Samstag, 28.11.2020

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Königstein: Amtsübergabe läuft schon seit Längerem

Der neue Königsteiner Bürgermeister Bernhard Köller legt Wert auf einen fließenden Übergang und nimm - 03.04.2020 08:55 Uhr

Bernhard Köller ist ab 1. Mai der Bürgermeister in Königstein. Die Marktgemeinde hat damit erstmals einen Rathauschef der Freien Wähler.

30.04.2020 © Foto: Brigitte Grüner


Für die Freien Wähler (FW) Königstein war die Kommunalwahl am 15. März ein Erfolg auf der ganzen Linie. Im Gemeinderat, in dem CSU und FW bis Ende April mit je sechs Mitgliedern vertreten waren, stellen die Freien Wähler künftig sieben Markträte und zusätzlich den Bürgermeister. Erstmals in der Geschichte des Marktes nach 1945 gibt es keinen CSU-Rathauschef mehr. Die Freude bei den Freien Wählern war entsprechend groß. Inzwischen ist die Begeisterung der Vorfreude und der Vorbereitung für die Amtsübernahme gewichen. NN-Fragen für den neuen Bürgermeister Bernhard Köller.

 

Herr Köller, was mussten Sie seit dem Wahlsieg organisieren?

Köller: Absolute Priorität hatte die Marktwerke GmbH. In Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung musste gewährleistet werden, dass die Wärmelieferung nach dem 1. Mai 2020 lückenlos weitergeht. Zudem waren viele Gespräche mit der Verwaltung und der Fraktion im Hinblick auf die konstituierende Sitzung notwendig.

Wie werden Sie Beruf und ehrenamtlichen Bürgermeister künftig unter einen Hut bringen?

Köller: Das wird mit Sicherheit nicht leicht. Jedoch bin ich als Gerichtsvollzieher in der glücklichen Lage, meinen Geschäftsbetrieb größtenteils selbst organisieren zu können. Mit einer Reduzierung der Arbeitszeit beim Amtsgericht Hersbruck ist dieser Spagat meines Erachtens machbar. Zudem werde ich versuchen, einige Aufgaben zu delegieren.

Wie wird sich das Leben in der Familie ändern?

Köller: Das Leben innerhalb der Familie wird sich hoffentlich nicht verändern. Bewusst bin ich mir jedoch, dass sich die freien Zeiten, die ich mit meinen Söhnen und meiner Frau verbringen kann, erheblich reduzieren werden. Unbekannt ist die neue Situation, vor allem für meine Frau, aber nicht. Ihr Vater war zwölf Jahre in ihrer Heimatgemeinde Bürgermeister. Glücklich wäre ich jedoch, wenn ich in meiner Freizeit ich selbst bleiben kann, und nicht auf mein Amt reduziert werden würde.

Die Corona-Pandemie wird vermutlich die erste Phase Ihrer Amtszeit beherrschen. Was bedeutet das für Sie?

Köller: Die Umstände sind derzeit — im Gegensatz zu sehr vielen Wirtschaftsbetrieben, die katastrophale Umsatzeinbußen erleiden — "nur" sehr hinderlich. Nahezu alle Tätigkeiten werden durch die Pandemie behindert oder gestoppt. Auch im kürzlich beschlossenen Haushalt der Gemeinde sind die ersten Auswirkungen erkennbar. Über die wirtschaftlichen, finanziellen und menschlichen Folgen kann ich nur spekulieren.

Werden Sie Kurse oder Seminare besuchen, in denen Verwaltungswissen vermittelt wird?

Köller: Es gibt eine Fülle von Seminaren für neu gewählte Kommunalpolitiker und Bürgermeister. Da klar war, dass ein neuer Bürgermeister die Amtsgeschäfte übernehmen wird, hatte die Verwaltung bereits mehrere Seminare für den neuen Amtsinhaber gebucht. Diese sind aus den bekannten Umständen leider nicht durchgeführt worden. Geplant habe ich, diese Seminare nachzuholen, wenn die Beschränkungen gelockert wurden.

