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Kurzer Weg von der Vorsorge in die Therme Obernsees

Gemeinderat Mistelgau stimmt Plänen für ein Gesundheitsresort zu - 03.01.2019 21:50 Uhr

So soll das Gesundheitsresort nach dem Entwurf eines Pegnitzer Planungsbüros aussehen. Die Anlage entsteht in direkter Nähe zur Therme Obernsees und soll durch einen Gang mit ihr verbunden werden. © Grafik: Planprobau


Der Gemeinderat stimmte dem Bauantrag der in Leipzig ansässigen Firma zu und ließ damit die Katze aus dem Sack. Alle Spekulationen haben damit ein Ende. Der bereits im September angedeutete Bau einer Gesundheitseinrichtung soll nunmehr errichtet werden. Dem Beschluss ging eine nichtöffentliche Sitzung mit Informationen für die Räte voraus, wie Bürgermeister Karl Lappe (Wahlgemeinschaft Plösen-Gollenbach-Wohnsgehaig; WG P-G-W) erläuterte. Schon in diesem Jahr soll gebaut werden. Für die Therme Obernsees wäre das Ressort im immer härter werdenden Konkurrenzkampf die Inbetriebnahme eine große Bereicherung, so Lappe. Es würde ein Alleinstellungsmerkmal schaffen.

1,5 Millionen Angehörige

Roland Berlinger, beauftragter Projektentwickler im Bereich des Klinik- und Gesundheitsmanagements aus Bergen im Chiemgau, ging bei seiner Vorstellung ausführlich auf die Details des Millionen-Projektes ein. Zugegen war auch Siegfried Schöbel, Geschäftsführer des Unternehmens sowie Gis Hilhorst und Josef Frenken, die das Areal nach Abschluss des Planungsverfahrens weiter verkaufen werden.

Die Planung: Hintergrund ist ein großer Bedarf solcher Einrichtungen, so Roland Berlinger. Er entwickelt seit 30 Jahren derartige Anlagen bis zu Reha-Häusern und Kliniken. Der Nachfrage von 1,5 Millionen Familienangehörigen stehen derzeit nur 140 000 Plätze gegenüber. Viele Details mussten zwischenzeitlich abgeklärt werden. Dazu gehöre vor allem die Einbindung der Krankenkassenverbände, für die vor allem die Nähe der Therme eine bedeutende Rolle spiele. Eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung sei die in Aussicht gestellte Zulassung seitens der Kostenträger in Form einer schriftlichen Absichtserklärung. "Wenn es so umgesetzt wird, dann wird ein Versorgungsvertrag zustande kommen", so Berlinger. Gegenwärtig laufen die Anfragen. Der Fachmann rechne mit einer Auslastung von 95 Prozent für die zwölf Monate durchgehend geöffnete Einrichtung, die auch enorme Auswirkungen auf die Fränkische Schweiz mit ihren Freizeitangeboten haben werde. 90 000 bis 95 000 Übernachtungen im Jahr werden zu Buche stehen.

Größenordnung: Entstehen sollen 104 Appartements mit 280 Betten für die Familien. Das Resort soll Menschen aufnehmen, die zwar nicht schwer krank sind, jedoch an berufsbedingter, familiärer oder allgemeiner Erschöpfung leiden. Vor allem Alleinerziehende mit Kindern sollen in Obernsees Erholung finden. Die Einrichtung wird deshalb einen Schwerpunkt für psychosomatische Erkrankungen und daraus hervorgerufene Herz- und Kreislauf- bis hin zu Erkrankungen des Stoffwechsels und der Atemwege bilden.

Zum Personal mit rund 75 bis 80 Vollzeitbeschäftigten werden Mediziner, Therapeuten bis hin zu Kinderpflegerinnen im geplanten Kindergarten sein.

Hotel und Einkaufsmarkt

So wird gebaut: Einzelheiten zur Planung erläuterte Elke Schuster-Kratzmann vom Planungsbüro aus Pegnitz. Der Übersichtsplan sieht auch die Ansiedelung eines Hotels sowie Einkaufsmöglichkeiten vor. Sämtliche Gebäude werden dem aufsteigenden Gelände angepasst und mit flach geneigten Pultdächern ausgestattet. Die Dächer sollen begrünt werden. Bewusst wurde von Satteldächern abgesehen, die bei den Bettentrakten eine Höhe von 18 Metern hätten. Wichtig sei ein geplanter "Bademantelgang" zur Therme mit einer Länge von etwa 150 Metern. Die Bebauung in nordwestlicher Richtung hat an der oberen Grenze einen Abstand von 35 Metern zu den Ferienhäusern. Insgesamt 15 000 Quadratmeter Geschossflächen werden die einzelnen Gebäude, zu denen Bettentrakt, Therapieräume, Bewegungsbad, Restaurant für Patienten bis hin zu einem Parkhaus, umfassen. Das zur Verfügung stehende Areal hat eine Grundstücksgröße von 18 500 Quadratmetern, davon werden 6400 Quadratmeter bebaut.

Diskussion: Zweiter Bürgermeister Heinrich Richter (CSU) äußerte Bedenken, ob die Einrichtung noch Potenzial für die Therme mit Blick auf Erholung und Spaßfaktor haben werde. Dies wurde von Roland Berlinger zerstreut. Wie schaue es mit Spielflächen für Kinder im Winter aus, wollte Gerald Fichtel (MBG) wissen. Dafür sei an eine Multifunktionsanlage im Bereich der geplanten Nahversorgungseinrichtung gedacht.

Bedarf soll da sein

Bei der Aussage "90 Prozent Auslastung" hakte Joachim Bursian (parteilos) nach. Der Bedarf sei riesengroß, so Berlinger. In Deutschland stünden derzeit nur 15 derartige Einrichtungen zur Verfügung. Der zeitliche Ablauf wiederum interessierte Jörg Ebert von der MBG. Die Einrichtung solle Mitte 2020 in Betrieb gehen, antwortete Roland Berlinger auf diese Frage.  

DIETER JENSS

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