Donnerstag, 25.02.2021

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Kulturgenuss wird auch in diesem Jahr zur Wackelpartie

Heimische Veranstalter wie Kulturamt, Pegnitzer Brettl oder Sommerkonzerte planen trotz Corona viele Events. - 15.01.2021 14:43 Uhr

Viel Flexibilität brauchen Kultur-Veranstalter wie Jörg Fuhr (l.) beim Umgang mit Künstlern und Orchestern in Corona-Zeiten — hier der „Messias“ im Jahr 2019.

13.01.2021


Ihrem Optimismus nicht nehmen lässt sich die Pegnitzer Kulturamts-Leiterin und VHS-Chefin Andrea Giesbert. Sie lässt just in diesen Tagen den Flyer mit acht Kulturveranstaltungen und ein üppiges, annähernd normales Kursprogramm der Pegnitzer Volkshochschule (VHS) für Frühjahr und Sommer drucken. Das Pegnitzer Bildungsheft soll noch diese Woche herauskommen.

"Andere Volkshochschulen wie Bayreuth starten erst nach den Osterferien mit den Kursen, wir wollen in der letzten Februarwoche nach den Faschingsferien — die ja nun ausfallen — beginnen."

Der Auftritt von Sebastian Reich mit seinem Nilpferd Amanda — hier beim Frankenfasching in Veitshöchheim — gehört zu den Nachholveranstaltungen des Pegnitzer Brettl im Sommer 2021.

13.01.2021 © Foto: Günter Distler/Archiv


"Ein paar Vorträge"

Zum Pegnitzer VHS-Programm soll wieder die übliche, beliebte Mischung aus Kursen zu Gesundheit, Sprachen, Kochen und EDV gehören. Dazu noch "ein paar Vorträge". Auf Highlights werden VHS-Besucher in diesem Sommerhalbjahr aber weitgehend verzichten müssen. Giesbert will "kein gekürztes Programm", sondern alle Fachbereiche angemessen repräsentieren.

Zwei Besonderheiten beleuchten anlässlich "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" das jüdische Leben in der Region: eine jüdische Stadtführung in Bayreuth und ein Frauen-Literatursalon.

Ziemlich zuversichtlich ist Giesbert, dass bald wieder der Einzelunterricht an der Musikschule gestartet werden kann. Vielleicht auch noch in etwas größeren Ensembles.

Nicht mehr viel Zeit bleibt Giesbert zufolge bis zum Auftakt des Kulturprogramms. "Das hat ja bereits im Herbst geklappt." Dann allerdings mit einer Corona-bedingt verringerten Zahl von maximal 25 Teilnehmern pro Kultur-Act im Altenstädter Schloss. "Je nach Anzahl der Paare können es bis zu 29 Besucher sein."

Zwar musste das sonst so beliebte Neujahrskonzert im Januar ausfallen. Es wurde im Dezember abgesagt. An der Gesamtzahl von acht Kultur-Events ändert das aber nichts.

Den Auftakt machen die in Pegnitz schon früher aufgetretenen "Klezmers Töchter" am 27. Februar. Weitere klingende Kleinodien sind das Ballhausorchester am 7. Mai (Titel: "Mein Hund beißt jede hübsche Frau ins Bein"), das Musikkabarett des Fränkischen Theatersommers am 11. Juni ("Ein Nashorn auf dem Trockenhorn") oder "Pariser Flair" bei einer musikalischen Stadt(ver)führung am 2. Oktober.

Nur eine Stunde

Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. "Wenn es bei der Ausgangssperre ab 21 Uhr bleibt, wird eben eine Stunde ohne Pause musiziert", gibt sich Giesbert trotz Corona-Einschränkungen gelassen.

Viel vor hat auch wieder der Kulturbeauftragte des Stadtrates und Brettl-Verantwortliche Karl Lothes. Für "Sixpack" im März 2021 werde es wahrscheinlich "noch zu früh sein", befürchtet der Kulturmanager. "Ich habe auch einige nachgeholte Veranstaltungen aus dem Vorjahr."

Die will der nimmermüde Lothes möglichst an vier oder fünf Terminen im Sommer unterbringen. Im Mai will er Sebastian Reich mit dessen Nilpferd Amanda auf die Kulturbühne hieven. Im Herbst soll der Kabarettist Günter Grünwald die Massen begeistern und am 26. November gastieren in der Gymnasium-Turnhalle wieder Herbert & Schnipsi mit "Best-of: Zeitreise mit Schlaglöchern." Insgesamt sollen es so "um die zehn Veranstaltungen in diesem Jahr werden.

Trotz des Corona-Damoklesschwertes hofft der evangelische Kirchenmusikdirektor Jörg Fuhr wieder auf acht Kultur-Veranstaltungen bei den Pegnitzer Sommerkonzerten. "Das hat im letzten Jahr ja auch geklappt." Wenn auch mit "kleineren Umbesetzungen". Die Verträge mit den Künstlern hätten jedenfalls nach wie vor Bestand. Unter Umständen müssten eben alle Konzertveranstaltungen in der großen Bartholomäuskirche stattfinden.

