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Machtkampf beim EV Pegnitz?

Putschversuch? Beim EVP deutet sich ein Umbruch an - Sportlichen Leiter Jens Braun entlassen - 10.04.2020 17:35 Uhr

Nachwuchstrainer Alexander Herbst (stehend mit roten Handschuhen) ist der neue Sportliche Leiter des EV Pegnitz. Unklar ist, wie lange er dieses Amt ausüben wird: Im Verein deutet sich ein Machtkampf an. © Foto: Klaus Trenz


Obwohl das Coronavirus und dessen Auswirkungen das sportliche Leben momentan lahm legen, müssen beim EV Pegnitz Weichen für die Zukunft gestellt werden. Ein Anfang, der im Verein für Diskussionsstoff sorgt, ist nun gemacht: Jens Braun, als Sportlicher Leiter für die Kaderplanung der ersten Eishockey-Mannschaft zuständig, wurde mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. An seine Stelle rückt Ex-Profi Alexander Herbst. Getroffen haben diese Entscheidung der stellvertretende Vorsitzende Christoph Wonde und Schatzmeister Andreas Färber — ohne das Zutun des Vorsitzenden Sven Albers. Der ist aus gesundheitlichen Gründen auf unbestimmte Zeit nicht verfügbar.

Einst hütete er das Tor des EVP. Jetzt wurde er als sportlicher Leiter entlassen: Jens Braun. © Irene Lenk


"Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, weil wir an die Kaderplanung für die kommende Saison denken müssen", sagt Färber, "wir sind eh spät dran mit der Planung, sie hätte eigentlich schon im Februar losgehen müssen." Dass diese Planung nicht mehr Jens Braun obliegen wird, haben die Verantwortlichen beschlossen, "nachdem wir in die Sparten des Vereins hineingehört haben", wie Färber sagt.

Überwiegender Tenor sei gewesen, dass Braun sein Augenmerk zu sehr auf die erste Mannschaft gerichtet habe und Erfolge ausblieben. Bekanntlich schafften die Ice Dogs erst über die Abstiegsrunde den Klassenverbleib in der Landesliga. Das gelang ihnen als Tabellenerster allerdings souverän. "Wir wollen keine dreckige Wäsche waschen", sagt Färber, "Jens Braun hat sich für drei Jahre in diesem Amt in den Dienst des Vereins gestellt. Dafür sind wir ihm sehr dankbar."

Braun selbst sieht die Dinge ganz anders. Er empfindet seine Entlassung als Putschversuch. "Hier wird ausgenutzt, dass der Vorsitzende Sven Albers nach einem Verkehrsunfall im Krankenhaus liegt und nicht mitentscheiden kann." Als Sportlicher Leiter der ersten Mannschaft sei es eben seine Aufgabe gewesen, sein Augenmerk genau auf dieses Team zu richten. "Mein Weg wurde vom Vorstand immer abgenickt. Auch von den Personen, die mich jetzt entlassen haben."

Rückkehr für Braun vorstellbar

Braun hat eine Ahnung, wie es nun im Verein weitergehen könnte. Er spricht von zwei Gruppierungen, die sehr unterschiedliche Philosophien verfolgen, nicht miteinander zusammenarbeiten möchten und jeweils versuchen werden, über die Neuwahlen des Vorstands — wann auch immer diese stattfinden werden — die Kontrolle über den EVP zu erlangen. "Die eine Gruppierung möchte auf keinen Fall mit mir zusammenarbeiten, die andere, zu der Sven Albers etwa als Schriftführer gehören würde, aber schon", fasst Braun zusammen. Er kann sich durchaus vorstellen, wieder ein Amt zu übernehmen — zum Beispiels das des Sportlichen Leiters.

Sofern es die aktuelle Situation um das Coronavirus zulässt, sollen die Neuwahlen laut Färber und Wonde Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden. Sie bestätigen, dass bereits verschiedene Kandidaten ihr Interesse an Ämtern bekundet haben. "Namen wollen wir jetzt aber noch nicht nennen. Vielleicht gibt es in ein, zwei Wochen mehr", sagt Wonde.

Klar ist, dass sich Wonde und Färber nicht mehr zur Wahl stellen werden — aus Zeitgründen, wie beide sagen. "Wir wollen aber weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen", sagt Färber.

Sportlicher Leiter wird bis zu den Neuwahlen Alexander Herbst sein. Es ist davon auszugehen, dass zumindest eine der beiden Gruppierungen will, dass er das Amt auch nach den Wahlen ausübt. "Ich möchte, dass wieder mehr Pegnitzer und junge Spieler aus der Region den Sprung in die erste Mannschaft schaffen", sagt Herbst. Momentan gibt es bei den Ice Dogs in der Landesliga lediglich vier Eigengewächse, Herbst sieht Potential "mindestens acht, neun Mann" mittelfristig aus der Jugend hochzuziehen. Für die kommende Saison möchte er aber mit allen Spielern aus dem EVP-Kader sprechen.

Auch Schwindl und Hagen dabei

Nachwuchstrainer will Herbst bleiben. Mit Stefan Hagen und Markus Schwindl hat er sich für die Leitung der ersten Mannschaft zwei bekannte EVP-Gesichter ins Boot geholt, Herbst selbst möchte sein Augenmerk weiterhin auch auf den Nachwuchs richten.

MARCEL STAUDT

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