Donnerstag, 01.10.2020

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Langjähriger Waischenfelder Organist geehrt

Die Waischenfelder Pfarrei St. Johannes der Täufer würdigt Anton Adelhardt. Er war lange Jahre Organist. - 12.09.2020 07:55 Uhr

Geehrter Organist Anton Adelhardt, der neue Pfarrvikar Dominik Syga und Kirchenpfleger Stephan Keller (von links). Nach dem Gottesdienst überraschte die Pfarrgemeinde den beliebten Musiker mit einer Ehrung.

© Foto: Rosi Thiem


"Die Pfarrei St. Johannes der Täufer würdigt in besonderer Weise dein Engagement als ehrenamtlicher Organist für die Pfarrei Waischenfeld", sagte Kirchenpfleger Stephan Keller anerkennend. "Wir sind sehr dankbar für die musikalische Bereicherung unserer Gottesdienste über die vielen Jahre und hoffen, dass wir uns noch lange an deinem Orgelspiel erfreuen dürfen."

Auch der neue Pfarrvikar Dominik Syga sprach ein herzliches Vergelt’s Gott für Adelhardts Dienst zu Ehren Gottes und für seine wunderschöne Musik aus. "65 Jahre sind ein unglaubliches Glaubenszeugnis." .

Ein Leben voller Fleiß

Dabei kann der immer bescheidene Organist, der in wenigen Wochen 80 Jahre alt wird, auf ein Leben voller Engagement und Fleiß zurückblicken. Der 1940 in Zeubach geborene Anton Adelhardt besuchte nach seiner Volksschulzeit das heutige Franz-Ludwig-Gymnasium in Bamberg. "Von 1950 bis zum Abitur 1959 war ich am Neuen Gymnasium in Bamberg. Untergebracht war ich im erzbischöflichen Knabenseminar Ottonianum, wo ich zuerst Klavier- und dann Orgelunterricht nehmen konnte. Ab September 1955 durfte ich den Orgeldienst im Seminar mit der täglichen Morgenmesse und der Abendandacht übernehmen. "Das kam damals etwas plötzlich", erinnert er sich.

"Gleichzeitig habe er in der Ferienzeit und auch noch während seines Studiums der Agrarwissenschaften in Weihenstephan die Waischenfelder Orgel gespielt." Sein Beruf führte ihn nach dem Staatsexamen nach Mühldorf in Oberbayern und nach Weiden in die Oberpfalz, bis er schließlich 1973 an das bayerische Landwirtschaftsministerium nach München versetzt wurde.

Mit dem Sohn Kurs besucht

"In der Pfarrei St. Michael/Lochhausen am westlichen Stadtrand von München war ich dann über 25 Jahre als Organist tätig. In dieser Zeit, von 1995 bis 1997, habe ich auch den C-Kurs für nebenamtliche Kirchenmusiker des Erzbistums München-Freising mit Abschlussprüfung abgelegt", erzählt der Organist. Sein Sohn Sebastian habe damals mit ihm den Kurs belegt und ist heute hauptberuflicher Chordirektor und Kapellmeister an St. Peter in München. "Wir haben damals zusammen den C-Kurs absolviert. Das dauerte zwei Jahre und bedeutete jeden zweiten Samstag auf dem Domberg von 8 bis 16 Uhr Unterricht in allen Fächern der Kirchenmusik. Mein Sohn war der jüngste, ich der älteste Kursteilnehmer", sagt Adelhardt schmunzelnd.

Dass Anton Adelhardt im Landwirtschaftsministerium Ministerialdirektor war, verrät er nicht sofort. Das muss man ihm herauskitzeln. In seiner Heimat wird ihm Weitblick und hohe Kompetenz nachgesagt, doch er ist bescheiden. "Seit 2005, meinem Eintritt in den Ruhestand, verbringe ich wieder viel Zeit in meiner fränkischen Heimat." Dazu gehört für ihn selbstverständlich der Orgeldienst in Waischenfeld – "wenn man mich braucht".

In den letzten Jahren habe es sich in den Pfarrsekretariaten der Umgebung herumgesprochen, dass er manchmal freie Termine habe, erzählt er. "So bin ich zum Aushilfsorganisten in Oberailsfeld, Volsbach, Pottenstein, Nankendorf und Muggendorf geworden." Seine Ehefrau ist bereits 2003 verstorben. 2007 hat er bei einer Veranstaltung Elisabeth Pschorn kennengelernt. Beide haben sich so gut verstanden, dass sie heute noch zusammen sind und er sie liebevoll "mein Spiritus Rektor" nennt.

In seinem langen Organistenleben fällt ihm eine Anekdote bei einer Pfarrwallfahrt von Waischenfeld nach Vierzehnheiligen aus dem Jahre 1960 ein: "Geistlicher Begleiter war der Neupriester Theo Kellerer. Er hat mit uns unterwegs in Stadelhofen Messe gefeiert. Ich spielte die Orgel, und es war für mich ein wahres Desaster. Das Instrument war derartig verstimmt, dass ich fast bis zum Ende der Messe brauchte, bis ich die drei noch einigermaßen stimmigen Register gefunden hatte. Daran denke ich noch heute mit Schrecken."

Drei Bücher geschrieben

Neben seinem musikalischen Talent eroberte er auch die Welt des Schreibens. Erfolgreich veröffentlichte er in den letzten Jahren ein Buch über sein Elternhaus, das Wirtshaus in Zeubach und ein weiteres über den bis heute ungeklärten Mord an einer Bäuerin in Kugelau vor genau 100 Jahren. "Und wenn sich die Gelegenheit für einen Schafkopf ergibt, bin ich immer gerne dabei."

Was ist für ihn Heimat? "Heimat ist für mich immer Waischenfeld und die Region geblieben, aber auch München ist für mich Heimat geworden. Heimat ist für mich der Ort, wo ich die Menschen kenne und sie mich", erklärt Adelhardt. Und was empfindet er beim Orgelspielen?

"Es ist für mich in erster Linie Gottesdienst, dann Dienst für die Gemeinde. Wenn ich spüre, dass die Gottesdienstbesucher mit Freude mitsingen, dann ist das der schönste Lohn für meine bescheidenen Bemühungen", gesteht das 79 -jährige Multitalent mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

ROSI THIEM

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