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Kritik am Zuschusswesen des Bayreuther Landkreises

Pottensteins Bürgermeister kündigt höheren Fremdenverkehrsbeitrag an - 20.03.2016 10:12 Uhr

Das Felsenbad bei Pottenstein ist einer der Pluspunkte des Felsenstädtchens beim Werben um Touristen. Vielen Vermietern geht es aber um erweiterte Öffnungszeiten der anderen Attraktionen in der Nebensaison. © Moritz Kircher


Überraschend deutliche Worte fand das Stadtoberhaupt bei der Vermieterversammlung mit rund 40 Teilnehmern aus ganz Pottenstein in Mandlau. Zunächst gab jedoch der Leiter der Pottensteiner Tourist-Information, Thomas Bernard, einen Überblick über das Jahr 2015 und auf die nächsten Vorhaben.

Laut Bernard hat sich der Tourismus in Pottenstein dynamisch entwickelt und die Gesamtergebnisse im Jahr 2015 verzeichnen eine positive Tendenz zum Vorjahr 2014. So wurden — allerdings inklusive der Campingplätze — über 69 000 Gäste gezählt, die es auf rund 284 000 Übernachtungen brachten. Ein Rekord im Rückblick bis zum Jahr 1991.

Die Auslastung der 1516 Gästebetten lag in Pottenstein bei rund 37 Prozent, etwa vier Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt der Fränkischen Schweiz. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag demnach bei 3,6 Tagen pro Gast. Zweidrittel des Jahres stehen die Gästebetten jedoch leer, was laut Bernard auch kaum zu ändern sein wird.

Leben in der ruhigen Zeit

„Wenn wir in der ruhigen Zeit auch Gäste hier haben wollen, dann müssen wir dafür auch ein klein wenig tun“, so Bernard. Doch auch in dieser Zeit sei ein Mindestmaß an Freizeiteinrichtungen, wie Bäder, Museen oder zum Beispiel der Wildpark Hundshaupten, geöffnet. Auch die Teufelshöhle habe in dieser Zeit sonntags offen, was nach Bernards Meinung vielleicht etwas zu wenig ist. Die Klage, nichts sei geöffnet, treffe also nicht zu. Die Vermieter müssten den Gast informieren, was er in der ruhigen Zeit alles unternehmen kann.

Gut angenommen werde inzwischen auch der Aussichtsturm „Himmelsleiter“, der aus Sicherheitsgründen im Winter jedoch gesperrt ist. Auch die Landesgartenschau in Bayreuth wird die Pottensteiner Vermieter in diesem Jahr betreffen, gibt es doch mit dem Tüchersfelder Fränkische-Schweiz-Museum und dem Felsendorf selbst sowie dem Felsengarten Klumpertal zwei regionale Außenstellen der Landesgartenschau auf Pottensteiner Gemeindegebiet.

Das Klumpertal müsste besser bekanntgemacht werden. Allerdings mit der Botschaft, dieses reizvolle Tal als sensiblen Landschaftsteil zu bewerten und zu besuchen, so Bernard. Bei Regenthal soll die Pottensteiner Erlebnismeile heuer um Fußballgolf erweitert werden. Zudem plane die Firma Wiegand zwei neue Abfahrten der Sommerrodelbahn, einen Rutschenturm und einen Waldwipfelpfad sowie einen neuen Parkplatz am Langen Berg mit Einstieg zu den Neuheiten und zur Sommerrodelbahn.

Was auch kommen wird, ist die Natur- und Umweltschule in der ehemaligen Schule von Kirchenbirkig, für die es bis zu 75 Prozent Zuschuss geben wird, setzte Bürgermeister Stefan Frühbeißer (CWU/UWV) die Liste fort. Beim Thema Radwege hinke man jedoch hinterher. So hat die Entdeckung der Windelschnecke den Radwegebau in Richtung Tüchersfeld gestoppt. Daher musste das Staatliche Bauamt seine Planung umschmeißen. Frühbeißer geht davon aus, dass der Radweg spätestens nächstes Jahr angegangen werden kann.

In Sachen Höhlenkur sei die Tür zur Anerkennung der Teufelshöhle als Heilstollenkurbetrieb offen, nachdem das Heilbädergesetz geändert wurde. Allerdings steht noch nicht fest, welche Kriterien zur Anerkennung der Teufelshöhlenkuren für die Krankenkassen erfüllt sein müssen.

Frühbeißer kündigte dann die Anpassung des Fremdenverkehrsbeitrags an. Dieser liege seit 1971 bei lediglich zwei Prozent, was in Bayern mit Abstand auf dem niedrigsten Level sei. Waischenfeld erhebe zum Beispiel bereits fünf Prozent, andernorts in Bayern liege man sogar bei neun Prozent.

Daher müsse der Fremdenverkehrsbeitrag auch in Pottenstein stufenweise angepasst werden, und zwar bis 2018 auf vier Prozent, was noch immer bayernweit an der untersten Grenze sei. Denn Tourismus sei eine freiwillige Leistung und koste die Stadt jährlich 150 000 bis 200 000 Euro, so Frühbeißer.

Blick auf die Flächen

Benachteiligt sieht Frühbeißer die Fränkische Schweiz im Vergleich zum Fichtelgebirge bei den Tourismuszuschüssen des Landkreises. So bekomme der Gebietsausschuss Fränkische Schweiz jährlich 50 000 Euro weniger als der des Fichtelgebirges. Und: Der Naturpark Fichtelgebirge bekomme doppelt so viele Zuschüsse wie der doppelt so große Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst.

Mit diesem Vergleich werde keine Neiddebatte angezettelt, betonte Frühbeißer mit Blick auf die Finanzlage der Stadt. So betrage die Schlüsselzuweisung des Freistaats inzwischen weniger als eine Million Euro, die Kreisumlage aber mehr als zwei Millionen Euro: „Früher hatten wir von der Schlüsselzuweisung noch was übrig, heute müssen wir über eine Million mehr an den Landkreis abführen, als wir bekommen.“

In Sachen Tourismus wolle sich Pottenstein noch professioneller aufstellen, da dies der wichtigste Wirtschaftszweig der Kommune sei. Ganz wichtig ist für Frühbeißer der Breitbandausbau mit Glasfaser bis in jedes Haus. Pottenstein sei die erste Gemeinde in Bayern, die sich für das Bundesprogramm beworben habe. Der Vorteil ist, dass die Stadt Besitzer des Glasfasernetzes ist und dieses an einen Telefonanbieter vermieten kann.

In knapp 20 Jahren wäre die Investition von rund sieben Millionen Euro abbezahlt und man könnte dann mit den Einnahmen in den weiteren Ausbau investieren. Frühbeißer ist guter Hoffnung, dass Pottenstein bei diesem Bundesprogramm zum Zuge kommt und der komplette Breitbandausbau bis 2019 im gesamten Gemeindegebiet mit 50 Megabit je Sekunde in fast jedes Haus abgeschlossen ist.  

THOMAS WEICHERT

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