Donnerstag, 21.11.2019

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Landratskandidat der Freien Wähler will sich nicht verstecken

Der 38-jährige Florian Wiedemann tritt bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 an - 08.11.2019 17:55 Uhr

2014 als Politik-Neuling 37 Prozent bei der Bürgermeisterwahl in Hummeltal, 2018 ein beachtliches Abschneiden als Bewerber um ein Landtagsmandat: Florian Wiedemann fühlt Rückenwind. © Foto: Ralf Münch


Für den gebürtigen Pegnitzer, dessen Heimat längst der Hummelgau ist, ist der Schritt aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht kein Problem. Denn seit Monaten war klar: Steigt Pottensteins Bürgermeister Stefan Frühbeißer in den Ring, muss Wiedemann zurückstecken. "Gegen Frühbeißer wäre ich nie angetreten", sagt er. Das habe auch mit Respekt vor dessen kommunalpolitischer Laufbahn über viele Jahre hinweg und seiner überzeugenden Rolle als Bürgermeister zu tun: "Hätte er sich beworben, hätte ich ihn voll und ganz unterstützt", sagt Wiedemann. Dass die Freien Wähler jemand aufstellen, ist nach seiner Meinung "zwangsläufig, weil wir sonst unglaubwürdig wirken würden". Sei es doch gerade diese Gruppierung gewesen, die sich im Kreistag kritisch geäußert habe gegen das Gebaren von Landrat und Verwaltung.

Bei allem Respekt für Frühbeißer – Wiedemann ist "glücklich, weil das eine Riesenchance für mich ist". Schon als Landtagskandidat habe er 2018 im Wahlkampf den "Kontakt zu den Menschen gesucht, gefunden – und zu schätzen gelernt". Ein Grund, warum er ganz grundsätzlich davon überzeugt ist, gute Chancen für die Hübner-Nachfolge zu haben: "Die Freien Wähler haben in den vergangenen fünfeinhalb Jahren eine starke Arbeit geleistet, das ist bei der Bevölkerung auch so angekommen." Vor den anderen Kandidaten brauche er sich keineswegs zu verstecken. Anders wäre die Situation, hätte die CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer Ambitionen angemeldet. Doch im Moment sieht sich Wiedemann gut im Rennen.

"Wir müssen mehr aufbegehren"

Was ihn bewegt: Da sind in erster Linie die Gemeindefinanzen, "viele sind finanziell sehr dünn ausgestattet, sind kaum handlungsfähig". Die Aufsichtsbehörden vom Landratsamt bis zur Regierung müssten da mehr kooperieren, häufiger die Zusammenarbeit suchen, mehr als Berater eingreifen. Und die Kommunen nicht auf ein Budget ohne Spielraum festnageln – wie aktuell die Stadt Hollfeld, die ihr Bürgerspital nicht sanieren und erweitern kann, weil das Landratsamt einen Planungsstopp verkündet hat. Da ist Wiedemann bei Hans Hümmer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler. Der bemängelt seit Monaten die "Riesenrücklagen", die der Landkreis bilde und dabei seine Gemeinden "verhungern lässt", so sieht das auch Wiedemann.

Auch die Struktur der Förderkulissen passe so nicht mehr. Es könne doch nicht sein, dass für den Bau einer neuen Seilbahn am Ochsenkopf gerade einmal 15 Prozent an Zuschüssen fließen, während weiter oben im Norden 80 Prozent für den Bau der Höllentalbrücken gewährt werden. Wiedemann: "Da müssen wir mehr aufbegehren, als Kommunen, als Landkreis, als Landrat, da müssen wir auch in München mehr Druck aufbauen." Wiedemann, der mit seiner Partnerin und deren zwei Kindern ein "glückliches Familienleben" pflegt, gehört zu den Befürwortern von Filialen der Behörde außerhalb von Bayreuth, "trotz der aktuellen Beschlusslage dagegen". Überall rede man von Dezentralisierung, von mehr Bürgernähe – "warum soll das gerade bei uns nicht gehen?" Pegnitz biete sich natürlich an, aber auch im Norden des Kreises sehe er Möglichkeiten. Für "was und wo auch immer, aber das muss noch einmal beredet und dann konkretisiert werden".

"Unbefriedigend" sei die Lage am Bayreuther Krankenhaus. Die verantwortlichen Gremien sollten verstärkt mit Experten besetzt und nicht einfach "aus dem Kreistag aufgefüllt werden". Das meine er "nicht respektlos, aber wir brauchen da Leute, die aus diesem Metier kommen".

Die Marke "Bayreuther Land" gezielt bewerben

Florian Wiedemann sieht noch mehr Aufgaben, die es anzupacken gelte. Vom aus seiner Sicht eher schwachen Online-Auftritt des Kreises über eine Aufwertung der Ehrenamtskarte bis hin zum Thema Mobilität, bei dem es kaum vorangehe. Worauf er Wert legt: Er sei dabei nicht das Sprachrohr von Hans Hümmer, dem Fraktionssprecher der Freien Wähler im Kreistag: "Klar, er ist unser Fachmann bei den Finanzen, doch ich habe auch meine eigenen Schwerpunkte, etwa in der Bildung und beim Sport."

Oder bei Fragen des Tourismus. Hier gelte es, vermehrt Vorteile herauszustellen und nicht alles über einen Kamm zu scheren. Die Dachmarke Genussregion Oberfranken zum Beispiel ist ihm zu weitläufig, zu allgemein. Die Marke "Bayreuther Land" ist schon eher sein Ding, weil sie vom Fichtelgebirge bis zur Fränkischen Schweiz die Vorzüge dieser Region vereine. Und die ließen sich dann auch gezielt bewerben.

STEFAN BRAND

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