Donnerstag, 06.05.2021

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Lockerungen im Landkreis Amberg-Sulzbach: So reagieren Einzelhandel, Gastronomie und Schulen

Wegen sinkender Infektionszahlen wird auch in Auerbach langsam gelockert - 05.05.2021 08:55 Uhr

Für Abschlussklassen, wie diese Abiturienten in Wiesbaden, gehören freiwillige Corona-Tests in der Schule längst zum Alltag. Mit der Rückkehr weiterer Klassenstufen in den Präsenzunterricht werden auch für diese entsprechende Tests nötig.

04.05.2021 © Jörg Halisch/www.imago-image


"Ich packe das immer in eine kleine Geschichte", berichtet Gabriele Appl. "Es ist für die Kinder spannend, zu beobachten, wie die Testflüssigkeit im Teststreifen nach oben läuft und dann hoffentlich das zweite Feld beim Ergebnis leer bleibt." Nach 15 Minuten bitte sie ihre Schüler, auf den Streifen zu schauen und im Chor habe es ihr dabei bislang stets entgegen geschallt: "Wir sind alle negativ."

Die Kinder legten große Sorgfalt beim Testen an den Tag und seien merklich erleichtert über negative Ergebnisse. Nichtsdestotrotz sei nicht allen Eltern wohl dabei, ihre Kinder ab Mittwoch oder Donnerstag wieder in den Wechselunterricht zu schicken. Appls Eindruck nach liegt das ganz klar an der Testpflicht. Einzelne Familien hätten jetzt sogar ihre Kinder beurlaubt und würden dann von den Lehrkräften mit Material zum sogenannten Distanzlernen versorgt.

Erklärung für jedermann

Simone Frohnhöfer von der Wasserwacht Auerbach hofft, in diesem Dilemma ein wenig vermitteln zu können: Gemeinsam mit der stellvertretenden Vorsitzenden Birgit Heringklee und anderen Ehrenamtlichen habe sie deshalb für den Vorabend der breiteren Schulöffnung eilends eine Sondertest-Aktion im BRK-Heim auf die Beine gestellt.

"Es haben viele Kinder Angst vor der Selbsttestung", berichtet Frohnhöfer. "Das Angebot soll einfach eine kurze Einweisung samt Erklärung für jedermann sein." Auch den Lehrkräften sei Unterstützung bei der ja nur verbal möglichen Anleitung beim Testen willkommen, berichtet Frohnhöfer. So habe sie bereits in der Abschlussklasse ihrer Tochter und deren Parallelklasse an der Mittelschule, als diese wieder in den Präsenzunterricht durften, das Testen erläutert. Selbiges werde sie nun in den anderen Jahrgangsstufen tun, während Heringklee in der Grundschule helfen wird.

Dort ist Schulleiterin Appl "vorsichtig optimistisch", wie sie es formuliert, dass Präsenzunterricht allmählich wieder alltäglich wird. Sie betont aber auch: "Wir wollen, dass niemand krank wird. Gesundheitsschutz geht immer vor dem Durchnehmen von Unterrichtsstoff." Für Grundschüler sei es jetzt erst mal zentral, sie nach der Rückkehr in die Klassenräume viel erzählen zu lassen, sagt die Pädagogin und erklärt: "Gerade in dieser Altersstufe sind soziale Kontakte so wichtig." 

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Nach mehr Normalität sehnen sich auch die Einzelhändler in der Stadt: "Wenn nächste Woche auch die Außengastronomie wieder aufmachen darf, dann haben wir das, was wir brauchen: ein bisschen Erlebnis", sagt Bernhard Bundscherer, der Vorsitzende des Gewerbevereins Auerbach. "Weil auch das Umfeld passen muss. Wenn ,nurʻ die Geschäfte wieder aufmachen dürfen, ist das bloß die halbe Miete."

Abschreckende Wirkung

Dennoch seien die Händler natürlich überaus froh, überhaupt geöffnet haben und jetzt auch wieder ohne negatives Testergebnis Kunden empfangen zu dürfen. Besonders bei kleineren Besorgungen oder im Textilhandel sei die Testpflicht für viele abschreckend gewesen, berichtet Bundscherer. Bei ihm im Möbelhaus hätten die Kunden dagegen bereitwillig die Testmöglichkeit angenommen, da etwa ein Kücheneinkauf ja ohnehin eine aufwändigere Angelegenheit sei, für die die Menschen entsprechend Zeit mitbrächten. 

Bundscherer zählt zu den positiv denkenden Zeitgenossen und sagt: "Wir hoffen, dass wir als nächstes einen Inzidenzwert von unter 50 erreichen." Und schickt ein Lob hinterher: "Wir sind sehr froh, dass es aufwärts geht. Dass wir das alle gemeinsam geschafft haben."

Für Wirt Heiko Lohner vom Gasthof Grottenhof bei der Maximiliansgrotte in Neuhaus ist dagegen noch nichts gewonnen: "Die Teilöffnung im Landkreis Amberg-Sulzbach betrifft uns leider nicht, wir sind ja im Nürnberger Land." Dazu, wie er die Chancen einschätzt, bald wieder Gäste bewirten zu können, will er sich nicht äußern. "Es kommt, wie es kommt", sagt Lohner. Schiebt aber trocken hinterher, dass er – wenn er nicht bald grünes Licht bekäme – dann gar nicht mehr aufsperren zu bräuchte.

Die Abholung von Speisen, die der Grottenhof am Wochenende anbietet, werde auf sehr niedrigem Niveau angenommen. "Wir sind halt am Land", erklärt er. Dort gebe es nicht so viel Laufkundschaft, außer am Wochenende. "Dann ist unser Parkplatz voll, und drei oder vier Familien gehen gemeinsam in den Wald", berichtet Lohner kopfschüttelnd. "Aber wir dürfen sie nicht bewirten und schauen dumm." Schinken und Käse habe er jedenfalls gemacht. Das nötige Personal, wenn es wieder losgehen sollte, hofft er spontan zu finden. 

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Dass in der Region drei Landkreise aneinder stoßen, führt zu der etwas paradoxen Situation, dass teils bei nur wenigen (Kilo)Metern entfernt voneinander lebenden Freunden und Familienangehörigen unterschiedliche Regeln gelten. Die Polizei Auerbach rechnet deshalb trotzdem nicht mir Problemen: "In der Regel weiß ich ja, wo mein Landkreis endet", sagt Dienststellenleiter Manfred Weiß.

Die Kreisgrenze zählt

Bei Lockerungen der Ausgangsbeschränkung in einem Landkreis sei immer die Kreisgrenze maßgeblich. Auerbacher könnten nun also etwa nach 22 Uhr noch joggen gehen oder gemäß der Kontaktbeschränkungen einen Freund in Michelfeld besuchen, nicht aber beispielsweise nach Amberg oder Nürnberg fahren, wo die Inzidenz über 100 liegt und entsprechend strengere Regeln gelten. 

ASTRID LÖFFLER

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