Mittwoch, 21.04.2021

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Lange Mängelliste: Förderprogramm für Runderneuerung der Sammet-Halle?

Zwei Millionen Euro könnte die Stadt Pegnitz vom Bund erhalten - 25.02.2021 08:55 Uhr

Die Bundestagsabgeordnete Silke Launert bei ihrem Ortsbesuch in Pegnitz. Dort wünscht man sich eine Förderung zur Sanierung der in die Jahre gekommenen Christian-Sammet-Halle.

24.02.2021 © Foto: Ralf Münch


Eigentlich ist Erwin Kürzdörfer ein fröhlicher Mann. Aber wenn der Hausmeister der Christian-Sammet-Halle das Tor zum Heizungsraum aufsperrt, wird sein Blick ernster. Die Anlage mit ihren roten Leuchtknöpfchen wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Lüftung "museumsreif"

"Die Lüftungsanlage ist museumsreif", sagt der Hausmeister. Kein Wunder, 48 Jahre bläst das Ding Warm- und Frischluft in die Dreifachturnhalle. Wenn die 360 Kinder des Schulverbands ihren Sport machen, wenn die Vereine ab dem Nachmittag trainieren, wenn Fasching ist, Landfrauentag oder sonstige Veranstaltungen. Seine Halle sei täglich von 8 bis 22 Uhr ausgebucht.

Wenn er zusammenrechnet, kommt er auf eine Zahl zwischen 20  000 und 30  000 Menschen, die pro Jahr die Halle bevölkern. Doch mit und wegen Corona wird’s jetzt deutlich kälter drin. Denn letztlich hat er, salopp gesagt, die Wahl zwischen Frischluft und Warmluft.

Je mehr frische Luft er in die Halle pumpt, desto weniger Warmluft geht mit. "Mit Corona geht das nicht", sagt Kürzdörfer. Denn die Regeln besagen, dass viel frische Luft rein und die Viren raus müssen, wo Menschen sind. Das heißt, die Temperatur steige nicht viel über zehn bis zwölf Grad.

700 000 Euro kostet es die Stadt Pegnitz, nur diese Anlage zu erneuern. Zu viel für eine Stadt, die Stabilisierungshilfe vom Freistaat bekommt.

Deshalb hat Bürgermeister Wolfgang Nierhoff (Pegnitzer Gemeinschaft) schon im Oktober einen Antrag geschrieben, das Geld aus einem für Sportstätten angelegten Fördertopf des Bundes zu bekommen. Denn es ist nicht nur die Heizung, die seinem Hausmeister zu schaffen macht.

Ungedämmte Wände

"Dünne Betonwände tragen ein Trapez-Flächendach – lediglich um Regen abzuhalten", seufzt der Hausmeister. Eigentlich liege nur noch Blech drauf. Eine Dämmung für die Wändchen gibt es keine. Das mache das Heizen noch schwerer. . "Unermesslich", sagt Nierhoff. Für eine Runderneuerung eine der größten Hallen im Süden der Region bräuchte er fast 2,3 Millionen Euro. Das könnte auch für die Vereine und Veranstalter, die die Halle mieten, billiger werden. Der Einspareffekt, so Nierhoff, sei "nicht unerheblich".

"Auf den letzten Metern" des Förderantrages hat er Unterstützung der CSU-Bundestagsabgeordneten Silke Launert bekommen. Sie kämpft mit den Haushältern in Berlin um die Annahme des Projekts. Und es geht um viel: Pegnitz könnte bis zu 90 Prozent gefördert werden. Im besten Fall wären das zwei Millionen Euro.

Bis zuletzt "Druck machen"

"Ich gebe mein Bestes, das jetzt auf den letzten Drücker bei meinem Haushälter noch durch zu kriegen", sagt sie. Aber es bestehe eine fifty-fifty-Chance, denn eines der Projekte in der Region sei aus der Förderung gefallen. Dennoch warnt sie, dass in ganz Bayern höchstens 15 Projekte gefördert werden könnten. Aber, und sie bleibt passend zur Halle beim Sportvergleich, man müsse "rennen, kämpfen und Druck machen".

Dass auch ein bisschen Wahlkampf dabei ist, war jedem der zehn beim Besichtigungstermin klar: unter anderem Stadtrat Werner Lappat, dem Rektor der Sammet-Schule, Thorsten Herzing, dem zweiten Bürgermeister von Schnabelwaid, Dietmar Hemm, und Florian Questel, Bürgermeister aus Ahorntal. Alles Gemeinden, deren Bewohner und Schüler auch die Halle nutzen. Die Entscheidung für – oder gegen – die Christian-Sammet-Halle könnte schon in der nächsten Woche fallen, sicher aber in den nächsten Wochen.

Es sei zwar wie "ein Sechser im Lotto", aber bis dahin wird MdB Launert "die Haushälter nicht in Ruhe lassen". Es könnten die spannendsten Wochen sein, die Kürzdörfer in seinen 25 Jahren als Hausmeister erlebt hat.

OTTO LAPP UND JANA TREHKOPF

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