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Kosbrunn: 20-Jähriger Landwirt hat Leidenschaft zum Beruf gemacht

Der frischgebackene Landwirt Michael Brütting schloss seine Ausbildung als Prüfungsbester mit der Note 1,54 ab. - 15.08.2020 17:55 Uhr

„Ist die Ware trocken - oder muss noch gewartet werden?“ Michael Brütting prüft bei jedem Feld die Feuchtigkeit des Korns. Der junge Mann aus Kosbrunn hat als bester Landwirtschafts-Azubi in Oberfranken-Ost die Prüfung mit 1,54 abgeschlossen.

14.08.2020 © Foto: Rosi Thiem


Michael Brütting steckt mit seiner Familie voll in der Ernte. Nach und nach werden Raps, Backweizen, Futterhafer und andere Feldfrüchte abgeerntet.

14.08.2020


– Michael Brütting steckt mit seiner Familie voll in der Ernte. Nach und nach werden Raps, Backweizen, Futterhafer und andere Feldfrüchte abgeerntet. Vor Kurzem hat er als bester Landwirtschafts-Azubi in Oberfranken-Ost die Prüfung mit 1,54 abgeschlossen. Nun ist er offiziell Landwirt und erleichtert: "Die Abschlussprüfung bestand aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Im praktischen Teil wurden Aufgaben zu Pflanzen- und Tierproduktion geprüft. Am Prüfungstag kam ein Team aus drei Prüfern auf den elterlichen Ausbildungsbetrieb, und ich musste eine Rationsberechnung für Rinder mit anschließender Bereitstellung der Ration und im pflanzlichen Teil eine Pflanzenschutzmaßnahme durchführen." Am Ende der Prüfungen folgten mündliche Fragen.

Ausbildung um ein Jahr verkürzt

Normalerweise dauert die Ausbildung drei Jahre, doch Brütting konnte sie aufgrund seines Abiturs verkürzen. "Die Ausbildung fand im ersten praktischen Jahr auf dem Betrieb Heinlein in Sachsendorf statt. Das zweite Jahr erfolgte auf dem elterlichen Hof. "Insgesamt absolvierten mit mir zwölf Auszubildende die Gesellenprüfung in Bayreuth", erzählt der 20-Jährige, als er gerade auf dem Feld den Backweizen auf seinen Feuchtigkeitsgehalt prüft.

Es ist spürbar, dass ihm der Feldbau Freude bereitet. "Man macht sich schon während der aktuellen Ernte Gedanken über die nächste Saison, welche Kulturen man anbauen will und welche Sortenauswahl getroffen wird."

Außerdem müsse geschaut werden, auf welche Bedingungen man reagieren muss, wie man Klima-, Natur- und Insektenschutz bestmöglich integrieren kann. "Hierbei achten wir auf weite Fruchtfolgen und den Einsatz von Zwischenfrüchten, um das Bodenleben und den Humusaufbau zu verbessern. Dadurch speichern wir Kohlendioxid und erhalten den Boden für die nächsten Generationen."

Michael Brütting will den elterlichen Betrieb mit 100 Milchkühen plus Nachzucht in Kosbrunn übernehmen. Er ist dankbar, dass seine Eltern ihn auf dem Weg begleiten. "Ich habe das große Glück, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Die Landwirtschaft bietet so viele schöne Seiten, bei denen man Herausforderungen wie lange Arbeitszeiten, harte Arbeit und Bürokratie vergessen kann. Hierzu zählt er die glücklichen Tiere auf der Weide und im Stall, die Kontrolle der Bestände oder die ein oder andere "Schmuseeinheit" mit den Kühen und Schafen.

