Kühlenfelser Blumenfeen zauberten erstmals Altarteppich

26.5.2021, 06:00 Uhr
Junge Helferinnen: (v. li.) Annika Bager, Hannah Bager, Milena Bothe, Mila Ulbrich, Sophie Hanisch und Sanja Pischel gestalteten heuer den einzigen Altar, der jetzt am Parkplatz zur Filialkirche aufgebaut wurde. Im Vorjahr gab es wegen Corona keinen Altar.

Junge Helferinnen: (v. li.) Annika Bager, Hannah Bager, Milena Bothe, Mila Ulbrich, Sophie Hanisch und Sanja Pischel gestalteten heuer den einzigen Altar, der jetzt am Parkplatz zur Filialkirche aufgebaut wurde. Im Vorjahr gab es wegen Corona keinen Altar. © Foto: Rosi Thiem

"Den Zirkel haben wir aus einem Stock und einer Schnur gebastelt", erzählte Mila Ulbrich (12). "Wir brauchten einen großen Kreis, denn der Kelch sollte rund werden." Unterdessen wurde schon fleißig weitergeplant. Das Motiv stand fest. "Bereits im Vorfeld suchten wir nach Ideen im Internet und stellten ein Bild zusammen", erklärte die 15-jährige Sophie Hanisch. Ein Kreis mit Kelch und Hostie sollte es sein.

35 große, mittlere und kleine Behälter aus Eimern und Pappschachteln standen – gefüllt mit Blüten – schon griffbereit. Die geeigneten Blumen zu finden war heuer etwas schwierig. Denn viele Blumen, wie die Pfingstrosen, waren wegen der Kälte noch geschlossen. "Wir haben etwas am Strauch von der Oma abgezwickt", zeigte Hannah Bager auf die kupferbraunen Blätter, die eine interessante Färbung vorwiesen.

35 verschiedene Behälter in allen Größen fassten die gesammelten Blumenköpfe, strikt getrennt nach Farben und Arten.

35 verschiedene Behälter in allen Größen fassten die gesammelten Blumenköpfe, strikt getrennt nach Farben und Arten. © Foto: Rosi Thiem

Gerade lieferte der ebenfalls 15-jährige Noah Bager, der Zwillingsbruder von Hannah, frisches Gras als willkommene Unterlage für den Blumenteppich. "Da bin ich heute beizeiten aufgestanden und habe Rasen gemäht. "Das Mähen mache ich ja sonst auch", winkte er gutgelaunt ab.

"Heuer hat wirklich wenig geblüht", bemerkte Hannah. "Da haben uns die Ortsbewohner dankenswerterweise beim Grabschmuckwechseln und aus den Gärten einiges gespendet, das wir dann mit der Schubkarre abholten."

Allein vier Stunden zupften die Mädchen am Vortag liebevoll die Blüten ab und trennten diese fein säuberlich. Dreimal im Vorfeld trafen sich die eifrigen Blumenfeen und gründeten eine WhatsApp-Gruppe. "Wir haben ja in den Ferien nichts zu tun", sagte Sanja Pischel (15).

Sie legte geschickt die blauen Veilchenköpfe als Fischsymbol über das frische Gras. "Ich bin heute um 4.30 Uhr aufgestanden, aber das ist ja nicht so schlimm. Ich bin sowieso Frühaufsteher", lachte sie vergnügt.

Dem stimmte auch die Freundin Milena Bothe (15) zu: "Wenn schon mal im Dorf was ist und man gefragt wird – dann kann man auch mal mitmachen. Es macht ja auch Spaß."

Die Neuntklässlerin hatte sich gerade eine Handvoll Flieder geholt, den sie – farblich passend – kunstvoll in den bereits als Kelch erkenntlichen Rahmen legte. Der Eifer der sechs war spürbar. Gerade schob sich die Morgensonne gemütlich aus den Wolken, aber es war kalt – zu kalt für den Mai. "Es ist nur an den Händen kalt", beschwichtigte die Jüngste, Annika Bager, und winkte ab.

