Bundestagswahl

Kritiker der Corona-Politik geht für neue Kleinstpartei in den Wahlkampf

9.9.2021, 06:00 Uhr
Markus Engel vor der Waldhütte mit seinem Lieblingsgetränk Wasserkefir. Das ist ein selbst gemachter probiotischer Drink aus Geleekügelchen, den er gerne mit Weißbier mischt.

Markus Engel vor der Waldhütte mit seinem Lieblingsgetränk Wasserkefir. Das ist ein selbst gemachter probiotischer Drink aus Geleekügelchen, den er gerne mit Weißbier mischt. © Foto: Andreas Harbach

Im Juli 2020 wurde die Partei "Die Basis" gegründet, die aktuell bundesweit 30  000 Mitglieder hat. Markus Engel trat im November 2020 bei – als einer der ersten der Region Bayreuth. Zehn Monate später hat der Kreisverband 70 Mitglieder.

Hauptgrund für viele: Sie üben scharfe Kritik an der Corona-Politik. "Regelungen werden in der undemokratischen Vereinigung des Ministerrats beschlossen", sagt Engel. Und wenn der Bundestag tagt, zeige das Abstimmungsverhalten starke Parteizwänge, erklärt er weiter.

Dabei blättert er in seinem Ordner, in dem er Artikel und Studien zu Corona und zum politischen Umgang mit der Krankheit sammelt. Eine seiner Grafiken zeigt, dass die Fraktionen in Corona-Fragen oft geschlossener abstimmen als in anderen Themenfeldern.

"Bei Corona zählen nicht mehr sachlich recherchierte Fakten, sondern wird mit der Angst Politik gemacht", findet Engel. "Oft gehen Leute zwei Meter zurück, wenn sie auf Ungeimpfte treffen." Diese Angst beruhe aber nicht auf medizinischen Tatsachen. 99,5 Prozent der Menschen seien schließlich gesund, überlebend, genesen. "Wenn das stärker herausgestellt würde, wäre vieles anders", sagt Engel. "Aber es wird ja aus Angst Politik gemacht."

Als Kind lebte Markus Engel in Saarbrücken und Berlin. Durch die Scheidung der Eltern wurde aus ihm "ein reingschlaafter Franke". Er lebte in Kulmbach, Pegnitz, Bayreuth. Jetzt in Eckersdorf. "Mitten im Naherholungsgebiet, denn das ist Oberfranken", sagt Engel begeistert.

Er liebt die Natur, genießt die Ruhe, sitzt deshalb oft dort, wo er mit der Presse spricht. Im Biergarten der Waldhütte, dem Zentrum des Waldgebietes zwischen Eckersdorf und Heinersreuth. Es ist ein guter Ausgleich zu seinem Beruf als Maschinenbautechniker. Für den Wahlkampf nahm er unbezahlten Urlaub.

Warum? "Es muss wieder ein Ruck durch die Gesellschaft gehen", sagt Engel in Anlehnung an die Ruck-Rede von Ex-Bundespräsident Roman Herzog 1997. "Unsere Demokratie muss demokratisiert werden." Die Basis will: mehr direkte Demokratie und Bürgerforen.

Nicht nur in Corona-Fragen, betont Engel. Auch die Energiepolitik sei so ein Beispiel. Durch eine öffentliche Diskussion könnte Fachwissen durch Schwarmintelligenz generiert werden. "Man kann auch zu Entscheidungen kommen, wenn man die Meinungen des Widerstands mit aufnimmt."

Genau dabei sieht Engel eine seiner persönlichen Stärken: die Kommunikation mit extrem entfernten Positionen. "Wenn ich einem Menschen Respekt zolle und ihn anhöre, ist viel Gewalt vermieden." Engel vertrete auch innerparteilich oft eine Gegenposition. Warum? "Sonst denken wir uns die Welt und gehen an der Realität vorbei."

Eine lange Zeit seines Lebens hatte der Kandidat eine psychologische Beratung. "Ich dachte, ich muss ans Individuum ran, wenn ich etwas verändern will." Nun aber sei gesellschaftlich so viel im Argen, "dass man an die strukturellen Probleme ran muss." Dabei denkt der Kandidat der Partei Die Basis, die ihren Namen bewusst zusammenschreibt, nicht nur an Corona. "Es gibt so viele Widersprüche."

Wunsch nach Patenschaften

Auch zur Flüchtlingspolitik hat er eine Meinung. "Wir brauchen die Aufnahme über Patenschaften. Jeder kann nur so viel, wie er wirklich kann." Die deutsche Wirtschaftspolitik werde mehr und mehr von globalen Interessen fremdbestimmt, findet der Kandidat. Bei Rüstungsexporten liege das Land an dritter Stelle, kritisiert er. "Das ist doch keine Friedenspolitik." Und in Afghanistan hätte sich Deutschland gar nicht einmischen sollen.

Engel will zeigen, dass "Die Basis" mehr sei als eine Partei der Corona-Gegner. Und damit weiter denke als die Querdenker-Bewegung. "Ich finde die Demonstrationen, die sie auf die Straße bringen, gut." Es gebe inhaltlich viele Überschneidungen. Quer denken sei sprachlich auch nicht negativ konnotiert, erinnert er. "Unser politisches Feld ist aber weiter."

"Impfpropaganda" kritisiert

Hauptziel von Engel und seinen Parteikollegen ist und bleibt aber eine Umkehrung der Corona-Politik. Hätte "Die Basis" nach der Wahl in Berlin etwas zu sagen, "würden wir die epidemische Notlage nationaler Tragweite sofort beenden." Und damit auch die Spaltung der Gesellschaft durch die "Impfpropaganda der Regierung".

Am meisten kritisiert "Die Basis", dass kein Ende der Einschränkungen in Sicht sei. "Man müsste auch sagen, dass es für den Menschen gesundheitlich schwierig ist, immer auf Abstand zu gehen." Statt dieser Ehrlichkeit gebe es Druck auf Ungeimpfte. "Es fehlt eine freie Impfentscheidung, und es fehlt Aufklärung.

Engel ist überzeugt: "Die Impfung ist nicht ungefährlich." Wenn jetzt Kinder geimpft werden sollen, "gehe ich auf die Barrikaden". Die Dunkelziffer der Menschen mit Nebenwirkungen sei viel höher als bekannt.

Zahlen hat er dafür nicht, aber Argumente. "Impfschäden müssen beim Paul-Ehrlich-Institut aktiv gemeldet werden. Das macht doch kaum einer – gerade nicht auf Sterbestationen." Laut Engel verweigere sich die Gesellschaft der Ehrlichkeit.

Die Corona-Krise sei dafür nur ein Beispiel. "Für mich ist nur glaubwürdig, wer sich für Dialog einsetzt. Wir müssen in allen Feldern wieder mehr die Bürger integrieren." Dafür will sich Markus Engel in der Zukunft einsetzen. Unabhängig vom Wahlausgang, für den er überhaupt keine Prognose hat. Ich mache auch weiter, wenn wir zwei oder drei Prozent kriegen. Und bei 20 bin auch zufrieden."

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