Haben Sie für das Bürgermeisterbüro mit Hans Koch eine Übergabe vereinbart? Oder kommt er die ersten Wochen noch "flankierend"?

Köller: Die "Übergabe" ist bereits seit Längerem im Gange. Hans Koch hat mich bereits in den letzten Wochen zu allen wichtigen Entscheidungen und Meetings eingeladen mitzuwirken. Auch hat er angekündigt, mich nach Amtsübernahme mit Rat und Tat zu unterstützen. Darüber bin ich mehr als dankbar.

Haben Sie schon Favoriten für Ihren Zweiten und Dritten Bürgermeister?

Köller: Favoriten ja. Ob das Gremium in der konstituierenden Sitzung meinen Vorschlägen folgt, wird sich dort herausstellen. Namen möchte ich daher noch nicht nennen.

Was werden Sie in den ersten Wochen im neuen Amt zuerst anpacken, welche Projekte haben für Sie Vorrang?

Köller: Vorrang haben die bereits laufenden und anlaufenden Projekte wie der Ausbau der Stadelreihe und die Umsetzung der Baugebiete in Königstein und Kürmreuth. Mit den Folgen der Pandemie stellt sich für mich aber bereits jetzt die Frage, ob es sinnvoll ist, das Baugebiet in Königstein — geplant sind 49 Parzellen — in vollem Umfang auf einmal umzusetzen. Die Krise wird womöglich einige bisher Bauwillige davon abhalten, eine derart große Investition zu tätigen, ohne zu wissen, ob ihr Arbeitsplatz in Gefahr ist. Weiter sind die Pflichtaufgaben im Hinblick auf Wasser und Abwasser und die damit verbundenen und geplanten Investitionen von hoher Priorität.

Welche Ziele wollen Sie in den nächsten sechs Jahren erreichen?

Köller: Ziele und Wünsche gibt es zuhauf! Zuerst ist es aber mein Ansinnen, die Pflichtaufgaben der Gemeinde ordentlich zu erfüllen. Auch möchte ich, dass durch Transparenz und Offenheit die Bürger bei Entscheidungen informiert und auch mitgenommen werden.

Die Marktgemeinde schwimmt nicht gerade im Geld. Erschwert das die Arbeit?

Köller: Die Frage beantwortet sich meines Erachtens von selbst. Alle Ausgaben müssen im Hinblick auf die finanzielle Lage akribisch hinterfragt und durchleuchtet werden. Würde die Gemeinde im Geld schwimmen, könnten wir alle Wünsche erfüllen. Es würde neue Straßen, mehrere Radwege, ein neues Feuerwehrhaus, einen neuen Bauhof, Gemeinschaftshäuser und so weiter vom Himmel regnen. Leider eine Illusion! Aber ich bin mir sicher, dass wir trotz der angespannten finanziellen Situation Königstein und seine Gemeindeteile als lebens- und liebenswert gestalten können.

Ihre Fraktion hat im Gemeinderat die Mehrheit. Bedeutet das, dass Sie alle FW-Vorschläge ohne lange Diskussion "durchboxen" werden?

Köller: Nach außen hin mag sich dieser Eindruck vielleicht aufdrängen; dies ist aber nicht so. Die letzten sechs Jahre haben sich zu meiner Freude anders gestaltet. Unsere Fraktionsmitglieder waren keine "Herdentiere", die der Auffassung eines Einzelnen folgten. Jeder hat seine Aufgabe sehr ernst genommen und sich seine eigene Meinung zu den jeweiligen Punkten gebildet und diese auch im Gremium vertreten. Ich hoffe, und da bin ich mir sicher, dass sich dies im Interesse der Gemeinde nicht ändern wird! Glücklicherweise kennen die Freien Wähler Königstein keinen Fraktionszwang. Weiter waren wir auch für die konstruktiven, bezahlbaren und sinnvollen Anträge außerhalb unserer Fraktion sehr aufgeschlossen und haben diese auch unterstützt.

INTERV.: BRIGITTE GRÜNER

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