12°

Dienstag, 23.04.2019

|

Lebensmittel-Verkauf: Händewaschen statt Handschuhe

Metzger und Bäcker in Pegnitz zweifeln an der Schutzwirkung - 12.02.2019 07:50 Uhr

Behandschuhtes Metzgerei-Verkaufspersonal, wie es hier für den Fotografen posiert, wird der Kunde in der Realität nur höchst selten zu Gesicht bekommen — Metzger und Bäcker setzen eher auf regelmäßige Handwäsche. © Ralf Münch


Jene, die das Tragen von Handschuhen im Lebensmittel-Einzelhandel propagieren, haben in erster Linie den Kundenschutz im Sinn: Wenn die Wurst oder das Brot vom Verkaufspersonal nicht mit bloßen Händen angefasst werden, so die Theorie, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass auf diesem Weg Keine übertragen werden. In der Realität verzichtet man aber eher auf den Handschuheinsatz.

Bei der Metzgerei Schmid an der Pegnitzer Hauptstraße gibt es zwar Handschuhe und Thomas Schmid stellt seinen Angestellten auch frei, ob sie welche tragen oder nicht, aber: "Man braucht sie nicht unbedingt, zumal alle bei uns die vorgeschriebene Hygiene-Unterweisung absolviert haben", betont Schmid.

Die Folge: Handschuhe kommen in der Metzgerei Schmid beispielsweise beim Marinieren oder Würzen von Fleisch zum Einsatz, aber nicht im Verkauf – es sei denn, jemand hat eine Handverletzung, denn dann sind die schützenden Handschuhe nach den in Deutschland geltenden Hygiene-Vorschriften Pflicht.

Ähnlich hält es die Bäckerei Schorner an der Lindenstraße: "Unsere Verkäuferinnen dürften Handschuhe benutzen, verzichten aber in der Regel darauf. Wir waschen uns lieber ganz oft die Hände."

Eine Argumentation, die sich mit Erfahrungen aus der Praxis deckt. Auch Handschuhe können schnell verunreinigt werden – aber wer sie trägt, hat in der Regel nicht jenen "Handwaschreflex", den derjenige verspürt, der mit bloßen Händen arbeitet.

Gebäckzange im Einsatz

Brot und Brötchen werden bei der Bäckerei Schorner also nach wie vor mit bloßen Händen in die Tüte gesteckt, bei Tortenstücken oder Plundern, die per se klebrig sind, wird eine Gebäckzange passender Größe eingesetzt.

Auch bei den Lebensmittelkontrolleuren am Landratsamt Bayreuth kommt die Idee nicht all zu gut an. Ein Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung bestätigt, dass das sogenannte Schmutzempfinden bei Handschuhbenutzung eher schwindet. Empfehlenswert sei das Tragen von Handschuhen tatsächlich nur bei einer bestehenden Handverletzung oder einer Entzündung.

Ansonsten gilt selbst den Hygiene-Überwachern vom Amt regelmäßiges Händewaschen als am ehesten praktikabler Königsweg. 

HANS VON DRAMINSKI

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz