Samstag, 10.04.2021

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Letzter Metzger verlässt Pottenstein

Peter Wehrfritz hat ein Angebot, um andernorts eine Filiale aufzumachen. Mit dem Wegzug von Norma in Pottenstein wird das immer wahrscheinlicher. - 20.12.2019 05:55 Uhr

Peter Wehrfritz will seine Metzgerei in Pottenstein schließen. Ein „sehr lukrativer“ Standort ist bereits in Sicht.

19.12.2019 © Foto: Klaus Trenz


Erst in der vorletzten Stadtratssitzung hatte Bürgermeister Stefan Frühbeißer den Projektentwickler Roland Liesmann eingeladen, der seine Einschätzung der Lage vortrug. Auf dessen Aussage, dass der Standort ungeeignet sei, handelte Peter Wehrfritz. Man müsse sehen, dass die Norma die Kunden anlocke, sagt er. Zudem habe sich für ihn eine andere Möglichkeit ergeben. Bereits dreimal sei ihm ein Geschäft an einem anderen Standort angeboten worden und dreimal habe er abgelehnt, weil er nicht noch mehr Filialen bedienen könne. "Das Angebot ist nicht in Pottenstein. Wo soll ich denn hier hin? Es gibt ja in der Innenstadt kaum Parkplätze", erklärt der Metzgermeister. "Unsere Kunden laufen nicht Hunderte Meter, um sich kurz etwas beim Metzger zu holen."

Zudem sei der neue Standort sehr lukrativ, sagt Wehrfritz. Dennoch: Die Entscheidung sei noch nicht endgültig gefallen. Es gebe noch eine geringe Hoffnung. Falls sich bis zum 15. Januar ein Anbieter finden würde, der in das Gebäude an der Straße Mariental einziehe, dann bleibe er und würde die Zeit bis zur Eröffnung überbrücken. "Ich würde gerne dort bleiben, wo wir gerade sind."

Interessenten wären da

Die Redaktion fragte beim Inhaber der Immobilie nach, ob es denn das Wunder von Pottenstein noch geben wird? Josef Wiegärtner erklärte, dass er bereits vor drei Wochen eine Anzeige geschalten habe und auf der Suche nach einem 50-Prozent-Partner sei. Ein Kaufmann aus Bayreuth, der dort zwei Rewe-Nahkauf-Filialen mit Erfolg betreibe, habe Interesse. Voraussetzung wäre jedoch ein Partner vor Ort, da er durch seine zwei Filialen in Bayreuth gebunden sei. Ferner gebe es zwei Interessenten, die das Ganze in Kooperation übernehmen würden. "Wir prüfen dahingehend jetzt alle Formalien. Das dauert noch etwas", sagt Josef Wiegärtner und holt noch etwas aus: "Das Ganze hätte von vornherein verhindert werden können." Denn seit 2012 beschäftigt das Thema die Stadt und alle Beteiligten. "Der erste Stadtratsbeschluss dazu war aber erst im Jahr 2016", sagt Wiegärtner. Bereits vor sechs Jahren habe die Familie erste Baukosten für einen Anbau errechnen lassen.

"Die Norma wäre mit einem Anbau geblieben, wenn die Parkplätze auf dem ungenutzten Grund gegenüber des Gebäudes gebaut worden wären." Doch dazu kam es nie. Jahre vergingen, Parkplätze kamen keine. Schlimmer, die errechneten Baukosten verdoppelten sich bis 2017. Die Familie schickte einen Grundrissplan des Anbaus an die Stadt und auch an einige Stadträte. Den Eingabeplan gibt es in digitaler Form. Wiegärtner erklärt: "Den neuen Mietvertrag bezüglich des Anbaus mit Norma hatten wir ja. Es fehlten nur noch die Erweiterung und die Parkmöglichkeiten." Der Hausbesitzer legte der Redaktion Kopien der Dokumente vor. Darunter ist ein Gutachten zur Bodenuntersuchung und das eines Statikers. Dafür sei die Familie bereits mit 15 000 Euro in Vorleistung gegangen, da man zu dem Zeitpunkt noch Hoffnungen hatte, dass der Anbau und die Parkplätze kämen. Geld, dass jetzt verloren sei.

Durch die immense Preissteigerung und die ausbleibende Aussicht auf eine Umsetzung, trotz vieler Anfragen bei der Stadtverwaltung, stoppte die Familie im Einverständnis mit Norma das Projekt eines Anbaus, woraufhin der Discounter im Januar 2019 die Konsequenzen zog. "Es gab nie eine Dringlichkeit von Seiten der Stadt, obwohl die Zeit drängte", sagt Wiegärtner, "und wären die Stellplätze ein halbes Jahr später gekommen, hätte man das den Kunden immer noch vermitteln können. Aber angeblich gab es keine Zusage von den übergeordneten Behörden."

Dazu sagt Kurt Schnabel vom Staatlichen Bauamt, dass die Stadt Pottenstein im Rahmen der Städtesanierung beabsichtigt, das Umfeld der Staatsstraße 2163 im Mariental neu zu gestalten. Zudem sei geplant, Kurzzeitparkplätze anlegen zu lassen. Im Juli 2015 wurden dem Bauamt erstmalig Konzepte vorgelegt. Diese Planung sei im Grundsatz bereits mit dem staatlichen Bauamt abgestimmt gewesen, für die restliche Zuständigkeit verwies Schnabel auf die Stadt Pottenstein.

Touristen könnten nach Gößweinstein ausweichen

"Ich verstehe das nicht. Man muss doch alles in Bewegung setzen, um eine solche Entwicklung zu verhindern", sagt Peter Wehrfritz enttäuscht. Der Metzgermeister ist sich sicher, dass zum Beispiel die 400 Wohnwagen-Touristen im Sommer, wenn sie in der Innenstadt keine Einkaufsmöglichkeit mehr hätten, eher nach Gößweinstein ausweichen als zu Norma ins Industriegebiet zu fahren. Denn am neuen Standort werde es voraussichtlich keinen Metzger geben. "Dann bleibt das Geld in einer anderen Gemeinde. Die Gäste fahren weiter und gehen dann dort auch noch was essen und tanken", gibt er zu bedenken. Die Entwicklung sei das Schlimmste, was Pottenstein habe passieren können: Der letzte Nahversorger in der Stadt macht zu und die letzte Metzgerei auch.

Bürgermeister Stefan Frühbeißer hatte bereits im Vorfeld mit einer derartigen Veränderung gerechnet: "Die Stadt hat schon sehr früh mit anderen Metzgereibetrieben Kontakt aufgenommen und in diesem Zusammenhang andere Standorte geprüft. Verhandlungen laufen bereits seit geraumer Zeit."

MARTIN BURGER

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