Oldtimer

Liebhaber ersteigert 38 Jahre altes Löschfahrzeug von der US-Armee

14.7.2021, 17:42 Uhr
Ein rotes Ungetüm mit Überbreite. Michael Haberland ersteigerte das inzwischen 38 Jahre alte Flugfeldlöschfahrzeug von der US-Armee in Grafenwöhr. Nach Überwindung etlicher Hürden erhielt es eine Straßenzulassung.

Ein rotes Ungetüm mit Überbreite. Michael Haberland ersteigerte das inzwischen 38 Jahre alte Flugfeldlöschfahrzeug von der US-Armee in Grafenwöhr. Nach Überwindung etlicher Hürden erhielt es eine Straßenzulassung. © Foto: Jürgen Leißner

Anlass war die wöchentliche Sitzung des Rotary Clubs Auerbach erstmals nach Corona wieder zurück im Clublokal Wilder Mann in Königstein. Präsident Marko Reiter hatte dazu ein kleines Oldtimertreffen organisiert. Einige Clubmitglieder waren dem Aufruf des Präsidenten gefolgt und kamen zum ersten Präsenzmeeting mit ihren ungewöhnlichen Fahrzeugen. Dabei waren ein Fendt Dieselrossschlepper, ein Pinzgauer aus Österreich aber auch verschiedene Sportwagen.

Doch ein roter Bolide stach förmlich ins Auge: Reiters Freund und Feuerwehrliebhaber Michael Haberland aus Altenplos im Landkreis Bayreuth hat bei einer Online-Auktion der US-Arme im Jahr 2018 ein Flugfeldlöschfahrzeug, Baujahr 1983, aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr erworben. Die außergewöhnliche Geschichte bis zum Erwerb des ungewöhnlichen Fahrzeugs hat Haberland den Mitgliedern des Rotary Clubs in einem kurzweiligen Vortrag unter dem Motto "Jeder braucht seine Last(er)" nähergebracht.

Sohn wollte Geländewagen

Michael Haberland ist seit 32 Jahren selbständiger Informatiker und arbeitete bis vor sieben Jahren nahezu 80 Stunden die Woche. Er beschloss, etwas herunterzufahren, um wieder mehr Zeit mit Frau und Kinder verbringen zu können. Auf der Suche nach einer Idee, die die Familie wieder enger zusammenfügen könnte, antwortete sein damals zwölfjähriger Sohn spontan: ein Geländewagen. Seine Frau sagte dazu nur, macht das, was euch Spaß macht. Ein paar Tage später stand bereits ein ehemaliger Unimog der Bundeswehr vor dem Haus. Als in einem Sandbruch bei Leipzig auch noch die Frau gefallen am Offroadfahren fand, musste ein zweites Fahrzeug angeschafft werden. Ein Baugleicher Unimog war nicht mehr aufzufinden. Es wurde ein Fünftonner-Lkw der Bundeswehr und Haberland machte dafür extra noch den erforderlichen Führerschein.

Ein Pinzgauer aus Österreich und drei T3-VW-Busse später war eine Sammelleidenschaft aufgekommen. Die Fahrzeuge wurden in Eigenregie restauriert. Und nach einigen Outdoorurlauben war die Familie wieder enger zusammengewachsen. Mit der Folge: ein richtiges Highlight zum Abschluss musste her. Im Internet wurden sämtliche Auktionsseiten durchgestöbert, bis Michael Haberland auf einer Seite der US-Armee das 16,5 Tonnen schwere Flugfeldlöschfahrzeug in die Augen gefallen ist.

Das Fahrzeug mit dem Fahrgestell der früheren Firma Faun aus dem mittelfränkischen Lauf erhielt seinerzeit einen feuerwehrtechnischen Aufbau der Arbeitsgemeinschaft der Firmen Bachert und Ziegler. Ausgestattet mit einem 320 PS starken Motor, einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 110 Stundenkilometern, Wasserwerfer auf dem Dach und einem 3500 Liter fassenden Wassertank ist der rote Bolide einer von lediglich 200 Fahrzeugen dieser Art weltweit.

Die ersten fünf Jahre seiner Lebenszeit war er auf dem Flugfeld des US-Truppenübungsplatzes in Grafenwöhr eingesetzt. Die weiteren Jahre bis zu seiner Außerdienststellung im Jahr 2018 verbrachte das mittlerweile 38 Jahre alte Löschfahrzeug seinen Einsatzdienst im Fire Department Vilseck im Südlager.

Originalteile gibt es noch

So weit so schön. Doch nun begannen für die Familie Haberland die Hürden. Das Fahrzeug hatte bayerischen Boden noch nie verlassen aber musste offiziell aus den USA importiert werden, obwohl es beim Verkauf deutschen Boden nicht verlassen würde. Nach langen Gesprächen mit dem Zoll war die erste Hürde gemeistert. Die zweite: die Überbreite. Nach etlichen Telefonaten stand nun auch die Ausnahmegenehmigung vorbehaltlich dem TÜV in Aussicht. Als letzteres klärte Haberland noch die Ersatzteilversorgung beim Hersteller ab. Außer dem Fahrersitz gibt es noch alles im Original. Der Familienrat tagte, setzte sich eine Preisobergrenze und am Tag der Auktion erhielt man den Zuschlag auf das Fahrzeug, weit unter dem gesetzten Limit.

Der Wassertank des 16,5-Tonners fasst 3500 Liter. Damit ist Haberland in seinem Heimatort sogar bei der örtlichen Feuerwehr aktiv.

Der Wassertank des 16,5-Tonners fasst 3500 Liter. Damit ist Haberland in seinem Heimatort sogar bei der örtlichen Feuerwehr aktiv. © Foto: Jürgen Leißner

Mit Kanister voll Sprit und Öl ging es nach Vilseck zur Abholung. Gekauft wurde das Fahrzeug ohne vorherige Besichtigung, denn das ist nicht möglich. Aber was macht man nun mit so einem Fahrzeug. Vielleicht könnte die Ortsfeuerwehr davon einen Mehrwert haben?

Grundausbildung absolviert

Haberland nahm Kontakt zum Kommandanten der Feuerwehr Altenplos auf. Dieser war begeistert. Das Fahrzeug könne bei Wald und Vegetationsbränden eingesetzt werden, aber fahren müsse er das Gerät schon selbst. Als Quereinsteiger absolvierte Michael Haberland die feuerwehrtechnische Grundausbildung. 2019 war das Flugfeldlöschfahrzeug dann gleich bei zwölf Einsätzen mit eingebunden. Eine Brandstifterserie sorgte für viele Flächenbrände in Oberfranken. War es der Wassertransport oder das Löschen in unwegsamen Gelände, es war der letzte Weg eines möglichen Sinnes und der Beginn des zweiten Feuerwehrlebens für den roten Boliden.

Von der Aktion begeistert

Vom Informatiker zum Hobbyschrauber als Ausgleich. In der Selbständigkeit wieder freien Raum und Kopf schaffen mit solch einer Aktion. Diese abschließenden Worte richtete Haberland an die Clubmitglieder des Rotary Clubs Auerbach. Diese waren von der Aktion und Vortrag begeistert und zollten diesem Respekt mit gehörigem Applaus. Der Präsident Marko Richter bedankte sich mit Blumen und einem kleinen Präsent bei der Familie Haberland für deren Zeit und den Weg von Altenplos bis nach Königstein, den sie auf sich genommen hatten.

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