Gesundheit größtenteils gegeben seien, hat Klaus Bauer trotzdem den Eindruck, dass die "Unzufriedenheit und das Anspruchsdenken in der Gesellschaft immer größer wird." Dem will er etwas entgegensetzen und als Vater von Zwillingen mit gutem Beispiel voran gehen: "Ich bin ehrenamtlich Prädikant im Dekanat Bayreuth-Bad Berneck – ich darf also auch Gottesdienste halten und das Abendmahl einsetzen", sagt Bauer, der seine Landratskandidatur bewusst nicht zu hoch hängen will: "Sollte es nicht klappen, sitze ich Montag wieder an meinem Arbeitsplatz. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn ich diese verantwortungsvolle und ehrenwerte Aufgabe als Landrat übernehmen dürfte."

HENRIK VORBRÖKER

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