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Liefen hier sechs Wölfe vor die Kamera bei Auerbach?

Sechs statt vier Exemplare im Veldensteiner Forst gesichtet - 12.12.2018 17:20 Uhr

"Auf alle Fälle hatte ich schnell den Gedanken, dass es sich um Wölfe handelt", erzählt Jäger Wolfram Murr. Als er auf seinem Hochsitz saß, lief ihm erst ein Tier vor die Linse, dann kamen immer mehr in sein Sichtfeld, am Ende waren es sechs Stück, höchstwahrscheinlich Wölfe.

Nur drei- bis viermal pro Jahr geht Wolfram Murr zum Jagen an diese Stelle in der Pegnitzau, am östlichen Rand des Veldensteiner Forsts. Insofern war es ein großes Glück, dass ihm die vermeintlichen Wölfe in der Nacht des 17. November vor die Linse seines Nachtsichtgeräts liefen. "Man checkt schnell, dass es sich nicht um Schwarz-, Rot- oder Rehwild handelt", sagt der 50-jährige Murr, der als Werbefotograf in Nürnberg arbeitet. Murr ist seit 34 Jahren Jäger, mit 16 Jahren hat er den Schein gemacht. Zum ersten Mal während dieser Zeit hat er nun vermeintliche Wölfe gesehen - und war beeindruckt. "Als Jäger haben wir die Wölfe natürlich nicht so gern. Aber man ist ja Naturschützer und liebt die Natur, so ein Ereignis lässt einen nicht kalt", so Murr.

 

Der Sprecher des Landesamtes für Umwelt (LfU) kennt das Video. Das LfU ist für das Wolfsmonitoring in Bayern zuständig. Das Amt hat bereits eine Zweitmeinung des Dokumentations- und Beratungszentrums des Bundes eingeholt. Laut LfU wird das Video als seriös eingeschätzt, ein sicherer Beweis ist es allerdings nicht. "Die Qualität des Videos ist für einen sicheren Nachweis nicht ausreichend. Aufgrund der uns bekannten Rahmenbedingungen, wird es aber als authentisch eingeschätzt", sagt der LfU-Sprecher.

Die Experten gehen davon aus, dass es sich bei dem Rudel um das aus dem Veldensteiner Forst handelt. Dort sind zwei Jungtiere und ein Elternpaar nachgewiesen. Sichere Nachweise sind genetische Spuren und sehr gute Bilder aus Fotofallen. Das Video nun "ist ein weiterer Hinweis, die wir zu den Tieren haben. Sie haben sich bisher sehr unauffällig verhalten und sich von Wildtieren ernährt."

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Wolfsberater Markus Martini deckt für das LfU die Oberpfalz ab. Er meint: "Man sieht im Video, dass das Hundeartige sind, aber das ist noch kein eindeutiger Nachweis. Da man weiß, dass das Video aus einem Wolfsgebiet kommt, ist die Wahrscheinlichkeit durchaus gegeben, dass es Wölfe sind. Es ist toll gewesen, dass Herr Murr solche Aufnahmen machen konnte."

Laut dem Michelfelder Jäger sind bisher in dem Gebiet, in dem die vermeintlichen Wölfe aufgenommen wurden, schon mehrfach Risse durch die Beutegreifer nachgewiesen worden. "Das fehlt einem dann im Abschuss", so Murr. Und weiter: "Die wissen schon genau, wo sie jagen müssen. Da ist viel Wiese, da können sie gut Geschwindigkeit machen." 

Luisa Degenhardt Redaktion Nordbayerische Nachrichten Pegnitz und Auerbach E-Mail

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