"Aufgrund der sinkenden Akzeptanz in der Bevölkerung sowie der Falschmeldungen und dem Hass von NGOs rückt die Öffentlichkeitsarbeit und das Verteidigen der ausgezeichneten Arbeiten unserer Landwirte immer mehr in den Vordergrund", stellt der junge Landwirt klar. Sein Tag beginnt in der Regel um 5.30 Uhr mit dem Melken. "Dabei wechseln wir uns in der Familie ab. Je nach Jahreszeit zeichnen verschiedene Aufgaben den Arbeitsalltag. "Die Arbeit und das Wetter bestimmen das Ende des Tages", verrät er. Mein Motto ist 70 Stunden sind Arbeitszeit, der Rest ist Leidenschaft", gesteht er schmunzelnd. Wie beginnt sein Tag? "Mit einem guten Kaffee in der Hand und Sonnenaufgang um 5 Uhr früh über den Hof zum Melken gehen."

Er rät interessierten jungen Leuten – auch die keinen eigenen Betrieb haben – den Beruf zu erlernen: "Viele landwirtschaftliche Betriebe suchen Fachkräfte, die ihren Beruf mit Eigenverantwortung ausführen können, ebenso gibt es im vor- oder nachgelagerten Bereich eine Fülle an Arbeitsplätzen in der Forschung, Verarbeitung, Vertrieb und Technik. "Man kann hochwertigste Lebensmittel, die jeder Mensch jeden Tag benötigt, produzieren und dabei einen aktiven Beitrag zu Klima- Umwelt, und Naturschutz leisten", ist er überzeugt.

"Ja, der Beruf Landwirt ist ein absoluter Zukunftsberuf, der von allerhöchster Bedeutung ist, da in keinem anderen Land so hochwertige und qualitativ ausgezeichnete Lebensmittel produziert werden. Ich hoffe, dass diese Leistungen auch in der Bevölkerung ankommen und wertgeschätzt werden, denn ansonsten wird es immer schwieriger für die Betriebe zu Überleben."

Viele Konsumenten hätten ein falsches Bild von der Landwirtschaft bekommen. Ihnen werde ein Friede-Freude-Mischbetrieb mit fünf Kühen und drei Schweinen vorgegaukelt. "Die Realität sieht leider anders aus. Ein Bauernhof ist ein wirtschaftender Betrieb, der von dem Leben muss, was er produziert. Dies hat sich durch den Strukturwandel und das Höfesterben zu immer größer werdenden Einheiten verändert. Dies geht nicht von den Landwirten aus, sondern wird von Politik und Handel weitergetrieben, um möglichst günstige Lebensmittel zu produzieren", sagt Brütting.

Die Flächen werden auf dem Hof konventionell bewirtschaftet, doch er sagt: "Wir wollen uns nicht auf ein System festlegen, sondern die Vorteile aus beiden Systemen nutzen, um bestmögliche Erträge zu erzielen." Der Klimawandel und die mit ihm verbundenen Wetterextreme machen das Planen in Zukunft immer schwieriger. "Aber wir Landwirte haben unsere Verpflichtung zum Klimaschutz schon lange wahrgenommen und leisten diesen auf unseren Flächen aktiv, ebenso werden wir Wege finden mit den Konsequenzen umzugehen."

Fachwissen wird erweitert

Die Verschwendung von Lebensmittel missbilligt er: "Es ist leider traurig zu sehen, wie mit solchen hochwertigen Produkten umgegangen wird. Das Problem beginnt schon beim Preis. Discounter drücken ihn, um damit zu werben und Menschen in die Läden zu bringen. Dadurch nehmen sie unseren Produkten jede Hochwertigkeit, denn was billig verramscht wird, wird auch vom Kunden nicht anders behandelt. Etwas Teureres würde mehr wertgeschätzt und gewissenhafter behandelt."

Michael Brütting strebt als nächstes den Techniker für Agrarwirtschaft in Triesdorf an. "In der Landwirtschaft ist Fachwissen essenziell für den Erfolg und das nachhaltige Wirtschaften." Er hätte durch seinen Schulabschluss auch sofort studieren können. "Allerdings wollte ich aber zuvor praktische Berufserfahrung sammeln", verrät er und ist flugs mit seinem Erntewagen Richtung Getreidelager verschwunden.

 

ROSI THIEM

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