Lockerung der Corona-Regeln: Plecher Kameramuseum kurz vor Öffnung

19.5.2021, 14:55 Uhr
Noch sieht es in manchen Ausstellungsräumen eher nach einem Gebrauchtwarenlager als nach einem Museum aus, aber bis zur Wiedereröffnung wird alles picobello sein. Wolfgang Schanderl (links), Andreas Wolf (rechts) und Kollegen leisteten seit Monaten dazu die Vorarbeiten.

Noch sieht es in manchen Ausstellungsräumen eher nach einem Gebrauchtwarenlager als nach einem Museum aus, aber bis zur Wiedereröffnung wird alles picobello sein. Wolfgang Schanderl (links), Andreas Wolf (rechts) und Kollegen leisteten seit Monaten dazu die Vorarbeiten. © Foto: Kurt Tauber

 Herr Tauber, das Deutsche Kameramuseum in Plech öffnet am 6. Juni wieder für Besucher. Ging es jetzt doch schneller als erwartet?

Tauber: Es ist jedes Jahr dasselbe wie mit Weihnachten: Man weiß längst, dass der Termin näher rückt, wird aber doch immer wieder überrascht. In unserem Fall kam die Möglichkeit zum ohnehin verspäteten Saisonstart wirklich unerwartet, so dass wir noch ein paar Tage brauchen, alles vorzubereiten.


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Mit der Öffnung geht auch ein umfassendes Hygienekonzept einher. Schaffen Sie das und auch die damit verbundene Kontrolle der Besucher auf Tests, falls dies noch nötig ist?

Tauber: Das Hygienekonzept steht ja schon seit vergangenem Sommer: Abstandsregeln, Plexiglas-"Spuckschutz" an der Kasse, Desinfektionsmittel und was noch alles dazu gehört. Da wir ja keine Massenveranstaltungen haben und unsere Besucherzahl überschaubar ist, würden wir auch Öffnungszeiten mit Kontrolle der Coronatests bewältigen. Aber das ist ja – derzeit – etwas entspannter. So lange wollten wir mit der Öffnung warten.

 

Seit wann laufen die Vorbereitungen auf die Öffnung?

Tauber: Wenn wir nur einfach hätten aufsperren können, wäre das mit ein paar Stunden Einsatz zu bewältigen gewesen. Aber wir haben natürlich die Zeit der coronabedingten Schließung im Herbst und die normale Winterpause (Dezember und Januar) sowie den erneuten Lockdown für umfangreiche Umgestaltungen genutzt, die aufgrund der Kontaktbeschränkungen natürlich länger dauerten als sonst. So ist Kollege Wolfgang Schanderl aus Nürnberg beispielsweise seit Herbst dabei, unsere – wie wir jetzt erst wissen – mehr als 800 Diaprojektoren erstmals systematisch zu sortieren, zu erfassen, zu fotografieren und zu katalogisieren. Er hat fast jedes Wochenende damit verbracht, im Deutschen Kameramuseum in Plech aus den drei Depots und den Ausstellungsräumen die nicht ganz leichten Geräte zusammenzutragen, "erkennungsdienstlich zu behandeln" und wieder systematisch zu verstauen, was nicht in der Ausstellung bleiben kann. Das ist eine Heidenarbeit, die noch nicht ganz abgeschlossen ist.

 

Was ist alles zu tun?

Tauber: Neben solchen Aufräumarbeiten und etwas Staubwischen und Durchfegen, wie üblich, müssen noch 26 Umzugskartons mit hochwertiger Fotoliteratur verstaut werden, die wir kürzlich vom Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig erhalten haben. Eigentlich hätten wir das gleich sortieren und katalogisieren wollen, aber dazu fehlt im Museum der Platz. Also erst mal zwischenlagern. Und völlig überraschend haben wir von der Stadt Zeil am Main weitere sechs große Glasvitrinen überlassen bekommen, die noch aus dem 2019 dort aufgelösten Fotomuseum stammen. Auch die wollen geholt und montiert sein. Das kostet Zeit und Kraft.

Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es das Deutsche Kameramuseum in Plech, das in Räumen der Grundschule untergebracht ist. Kurt Tauber (70) leitet es, ist stellvertretender Vorsitzender des gleichnamigen Fördervereins und Vorsitzender der Stiftung Tauber. Letztere stellt dem Museum die Ausstellungsgegenstände zur Verfügung.

Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es das Deutsche Kameramuseum in Plech, das in Räumen der Grundschule untergebracht ist. Kurt Tauber (70) leitet es, ist stellvertretender Vorsitzender des gleichnamigen Fördervereins und Vorsitzender der Stiftung Tauber. Letztere stellt dem Museum die Ausstellungsgegenstände zur Verfügung. © Foto: privat

 

Haben Sie genügend Helfer für die Arbeiten?

Tauber: Glücklicherweise haben wir im letzten Jahr einige neue Aktive gewinnen können, die uns "alte Herren" – der älteste ist Mitte 70, ich selbst wurde gerade 70 – sehr tatkräftig unterstützen und unsere Aufgaben übernehmen, so dass das schon zu bewältigen ist.

 

Gibt es etwas Besonderes zur Wiedereröffnung?

Tauber: Den Saisonstart am Sonntag, 6. Juni, 11 Uhr, wollen wir etwas ruhiger angehen, um keine Probleme mit den Corona-Regeln zu bekommen. Eine Woche später, am Sonntag, 13. Juni, wird in einer kleinen Vernissage um 11 Uhr die neue Fotoausstellung "Im Bann der Bahn" mit faszinierenden Schwarz-Weiß-Bildern von Loks und Zügen des früheren Pegnitzer Journalisten Peter Gisder eröffnet.

 

Wie haben Sie die Zeit der zwangsweisen Schließung im Museum genutzt?

Tauber: Die unfreiwillig verlängerte Winterpause haben wir sehr intensiv und vielfältig nutzen können. Beispielsweise haben verschiedene Kollegen immer wieder daran gearbeitet, eine Sammlung von Fotoartikeln aus früherer DDR-Produktion in den Bestand zu integrieren. Die Sachen lagerten – nicht zuletzt wegen Corona – über ein Jahr ungesichtet in einem externen Depot. Während des laufenden Museumsbetriebs wäre das unmöglich zu schaffen gewesen, weil der Platz nie gereicht hätte und wir nicht jedes Wochenende alles hätten wegräumen können. 

Peter Gisder, ein gebürtiger Pegnitzer, fotografiert seit Jahrzehnten mit Leidenschaft und Können Loks und Züge – am liebsten analog und in klassischem Schwarzweiß. Etwa 35 seiner Eisenbahnbilder sind bald im Deutschen Kameramuseum ausgestellt.

Peter Gisder, ein gebürtiger Pegnitzer, fotografiert seit Jahrzehnten mit Leidenschaft und Können Loks und Züge – am liebsten analog und in klassischem Schwarzweiß. Etwa 35 seiner Eisenbahnbilder sind bald im Deutschen Kameramuseum ausgestellt. © Foto: Peter Gisder

 

Seit wann gibt es das Museum?

Tauber: Ein Jubiläum ist leider wegen Corona völlig untergegangen: Wir hätten heuer in den Pfingstferien unser zehnjähriges Bestehen groß feiern wollen: mit Workshops, Ausstellungen, einem Grillfest und mehr. Das fällt jetzt alles ins Wasser. Wir haben aber im vergangenen Herbst einen tollen Audioguide von der Bundesregierung spendiert bekommen, in dem wir immerhin 37 Stationen unseres Museums als Hörspiel vorstellen. Der Audioguide hat am 6. Juni Premiere. Besucher sollen dazu unbedingt ihre eigenen Smartphones, am besten mit Ohrhörer, mitbringen. Das wird sicher eine große Überraschung. Wer sich jetzt schon damit beschäftigen will: Man kann das Museum per Internet und Audioguide bereits virtuell besuchen. Alle Infos auf der Museumshomepage unter www.kameramuseum.de.

 

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