"Blumenlegen macht einfach Spaß", stellte die Elfjährige fest. Filigran reihte sie Blüte für Blüte aneinander. Annika war ganz bei der Sache. Künstlerisch malten die schaffenslustigen Mädchen aus ihren Blüten einen duftenden Teppich. Dieser reichte vom Altar auf der Bühne und führte elegant bis zum Prozessionsaltar an der Seite. Ruck, zuck war es 8 Uhr. Die Blumenfeen waren zufrieden. "Wir kommen alle zusammen um 9 Uhr wieder", waren sie sich einig. Um 9 Uhr hielt Pfarrvikar Dominik Urban den feierlichen Freiluftgottesdienst zum Flurumgang. Auch "Pfingstprozession" liebevoll von den Einheimischen genannt.

"Die Mädels waren im Vorfeld schon überzeugt: Wir kriegen das hin", freute sich Maria Dreßel, die das Projekt begleitete. Da war dann noch die Sorge um das unbeständige Wetter. Aber da wiegelte Maria Dreßel ab: "Ich kann mich an so gut wie keinen Pfingstmontag erinnern, an dem der Flurumgang wegen schlechten Wetters abgesagt wurde", wiegelte sie ab.

"Ja, die Jugend ist eigentlich für alles offen", sagte die Stadträtin und Jugendbeauftragte weiter. "Es ist unser ältestes Fest im Dorf. Am 20. Mai 1772, an einem Pfingstmontag wie heute, war der erste Flurumgang. Im Normalfall sind es vier Altäre, die geschmückt werden." Wegen der Pandemie konnten der diesjährige und schon der letztjährige Flurumgang am Pfingstmontag in Kühlenfels "leider nicht stattfinden".

"Da kam uns die Idee, einen Altar unmittelbar an der Kirche aufzubauen, um den Gottesdienstbesuchern zumindest ein bisschen Pfingstmontag erleben zu lassen", erklärte sie. Die Mädels machten es möglich.

Dann erzählte die Stadträtin zur Vorgeschichte: "Da in jeder Pfarrei einmal im Jahr eine Flurprozession und eine Fronleichnamsprozession stattfinden soll, wurde schon vor sehr langer Zeit festgelegt, dass in Kirchenbirkig die Fronleichnamsprozession und in Kühlenfels die Flurprozession sein soll."

Älter als die Kirchweih

Die Pfarrei sei Kirchenbirkig und Kühlenfels eine Filialkirche. Der Ursprung dieses Festes reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. "Es war lange Zeit das alleinige Fest, das im Jahreskreis gefeiert wurde – noch lange vor der Kirchweih."

Im Jahre 1771 wurde vom Ordinariat Bamberg ein Interdikt über die Filialkirche ausgesprochen. Die Kirche musste verschlossen gehalten werden. "Im darauffolgenden Jahr war infolge des langanhaltenden Winters eine große Missernte zu befürchten. Auf inständiges Bitten wurde den Kühlenfelsern erlaubt, am zweiten Pfingstfeiertag einen Flurumgang abzuhalten. "Danach wurde die Fortdauer des Interdikts wiederum verkündet", erzählte Maria Dreßel aus der Geschichte. Im Jahre 1783 wandte sich die Gemeinde Waidach an den Fürstbischof, mit der Bitte, das Interdikt aufzuheben. 1795 wurde es dann endlich aufgehoben und an Weihnachten wieder Gottesdienst gehalten.

"Bei einer Flurprozession steht eigentlich immer nur ein Altar in der Flur, zu dem gewallfahrtet wird", schildert sie. "In Kühlenfels war das aber, soweit man sich erinnern kann, schon immer mit vier Altären gefeiert worden", frischte sie die Tradition auf. Dazu passte auch das jetzige, lobenswerte Engagement der Mädchen, mit denen Dreßel im Nachhinein ein Eis essen möchte.

"Ja, man sieht doch, welche Bedeutung dieses Fest für die Kühlenfelser und Waidacher über Jahrhunderte hinweg hatte und auch heute noch hat", erklärte sie abschließend. "Es ist unsere Aufgabe, den Jugendlichen immer wieder Impulse zu geben und die Bedeutung der Tradition und des Kulturgutes näher zu bringen. Dabei eben auch die Wichtigkeit zu unterstreichen, was das Leben in einem Dorf ausmacht.

"Ich bin auch überzeugt, dass dank unserer Jugend die Fest- und Feiertage in Kühlenfels und Waidach nicht so schnell an Bedeutung verlieren werden."

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