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Landesgartenschau soll frische Luft für Bayreuth bringen

Viel Kitsch und bald viel Natur - Keine Widerstände aus der Bürgerschaft - 16.04.2016 16:37 Uhr

Die nächste Landesgartenschau wird am 22. April in Bayreuth eröffnet. Sie soll langfristige Spuren hinterlassen und die Infrastruktur verbessern.

16.04.2016 © dpa


Ausgestanzte Metallblüten in Pastelltönen stecken auf gewundenen Stielen aus Stahl. Sie wachsen aus Beeten, die wiederum in Blütenform angelegt sind, umgeben von blauem Glassplit. Auf der Landesgartenschau in Bayreuth gibt es einige solcher Flecken. Entwürfe von Gärten, mit denen sich Regionen oder Firmen vorstellen - mehr Kitsch als Kunst. Die meisten davon werden nach der Schau wieder abgebaut. Dann bleibt: viel Wiese.

"Das kommt auch wieder weg", sagt Geschäftsführerin Dagmar Voß. Sie steht neben dem blauen Glassplit-Beet mit den Stahlblüten, einem Arrangement der französischen Partnerstadt Annecy. Auf die große Grünfläche jedenfalls können sich die Bürger freuen. Ende Oktober, wenn die Schau schließt, bleibt ein öffentlicher Park am Roten Main.

10,5 Millionen Euro Kosten

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Landesgartenschau in Bayreuth bietet "Musik für die Augen"

"Musik für die Augen" verspricht die Landesgartenschau 2016, die vom 22. April bis zum 9. Oktober in Bayreuth stattfindet. Ganze Heerscharen von Gärtnern legen derzeit auf dem 45 Hektar großen Gelände, das in dieser Dimension einer Bundesgartenschau nahe kommt, letzte Hand an, um den Besuchern nicht nur blühende Blumenbeete, sondern darüber hinaus eine völlig neue Parklandschaft bieten zu können.


45 Hektar misst die Fluss- und Auenlandschaft, die größte Landesgartenschau in Bayern bislang. Sie kostet die Stadt 10,5 Millionen Euro. Davon kamen 2,88 Millionen Euro von der EU, ebenso viel vom bayerischen Umweltministerium und 175.000 Euro vom Landwirtschaftsministerium. Die Schau soll frische Luft für die Stadt bringen, den Menschen Erholung und vielen Tierarten Lebensraum. Es lebt schon ein Biber hier, und auch der Eisvogel.

Bevor sich die Natur aber ganz entfalten kann, wird es wohl noch ein bisschen dauern. "Wenn die Schau erstmal rum ist, wird sich der Bereich sehr schön entwickeln", erläutert Peter Ille vom Bund Naturschutz in Bayreuth.Dann also, wenn die Besucherströme passé sind - 750.000 Menschen werden erwartet. Sie sollen erst einmal die Angebote der Veranstalter in der Wilhelminenaue nutzen, Ernährungs- und Sportkurse zum Beispiel. Und eben Gartenbau-Entwürfe bewundern.

"Aber es gibt schon berechtigte Kritik an den Schauen"

Ulrike Gote, Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags und örtliche Grünen-Abgeordnete, freut sich auf den Park für die Bayreuther. Die Grünen tragen die Entscheidung für die Schau mit. Sie findet generell breite Zustimmung: In der oberfränkischen Stadt gab es keine Widerstände wie in Traunstein, wo die Bevölkerung in einem Bürgerentscheid die Schau für 2022 kürzlich ablehnte.

"Aber es gibt schon berechtigte Kritik an den Schauen", betont Gote und erinnert an den Jahresbericht des Obersten Bayerischen Rechnungshofs von 2014. Er bezeichnete die Vergabe der Schauen als intransparent. Denn hinter dem Partner der Kommunen, der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen (FöG), stehen drei Interessenverbände aus dem Gartenbau. Die FöG finanziere sich, so der ORH, ausschließlich aus den Einnahmen der Schauen. Die Verbände aber beteiligten sich nicht an der Finanzierung - obwohl auch Werbung für die Beiträge der Gartenbauer Teil der Schauen ist.

"Eine Intransparenz der Vergabe gibt's nicht"

Das Umweltministerium hält das Bewerbungs- und Zuschlagsverfahren dem Bericht zufolge für klar und transparent. Der ORH blieb trotzdem bei seiner Einschätzung. "Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen. Eine Intransparenz der Vergabe gibt's nicht", sagt dazu die Bayreuther Geschäftsführerin Voß.

Der Bund Naturschutz in Bayreuth zumindest ist glücklich. "Wir haben von Anfang an auf das Großprojekt Einfluss nehmen können. Die Entscheidung lief voll in unserem Sinne", sagt Ille. Ihm lag besonders die Renaturierung des Roten Mains in den vergangenen Jahren am Herzen; das hat geklappt. Vor der Schau wurde das Gelände intensiv landwirtschaftlich genutzt. Jetzt sollen die Wiesen bald freier wachsen und blühen - und Besucher dort Luft schnappen.

"Musik für die Augen"

In die Auen hinein ragen rötlich-gelbe Terrassen wie Bollwerke. Schräg gestreift in den Farben der regionalen Steine, deren Sand in den Beton gemischt wurde. Sie werden bleiben. Anders als die stilisierte Harfe am südlichen Eingang oder die Beete mit dunklen Veilchen und Nelken am Hauptweg, benannt nach schwermütigen Wagner-Arien - "Musik für die Augen" ist der Titel der Schau in der Festspielstadt.

Am Teich übrigens liegt eine Badende: eine Dame aus Beton, in rotem Kleid und roten Pumps. Ein Beitrag der Betonindustrie - und, so hofft Voß, auch bald ein beliebtes Fotomotiv.

dpa

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