Mittwoch, 14.04.2021

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Klimawandel: Pegel bei Betzenstein 20 Meter gesunken

Quellschüttung in Ranna geht deutlich zurück - Keine Gefahr für Nürnbergs Wasserversorgung - 17.02.2020 19:30 Uhr

Hier ist alles klar und transparent: Der Speicher in Ranna versorgt Nürnberg mit Trinkwasser.

25.01.2013 © Karlheinz Daut


Das zeigt sich vor allem an einem Eckpfeiler der Nürnberger Wasserversorgung, den starken Karstquellen bei Ranna im oberen Pegnitztal. Dort sprudelten 2018 nur noch rund 32 000 Kubikmeter pro Tag aus den natürlichen Speichern im Gestein – 8000 weniger als im langjährigen Mittel. Ursache: ein deutlich gesunkener Grundwasserstand.

Lag das Niveau an einer besonders aussagekräftigen Messstelle bei Betzenstein noch vor 33 Jahren bei 450 Metern (über Meereshöhe), sank der Pegel auf nun 430 Meter. Damit seien die Reserven zwar keineswegs erschöpft, beschwichtigt Bergold. Aber die sogenannte Schüttung lässt deutlich nach.

Trotz sinkender Grundwasser-Pegel ist die Versorgung mit Trinkwasser langfristig gesichert, so die N-Ergie.

16.02.2020


Bei Hitze steigt der Verbrauch

Was in Ranna aus der Erde plätschert, wird aufgefangen und nach Nürnberg geleitet, die Menge lässt sich aber nicht steuern. Anders in den Quellgebieten im Nürnberger Osten: In Erlenstegen und Eichelberg, Ursprung und Krämersweiher wird das frische Nass aus dem Erdreich gepumpt. "Hier drosseln wir teilweise die Erzeugung zur Schonung der Bestände", so die Versorgungsmanagerin.

Umso wichtiger sind die stadtnahen Quellen zur kurzfristigen Verstärkung, wenn etwa an besonders heißen Sommertagen der Tagesverbrauch von durchschnittlich rund 95 000 Kubikmeter um ein Viertel, in Einzelfällen sogar um die Hälfte nach oben schnellt.

Maßgeblich für die Wassergewinnung ist dabei weniger die Erwärmung, also der langsame Anstieg der Durchschnittstemperaturen (von unter neun Grad im Jahr 1972 auf zuletzt 10,5 Grad im Jahresmittel) als die zunehmende Trockenheit. Nach den Daten vom Nürnberger Flughafen gingen die durchschnittlichen Niederschlagsmengen in Nürnberg in knapp 50 Jahren von 700 auf unter 600 Millimeter zurück.

Entscheidend für eine mögliche Neubildung und Aufstockung des Grundwasserstocks sind die Niederschlagsmengen im Winter. "Wir kommen jetzt schon bald wieder ans Ende dieser Phase – und es war insgesamt erneut zu trocken", stellt Bergold fest. Vor allem fehlt die Bildung einer Schneedecke, die idealerweise im Frühjahr langsam schmilzt, sodass das Tauwasser gut verdicken kann statt abzufließen.

Um den Wasserstand auch nur um einen Zentimeter anwachsen zu lassen, wäre eine Regenperiode erforderlich, wie es sie in unserer Region seit langem nicht gegeben hat. "Der Abbau der 20 Meter hohen Schicht erfolgte ja auch über viele Jahre", so Bergold, "eine Neubildung würde ebenso lange dauern. Schnell ist nichts zu erreichen. Deshalb kommt es gerade in der Wasserwirtschaft auf langfristiges Denken an". Ausgleichen muss – und kann – die N-Ergie die Verluste in ihrem Stammgebiet bekanntlich durch Wasser aus dem Donau-Lech-Gebiet: Über den Zweckverband Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) bezieht Nürnberg Wasser aus dem 100 Kilometer südlich gelegenen Genderkingen.

Was durch die Fernwasserleitung fließt, gelangt aber nur etwa zur Hälfte ins Nürnberger Netz. Mit angeschlossen sind auch verschiedene kleinere Versorger entlang der Strecke sowie Erlangen. "Bei den Niederschlägen ist Bayern deutlich in zwei Hälften geteilt", erläutert Bergold, "im Süden steht bisher mehr als genügend Wasser zur Verfügung, ein Rückgang ist nicht zu erkennen". Deshalb sei auch nicht zu erwarten, dass die WFW-Partner in absehbarer Zeit ein zusätzliches Erschließungsgebiet "anzapfen" müssten. Gesichert hat es sich der Zweckverband bereits, es ist auch als Schutzgebiet ausgewiesen. Ein Entnahmerecht aber gibt es noch nicht.

Die Nürnberger Wasserversorgung ruht auf drei Säulen: Aus den Quellen von Ranna ließ sich im vergangenen Jahr noch 42 Prozent des Bedarfs decken – Tendenz fallend. Dabei konnte die N-Ergie dort durch den Bau einer Aufbereitungsanlage eine zuvor schon aufgegebene Quelle wieder nutzbar machen. Gut ein Fünftel des Verbrauchs werden aus den Schutzgebieten und Pumpanlagen östlich von Nürnberg gewonnen. Die übrigen 37 Prozent bezog die N-Ergie 2018 über die Fernwasserleitung – Tendenz steigend.

Noch vor 50 Jahren lag der Wasserverbrauch mit jährlich fast 50 Millionen Kubikmetern deutlich höher als heute. Intensive Sparbemühungen ließen den Gesamtverbrauch bis 2010 auf rund 32 Millionen Kubikmeter sinken. Seither treibt vor allem das Bevölkerungswachstum den Gesamtverbrauch wieder nach oben.

Anders als bei Strom oder Gas versorgt die N-Ergie in Nürnberg sowie in Schwaig über das rund 1400 Kilometer lange Netz und 40000 Hausanschlüsse sämtliche Abnehmer mit Wasser. Sicherheit in Bezug auf Qualität wie Verlässlichkeit hat höchste Priorität. Dabei darf die N-Ergie nur ihren tatsächlichen Aufwand in Rechnung stellen. Im Rahmen sogenannter "Bürgerdialog"-Veranstaltungen stellt die N-Ergie gelegentlich auch die Wasserversorgung vor; für 2020 sind bisher allerdings noch keine Termine vorgesehen.

woh VON WOLFGANG HEILIG-ACHNECK

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