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Letzter Pegnitzer Landrat regierte nur zwei Jahre

Konrad Löhr holte vor 50 Jahren Traumergebnis von 98,7 Prozent - Landkreis 1972 aufgelöst - 19.03.2020 10:20 Uhr

Der amtierende Landrat Heinrich Dittrich (l) beglückwünschte seinen frisch gewählten Amtsnachfolger Konrad Löhr im Blitzlichtgewitter der Fotografen. © Claus Volz


Von den 25 223 wahlberechtigten Bürgern im Jahr 1970 gaben 13 681 ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung betrug damit 84,4 Prozent gegenüber 61 Prozent im Jahr 1964. Die höchste Wahlbeteiligung war in Langenloh mit 96,3 Prozent zu verzeichnen, in Pegnitz dagegen gingen nur 42,3 Prozent an die Urne.

Der Pegnitzer Bürgermeister Christian Sammet und das Creußener Stadtoberhaupt Robert Kragler gehörten zu den ersten Gratulanten. © Claus Volz


Als das Ergebnis feststand, war Landrat Senator Dr. Heinrich Dittrich, der aus Altersgründen nicht mehr kandidiert hatte, der erste, der seinem Amtsnachfolger gratulierte; „Ich mache mich zum Sprecher aller und wünsche Ihnen für die nächsten sechs Jahre ein herzliches Glückauf, alles Gute für ihre Arbeit, für den Landkreis und seine Gemeinde." Dann schlossen sich die Mitarbeiter Löhrs aus dem Gemeindereferat an, die sich im kleinen Konferenzzimmer des Landratsamtes eingefunden hatten.

Der neugewählte Landrat Konrad Löhr bei seinen ersten Dankesworten in kleiner Runde. © Claus Volz


Mit bewegten Worten dankte Löhr: „Jeder wird verstehen, dass ich in diesen Stunden gerührt bin. Ich möchte meinen besonderen Dank sagen an Landrat Senator Dr. Dittrich sowie allen Freunden der ÜBMV und der CSU, die diesen Weg treu bis zur Stunde des Wahlsieges mit mir gegangen sind. Es war für mich nicht leicht, mich zu entscheiden und zur Landrats-Kandidatur ja zu sagen." Weiter meinte der frisch gewählte Landrat: „Das, was mein Vorgänger in den vergangenen 20 Jahren geleistet hat, gibt mir nicht nur die Kraft, sondern auch die Verpflichtung, im gleichen Sinne weiterzuarbeiten zum Wohle des gesamten Landkreises."

Landrat Dr. Heinrich Dittrich (l.) und sein Amtsnachfolger Konrad Löhr hatten vorher schon 20 Jahre lang vertrauensvoll zusammengearbeitet. © Claus Volz


Die Mitarbeiter bat er, ihm auch in Zukunft die Unterstützung zu gewähren. „Ich kann die Aufgaben nur dann bewältigen, wenn Sie mir weiterhin zur Seite stehen. Alle meine Bestrebungen gehen dahin, den Landkreis und seine Gemeinden weiter zu fördern, damit sie am Fortschritt teilhaben können."

Dann ging es weiter im Reigen der Gratulanten. Für die Stadt Pegnitz überreichte Bürgermeister Christian Sammet einen Strauß Rosen. Die Fraktionsvorsitzenden der ÜBMV, Georg Moßner, und der CSU, Heinrich Fähnlein, schlossen sich den Glückwünschen an. Aus Creußen hatte Bürgermeister Robert Kragler ein Stadtwappen und einen echten „hausgemachten Creußener Presssack" mitgebracht. Um die kräftige Brotzeit vollständig zu machen, hatte Kreisrat Willi Stöhr aus Betzenstein kerniges Bauernbrot dabei.

SPD stellte keinen Gegenkandidaten

Wenig später knallten die Sektkorken. Der neu gewählte Landrat stieß mit Gästen und Mitarbeitern auf den Erfolg und auf gute Zusammenarbeit an. Daraufhin begab sich die Gesellschaft auf Einladung Löhrs geschlossen in die Ratsstube. In den Grußworten deutete Senator Dr. Dittrich die Anwesenheit aller drei Fraktionen von CSU, ÜBMV und SPD als ein gutes Zeichen für die Zukunft. Für die SPD, die keinen Gegenkandidaten aufgestellt und auch keine Wahlempfehlung abgegeben hatte, übermittelte der Landtagsabgeordnete Fritz Gentner telefonisch Glückwünsche.

Schon im Vorfeld war der spätere Sieger von allen Seiten als höchst qualifiziert bezeichnet worden: Zweifellos ist Konrad Löhr der Landratskandidat, der die Sorgen und Nöte des Landkreises Pegnitz und seiner Gemeinden in- und auswendig kennt. Durch seine 17-jährige Arbeit im Gemeindereferat konnte er das Vertrauen der Landkreisbevölkerung, vor allem aber das Vertrauen der Bürgermeister erringen. Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, dass so manches Problem in den Gemeinden gelöst werden konnte. Verhandlungen leitete Löhr mit großem Geschick und konnte so oftmals erreichen, dass Gemeinderäte mit ihren Planungen nicht an der Gemeindegrenze aufhörten, sondern sich mit den Nachbarn zusammensetzten, hieß es unisono.

Löhr wurde am 8. Februar 1917 in Pegnitz geboren. Er besuchte die Oberrealschule in Bayreuth und trat 1934 in den Dienst der Sparkasse Pegnitz ein. Nach erfolgreich abgelegter Lehre wurde er zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht einberufen, wo er in Polen schwer verwundet wurde.

Im Juni 1942 begann Löhr seine Laufbahn als Verwaltungsbeamter beim Landratsamt Pegnitz. Nach der Prüfung für den gehobenen Dienst war er in verschiedenen Referaten an verantwortungsvoller Stelle tätig. 1953 wurde ihm die Leitung des Gemeindereferates übertragen. Seit 1953 war er zudem als Sozialrichter beim Sozialgerieht Bayreuth tätig. Die Ernennung zum Kreisamtmann erfolgte 1964, die Beförderung zum Kreisoberamtmann 1969.

Mit Konrad Löhr gewann ein Politiker die Wahl, der mit Landrat Dr. Dittrich zwei Jahrzehnte lang erfolgreich und vertrauensvoll zusammengearbeitet hat; er betrachtete es deshalb als seine vornehmste Aufgabe, diese Aufbauarbeit zum Wohl des Landkreises Pegnitz zielstrebig und konsequent fortzusetzen. Lang war ihm das allerdings nicht vergönnt, wurde der Landkreis Pegnitz doch Mitte 1972 im Zuge der Gebietsreform aufgelöst. Konrad Löhr fungierte anschließend bis zu seinem Tod als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Pegnitz. 

CLAUS VOLZ/RICHARD REINL

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