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Legendären Kreisbrandmeister Adelhardt verabschiedet

Ehrung durch Nachfolger Tobias Kohlmann im neuen Feuerwehrhaus Kirchahorn — In der Jugendarbeit engagiert — Rente im Herbst - 22.03.2019 21:10 Uhr

Kreisbrandmeister Waldemar Adelhardt (2. v. re.) mit Ehefrau Anita wurde in den Ruhestand verabschiedet. Rechts Florian Questel, außerdem KBM Tobias Kohlmann, KBI Stefan Steger und Ehrenkreisbrandinspektor Adolf Mendel. © Foto: Jenß


Der Kirchahorner war als Führungsmann das Gesicht der Feuerwehr in der Gemeinde Ahorntal, deren zehn Wehren den Unterkreis 8 mit bis zu 400 Feuerwehrmänner- und Frauen in der Inspektion III des Landkreises bilden. Mit Leidenschaft und Herzblut widmete sich der heute 63-Jährige dem Feuerwehrwesen.

Seine fachliche Kompetenz, seine ruhige Art und seine Besonnenheit waren ideale Eigenschaften für Brand- und Katastropheneinsätze. In den 29 Jahren seines ehrenamtlichen Engagements hatte es Waldemar Adelhardt mit 26 ersten und 31 zweiten Kommandanten in den zehn gemeindlichen Wehren zu tun, wie es sein Nachfolger, Tobias Kohlmann aus Oberailsfeld, bei der Verabschiedung seines Vorgängers im neuen Feuerwehrhaus in Kirchahorn ausrechnete.

Dort fanden sich zu Ehren ihres langjährigen Chefs die zehn Kommandanten sowie alte Weggefährden wie Ehren-Kreisbrandinspektor Adolf Mendel und dessen Nachfolger Kreisbrandinspektor Stefan Steger ein. Dieser hob den großen Einsatz hervor, vor allem auch für die Feuerwehrjugend und lobte Adelhardts Wirken als Teamplayer.

Auch der neue Bürgermeister Florian Questel würdigte die Arbeit Adelhardts. Den 1956 geborenen und in Kirchahorn aufgewachsenen Mann zog es 1973 mit 16 gemeinsam mit gleichaltrigen Freunden zur Feuerwehr Kirchahorn. Damals gab es noch keine Jugendwehr. Gerade der Jugendarbeit widmete Adelhardt sich in seiner Zeit als Kreisbrandmeister besonders. Anfang der 1970er Jahre war es fast selbstverständlich, dass es Jugendliche zur Feuerwehr zog. "Ausbildung gab es früher keine", so Waldemar Adelhardt. Nur Leistungsprüfungen mit den Älteren waren gefragt.

Ein besonderer Bezug entwickelte sich für ihn in den 1970er und 1980er Jahren zur Stadt Pegnitz. Dort wurde er nach seiner Heirat mit Ehefrau Anita 1977 zunächst sesshaft.

Die Ausbildung zum Nähmaschinen-Mechaniker absolvierte er nach dem Quali bei der Firma Hohe in Pegnitz. Nach einem Jahr Mitarbeit zog es ihn 1978 zum Betonwerk Zapf nach Bayreuth. Dort ist er seit 41 Jahren in der Pflasterfertigung, die später die Firma EHL übernahm, beschäftigt.

Zurück in die Heimat

Mit dem Einzug in sein 1985 gebautes Einfamilienhaus in Kirchahorn zog es Waldemar Adelhardt wieder zurück in seinen Heimatort. Zur Familie gehören zwei Töchter und eine Enkeltochter. Zurück nach Pegnitz: Als Adelhardt dort nach dem Wohnortwechsel bei einer Übung der Feuerwehr am Marktplatz die Geschehnisse verfolgte, wurde er von Wehrleuten angesprochen, ob er nicht bei ihnen Dienst leisten möchte. Adelhardt nahm das Angebot sofort an und leistete unter Kommandant Ulrich Popp, dem später legendären, inzwischen verstorbenen, Kreisbrandinspektor Dienst bei der Pegnitzer Wehr. Von ihm habe er viel gelernt, so der scheidende Kreisbrandmeister. Bei dieser großen Wehr, die viel Autobahneinsätze fahren musste, gab es zahlreiche tödliche Unfälle zu bewältigen.

Sein Grundwissen als Feuerwehrmann hat Adelhardt der Pegnitzer Wehr zu verdanken. Ulrich Popp war es auch, der Adelhardt beim damals neuen Kreisbrandrat Ludwig Lauterbach 1989 vorschlug. Erst danach lernten sich Lauterbach und Waldemar Adelhardt im Landratsamt kennen.

Am 1. Mai 1989 wurde Adelhardt offiziell als neue Führungskraft bestellt. Vielfältig waren die Herausforderungen als Kreisbrandmeister, wie er erzählt. Bei der Beschaffung etwa von neuen Fahrzeugen war es seine Aufgabe, in der oft ein bis zwei Jahre dauernden Phase der Planungen, Augenmaß zu zeigen und den Bedarf im Blick zu haben. "Man schaut von Außen anders drüber als die Verantwortlichen der Wehr selber", so der langjährige Kreisbrandmeister.

Jedes Wochenende unterwegs

In den Anfangsjahren, bis sich alles einspielte, war er fast jedes Wochenende unterwegs, um den Unterkreis auf Vordermann zu bringen, da es vielerorts hakte. 29 Jahre sind daraus geworden, in denen die Palette von vielen Ernstfällen und Alarmierungen über Jahresversammlungen, Inspektionen bei den Wehren, Leistungsprüfungen bis hin zu seinem Steckenpferd Jugendarbeit reichte.

Eines hat Adelhardt von Ulrich Popp gelernt: "Mache Feuerwehr oder Politik", aber nie beide Funktionen miteinander. "Der Interessenkonflikt ist zu groß", so Popp. Was Adelhardt Sorge macht, ist die zunehmende Bürokratisierung auch im Feuerwehrwesen, und die zeitlichen Anforderungen wie bei der Trupp-Ausbildung, die auch den Vorgaben der Kommunalen Unfallversicherung Bayern geschuldet ist. Er freut sich, neben dem Ruhestand als Kreisbrandmeister ab 1. November auch in Rente gehen zu können.

DIETER JENSS

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