Donnerstag, 22.04.2021

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Langjährige Faschingspräsidentin erinnert sich: So begann in Pegnitz die Narretei

Aus einem Auftritt bei der Gymnastikgruppe des SV Glückauf wurde in Pegnitz eine bunte Narretei - 16.02.2021 07:55 Uhr

Die Pegnitzer Gesellschaft Glückauf mit dem Hofstaat im Jahr 2004 in der Münchner Staatskanzlei: Im Bild von rechts: Bernhard Schlereth, Präsident Fastnachtsverband Franken, Lydia Nega, Walter Fichtner, damals Vorsitzender des SV Glückauf, Prinz Ottmar I., Staatsminister Eberhard Sinner, Prinzessin Elvira I., Ulrike Ziegler, als Page, Willi Biesenecker, Faschingspräsident des Bezirks Oberfranken, Heiner Nega und Werner Kilian, Vizepräsident des Fastnachtsverbandes Franken.

15.02.2021 © Foto: Archiv/Eva Böhm


Eigentlich sollte Lydia Nega damals, man schrieb im Städtchen das Jahr 1988, einen Kinderfasching für die Damengymnastikgruppe des SV Glückauf organisieren. Sie war in dieser Abteilung Vergnügungswart, als diese Aufgabe auf sie zukam. Da war die Bezeichnung für das Amt noch männlich, das war ganz normal. Für die Kinder des Vereins sollte der Fasching sein. Aber nicht nur null-acht-fünfzehn mit Cowbow und Indianer, sondern mal was ganz anderes. "Die Muttis waren begeistert", erinnert sich Lydia Nega. "Wir nähten gemeinsam Gardekostüme und bastelten Hüte."

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Rückblick: Schillernder Galaabend der Pegnitzer Stadtgarde

Im Januar des Jahres 2014 hieß es wieder "Helau!" in Pegnitz, als der traditionelle Galaabend der Stadtgarde Glückauf Faschingsbegeisterte in die Sammathalle lud. Bei dem bunten Programm aus Gardetänzen, Comedy-Sketchen und Büttenreden wurde so manche Lachträne von den Narren vergossen.


Und von Anfang an war auch Claudia Wagner im Faschingsfieber. Sie war Übungsleiterin bei der Damengymnastikgruppe. "Sie war sofort bereit, mit den kleinen Faschingsnarren einen Tanz einzustudieren." Der Aufwand war am Ende eigentlich viel zu groß für einen reinen Kinderfasching. Damals schon Narretei im Blut, rief Lydia Nega kurzerhand beim damaligen Bürgermeister Manfred Thümmler an. Ein Pegnitzer Rathaussturm, das wär‘‘s. Glückauf, verstehst, und der "Manni" war sofort dabei. Somit gab es am 2. Februar 1989, dem unsinnigen Donnerstag, den ersten Gardeauftritt auf dem Pegnitzer Marktplatz. Die 17 Kinder waren zwischen zwei und 14 Jahre alt.


Kein Fasching in Franken? So reagierten die Betroffenen der Region im Sommer 2020


Die Passanten rieben sich Augen und spitzten die Ohren. Was war das? Bengaz Glückauf? Mehrfach schallten diese beiden Worte wie ein Schlachtruf über den Marktplatz. Dieser war aber nicht einfach aus Jux und Tollerei gewählt. Das Bengaz Glückauf hatte durchaus einen Hintergrund: "Angesichts unseres Ursprungs aus dem Sportverein der früheren Bergmänner hatten wir uns für den Ruf entschieden", sagt Lydia Nega. Kein Wunder, dass der SV dann wenige Tage später bei seinem Kinderfasching in der Glückauf-Gaststätte in der Lohesiedlung förmlich überrannt wurde.

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Trump, Merkel und Thommy: Die Bilder vom Galaabend in Pegnitz

Der Galaabend der Stadtgarde Pegnitz bot so einiges: Eigene und befreundete Garden zeigten ihr tänzerisches Können und Komiker nahmen mit (musikalischen) Sketchen das Leben in Pegnitz und der Weltpolitik aufs Korn. Zum Motto-Abend "Kamera läuft" waren nicht nur Thomas Gottschalk, sondern auch Angela Merkel und Donald Trump zu Gast.


Nach diesem Erfolg zauberte der SV Glückauf Pegnitz eine eigene Faschingsabteilung aus dem Hut. Aus dem Vergnügungswart der Damengymnastikgruppe wurde eine Präsidentin, die bei den Narren bis ins Jahr 2016 den Ton angab. 27 Jahre lang. Sie ist zwar nicht mehr auf der Bühne im Rampenlicht, aber ganz loslassen kann Lydia Nega dennoch nicht. "Wenn man so etwas aufgebaut und die Narretei gelebt hat, kann man das Ganze, so denke ich, als Lebenswerk bezeichnen." Dreinreden tut sie nicht. Sie hat sich zurückgezogen und lässt das Faschings-Erbe nun von einer jüngeren Generation verwalten. Naja, nicht ganz zurückgezogen. Sie ist noch Mitglied im Präsidium der Gesellschaft und im Elferrat.

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Fünf-Stunden-Gala mit "Früchtchen" und Tanzmariechen

Ein fünfstündiges Feuerwerk der guten Laune feuerte die Stadtgarde "Glückauf" beim Gala-Abend in der Sammet-Halle ab. Vor allem die Garde- und Schautänze der Jugend, der "Früchtchen" und des Tanzmariechens Laura Keller zeugten von viel Trainingsfleiß. Fotos: Irene Lenk


"Könnte ein ganzes Buch füllen" 

Aus dem Kinderfasching in der Glückauf-Gaststätte wurden in der Folgezeit glitzernde Gala-Abende in der Christian-Sammet-Halle. Die Gesellschaft erlebte dort geschliffene Garde- und fulminante Schautänze, freche Büttenreden und jede Menge Politprominenz im Lauf der Jahre, die sich für eigenen Bühnenklamauk im Scheinwerferlicht nicht zu schade war.

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Abschied von Manni: Koschyk und Raab mit feuchten Augen

„Beim Galaabend zum letzten Mal als Bürgermeister sitzt im Saal der Manni. Stieg gern in die Bütt’, nahm oft den Stadtrat auch noch mit. So bitten wir beim letzten Mal, Revue passier’n lass noch einmal, die Auftritte aus all den Jahren, die immer viel Applaus erfahren.“ So lautete heuer die traditionelle Aufgabe für Manfred Thümmler und seine Räte. Es wurde so emotional, dass die "Nachtschwärmer" Taschentücher verteilen mussten, die nicht nur Staatssekretär Hartmut Koschyk oder SPD-Bürgermeisterkandidat Uwe Raab für ihre feuchten Augen brauchten. Die begeisterten Zuschauer forderten Zugabe. Auch für Manni Thümmler? Fotos: Irene Lenk


"Besonders stolz war ich, als ich in der Session 1994 unsere Prinzengarde, damals unter der Regie ihrer Trainerin Irmgard Bauer, als Oberfränkischer Meister bei den Auftritten vorstellen durfte", erinnert sich Lydia Nega zurück. An welchen Bühnennummern sich die Ex-Präsidentin noch heute gerne erinnert, lesen Sie auf Seite 26 unseres heutigen Faschingsrückblickes.

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Mit allen Wassern gewaschen: Der Galaabend in Pegnitz

"Narren sind mit allen Wassern gewaschen", sagt man. Das war auch das Motto ders Galaabends der Pegnitzer Faschingsgesellschaft "Glück Auf", die am Samstagabend bewies, dass das geflügelte Wort stimmt.


Wobei sich Lydia Nega noch an viel mehr in all den 27 Jahren sehr gerne erinnert. "Da könnte ich ein ganzes Buch füllen". Da gab es nicht nur die großen Auftritte in der Sammethalle sondern auch die kleinen Nachmittage zum Beispiel beim Club mit Herz oder in den Seniorenheimen. Ein Mega-Aufwand für die Aktien waren dagegen Gardetanzturniere, das oberfränkische Turnier der Männerballette oder die Sitzung der oberfränkischen Nachwuchs-Narren.

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Pegnitzer Stadtrat muss Kaiser Karl IV. aufleben lassen

Schwieriger als in den Vorjahren gestaltete sich heuer der Rathaussturm der Pegnitzer Narren, mussten doch erst die Fieranten des Bauernmarkts ihren Platz räumen. Als dann die Bühne bereitet war, marschierten die verschiedenen Formationen der Stadtgarde Glückauf Pegnitz zusammen mit der Jugendbergmannskapelle auf, um durch ihre Prinzenpaare die Herausgabe des Rathausschlüssels zu fordern. Die Stadtkasse wurde gar nicht mehr verlangt, weil sie ohnehin leer ist. Als Aufgabe für die Galaabende müssen Bürgermeister Uwe Raab und seine Stadträte ein rauschendes Fest wie zu Zeiten von Kaiser Karl IV. arrangieren, habe die Stadt diesem Regenten doch viel zu verdanken.


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Galaabend in Pegnitz: Kleine Tanzmariechen zur Faschingszeit

Buntes Treiben zur Faschingszeit: Die "Pegnitzer Früchtchen" gaben beim ersten Galaabend der Stadtgarde Glückauf 2015 wirklich alles und sorgten damit für gute Stimmung bei ihrem Gardetanz am Freitagabend auf die Bühne in der Sammethalle.


Und dann war da auch noch der Besuch von Landtagsvize Barbara Stamm, die nicht nur Veitshöchheim kannte, sondern beim Besuch eines Gala-Abends auch Pegnitz kennenlernte. Ein Jahr vorher, 2004, hatte sie den Pegnitzer Narren den Bürgerpreis der CSU für herausragendes bürgerschaftliches Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit verliehen. Das ist doch heute noch ein dreifach donnerndes Bengaz Glückauf wert!

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"Tierisches Vergnügen" mit der Stadtgarde Glückauf Pegnitz

Bunt, laut und lustig ging es beim ersten Gala-Abend der Narren am Freitag in Pegnitz zu. Mit fast 30 Programmpunkte sorgte die Faschingsgesellschaft Glückauf Pegnitz für ein tierisches Vergnügen in der Christian-Sammet-Halle.


MICHAEL GRÜNER

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