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Lehrer-Ausfälle und lahmes Internet: Corona sorgt für Probleme in Schulen

An den meisten Schulen gibt es beim Unterrichten massive Probleme, das "Homeschooling" schlägt oft fehl. - 02.07.2020 14:55 Uhr

Unter erschwerten Bedingungen fand in den Wochen vor den Prüfungen der Unterricht an Pegnitzer Schulen statt. Manche Lehrer aus Risikogruppen fielen aus.

© Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa


"Bei uns fehlen zurzeit acht von regulär 40 Lehrkräften, weil sie in die Risikogruppe fallen", sagt Christoph Kasseckert, Leiter der Realschule.

Das werde alles vom Stammpersonal aufgefangen. Das fährt schon seit Anfang März Doppelschichten, denn die Klassen sind aufgeteilt. Eine Hälfte hat Präsenzunterricht in der Schule, die andere wird am Nachmittag online beschult. Außerdem werde alles dokumentiert, was stoffmäßig ausfällt und ins nächste Schuljahr geschoben werden muss.

Bei den Abschlussschülern war das natürlich nicht möglich, die wurden speziell auf die Prüfungen vorbereitet. Hier habe es einen Sonderstundenplan gegeben, bei dem die Prüfungsfächer dreifach eingeplant und die Nicht-Prüfungsfächer zurückgefahren wurden. "In der fünften und sechsten Jahrgangsstufe sind wir mit dem Stoff weit gekommen, die Lücken sind überschaubar", sagt Kasseckert. Bei den Siebt- und Achtklässlern, die seit den Pfingstferien wieder den Unterricht besuchen dürfen, werde das etwas länger dauern, bis alles wieder aufgefangen ist.

Was ihm in der gegenwärtigen Situation besonders aufgefallen ist: Gerade im ländlichen Bereich müssen die Lücken in der Breitbandversorgung endlich geschlossen werden. Vielen Schülern gerade aus der Fränkischen Schweiz sei es nicht möglich, dem Online-Unterricht zu folgen, weil massive Lücken in der Internetversorgung sind. "Gut ein Drittel der Schüler ist von diesem Mangel betroffen", so Kasseckert.

Probleme auch in der Sammet-Schule. Hier fehlen von rund 45 Lehrkräften zurzeit über zehn, weil sie der Risikogruppe angehören. Eine mobile Reserve ist eingesetzt, ansonsten gleicht auch hier das Stammpersonal den Mangel aus. "Wir unterrichten momentan die Schüler in zwei Gruppen an zwei Tagen die Woche, um die auferlegten Sicherheitsregeln umsetzen zu können", sagt Schulleiter Thorsten Herzing.

Schüler, die nicht den Präsenzunterricht besuchen, bekämen von der Lehrkraft Arbeitsmaterialien und -aufträge, die sie selbstständig daheim erledigen müssten. Die Unterrichtszeit wurde von normalerweise 30 Wochenstunden auf 16 reduziert. Für den Beginn des nächsten Schuljahres sind spezielle Fördermaßnahmen geplant, um entstandene Lücken aufzufangen.

Die Abschlussschüler, die seit dieser Woche Prüfungen haben, waren seit nach Ostern jeden Tag vier Stunden, vergangene Woche sechs Stunden in der Schule. Dabei wurde jede Abschlussklasse in zwei Gruppen aufgeteilt, um die Abstandsregeln umsetzen zu können. "Inhaltlich funktioniert das in den kleinen Gruppen gut", so Herzing. Der Unterricht sei so intensiver. Verstärkt wurden Prüfungsfächer unterrichtet. Dabei wurden die Schüler fächermäßig zusammengewürfelt. "Klar, das war für manche nicht einfach, aber es gibt halt keine Alternative."

Etwas entspannter ist die Situation am Gymnasium. "Wir haben keinen Lehrermangel", sagt Schulleiterin Annett Becker über den regulären Stamm von 65 Lehrern. Als "worst case" bezeichnet sie wie ihre Kollegen anderer Schulen, falls eine Lehrkraft infiziert wäre. "Das muss dann dem Gesundheitsministerium gemeldet werden. Dieses entscheide, wie die Infektionskette unterbrochen wird, ob nur die Schüler dieses Lehrers in Quarantäne müssten oder ob es zur Schulschließung komme. "Ich hoffe, dass die nächsten zwei Wochen nichts passiert", sagt Thorsten Herzing, "und die Prüfungen ohne Probleme durchlaufen."

"Ich bin glücklich darüber, dass – auch in schweren Zeiten wie diesen – das Kollegium fest zusammenhält", sagt Tanja Engelbrecht, Rektorin der Grundschule. So seien die zahlreichen Klassen- und Fachlehrer über 60 Jahre – rund ein Drittel der Lehrerschaft – seit Wiederaufnahme des Unterrichts uneingeschränkt vor Ort. "Wir haben bei einer Anzahl von über 30 Lehrkräften keinen Coronabedingten Personalausfall mehr zu verzeichnen, auch nicht aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe."

Gerade für Lehrkräfte in Teilzeit gestalte sich der wöchentliche Wechsel von Präsenzunterricht und häuslichem Lernen unweigerlich anstrengender als unter normalen Bedingungen. Bei einer täglichen Unterrichtszeit von vier Stunden in allen Klassen habe etwa die Hälfte der Lehrkräfte in Teilzeit ihre wöchentliche Unterrichtspflichtzeit bereits erfüllt. Die Betreuung der anderen Klassengruppe, die parallel dazu im häuslichen Lernen unterrichtet wird, sei hierbei noch nicht berücksichtigt.

"Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Sachaufwandsträger mit Übernahme der Notgruppen durch das Team der Mittagsbetreuung sind wir personell entlastet worden." Dadurch stehen nun ein paar Kapazitäten für die zusätzliche Förderung einzelner Kinder zur Verfügung, denen das Lernen zu Hause schwer gefallen sei. "Lehrkräfte, die nicht im Klasseneinsatz sind, unterstützen einzelne Klassenlehrerinnen durch die Übernahme von Korrekturen oder durch Differenzierung." Bis hin zu praktischen Radfahrübungen.

Die räumlichen Voraussetzungen im Schulgebäude würden aber eine Herausforderung darstellen. Da einzelne Klassenzimmer selbst nach Ausräumen sämtlicher Regale und Schränke noch extrem klein wären, müsste man "räumlich erfinderisch sein", sagt Engelbrecht.

FRAUKE ENGELBRECHT

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