Noch nicht aufgegeben hat Fuhr die Hoffnung, dass 2021 wieder zwei Konzerte mit der Kantorei stattfinden können. Als Erstes kämen von Beethoven die C-Dur-Messe und Chorfantasie. "Da waren wir mit den Proben im Herbst fast fertig." Eine von ihm in diesen Lockdown-Tagen zusammengestellte Proben-CD für seine Chorsänger soll etwaige Proben zuhause sowie das Einhören in einzelne Stücke erleichtern.

Das musikalische Material soll den Sängern in den nächsten Tagen zugehen. Auch Hugo Distlers "Totentanz" steht noch auf der Agenda des Kirchenmusikers.

Falls sich der Lockdown und das Infektionsgeschehen noch länger hinzögen, hat Fuhr auch noch einen Plan B und Plan C in der Tasche. So sei auch denkbar, kleinere Instrumentalensembles, die für Gesangsbegleitung geeignet wären, notfalls solistisch beziehungsweise mit einem Solisten einzusetzen. Falls Chorgesang eben noch lange Zeit verboten bleiben sollte. Fuhr lässt aber keinen Zweifel daran: "Für die Motivation wäre das Singen schon schön."

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25 Jahre Waldstock: Großer Umzug durch die Pegnitzer Innenstadt

Das Waldstock-Festival findet an diesem Wochenende bereits zum 25. Mal auf der idyllischen Lichtung am Schlossberg statt. Zum Jubiläum zogen die Festival-Fans am Freitag durch die Pegnitzer Altstadt, vor dem Rathaus gab es eine kleine Kundgebung. Bei der entspannten Umsonst-und-Draußen-Veranstaltung treten insgesamt 13 Bands auf.


Die zahlenmäßig größte Veranstaltung im jährlichen Kulturbetrieb ist das Waldstock-Festival am Schloßberg. Der Vorsitzende des Waldstock-Vereins, Johann Badstieber, hofft, dass dieses beliebte Jugend-Event mit mehreren tausend Besuchern heuer, im zweiten Corona-Jahr, auch tatsächlich am zweiten Juli-Wochenende stattfinden kann. "Wir haben einfach das Programm vom Vorjahr übernommen", erklärte er auf NN-Anfrage.

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Rückblick: So war das Waldstock-Festival 2016 in Pegnitz

Rekordbesuch verzeichnete das Umsonst-und-Draußen-Festival auf dem Pegnitzer Schloßberg am Wochenende bei hervorragenden Wetterbedingungen. 13 Gruppen unterschiedlichster Stilrichtungen machten das Waldstock-Festival zum 23. Mal zu dem, was es ist: Zu einem Schauplatz für Newcomer aus ganz Europa, die ihre Gäste in einzigartiger Atmosphäre bespielen.


Üblicherweise würden am Freitag vier und am Samstag neun Bands auftreten. Bisher lägen aber noch nicht von allen 13 ursprünglich für 2020 gebuchten Bands auch für 2021 Zusagen vor. "Von drei oder vier Bands stehen diese noch aus." Eine endgültige Entscheidung über das Waldstock-Festival soll voraussichtlich Ende März gefällt werden. Insgesamt hat der Waldstockverein rund 200 Mitglieder, von denen sich ein erheblicher Teil an der Durchführung des Festivals beteiligt.

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Musical, Tanz und Feuerwerk bei Maffei

Goldregen in Nitzlbuch: Das Feuerwerk über den früheren Bergwerks-Fördertürmen war auch in diesem Jahr wieder ein Höhepunkt der Maffeispiele. Foto: Irene Lenk


Noch viele offene Fragen gebe es beim eigenen Kulturprogramm, beschied in Auerbach der Vorsitzende vom Förderverein Maffeispiele, Michael Grüner. Schon jetzt stehe allerdings fest, dass die erste Veranstaltung mit einem Brass-Ensemble "Techtelmechtel im Zwergenhaus" Corona-bedingt vom ursprünglich geplanten 24. April auf den 11. September verschoben werden müsse.

Das Programm der eigentlichen Maffeispiele am 10. und 11. Juli ergebe sich aus dem Vorjahr. Zu einer echten Premiere soll es beim 1. Auerbacher Gruben Openair ("GOA") am 24. Juli kommen. Dieses soll in Kooperation mit Gerhard Raß aus Nitzlbuch auf die Beine gestellt werden.

Zu den tatsächlichen Realisationschancen unter Corona wagt der Vorsitzende keine Prognose. "Wir sind keine Propheten." Sicher sei nur eines: Es werde keine "Light-Version" der Bergwerksweihnacht im Dezember geben. Will heißen: entweder Bergwerksweihnacht wie immer, oder erneut komplette Absage.

Eine gehörige Portion Improvisationstalent ist also auch heuer von allen Kultur-Machern gefragt.

 

FRANK HEIDLER

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